Jugendvertretung fordert bessere Betreuung minderjähriger Flüchtlinge

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Auch in Wien-Erdberg ist man mit der Flüchtlingsunterbringung unzufrieden.
Auch in Wien-Erdberg ist man mit der Flüchtlingsunterbringung unzufrieden. - © APA (Sujet)
Eine bessere Unterbringung und Betreuung junger Flüchtlinge und Asylwerber fordert die Bundesjugendvertretung. Die Vorsitzende Laura Schoch sprach von einem Verfassungsbruch, denn die derzeitige Situation widerspreche den Kinderrechten.

Junge Flüchtlinge hätten in Österreich große Probleme, seien aber auch optimistisch, berief sich Schoch auf eine von der Bundesjugendvertretung in Auftrag gegebene Untersuchung. Für die explorative Studie befragte IFES zwischen 22. November und 10. Dezember vergangenen Jahres 66 Jugendliche, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Österreich gekommen waren, zu ihrer Lebenssituation. Repräsentativ ist die Studie nicht, so liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Osten Österreichs, auch sind jene, die in großen Unterkünften leben, überrepräsentiert. Fast zwei Drittel der Befragten kommen aus Afghanistan, 88 Prozent der Interviewten sind Burschen. Der genaue rechtliche Status – ob Asylwerber, anerkannte Flüchtlinge oder subsidiär Schutzberechtigte – wurde nicht abgefragt.

Unzufriedenheit unter Flüchtlingen mit Wohnsituation – auch in Wien

Unzufrieden sind die Jugendlichen laut der Befragung mit ihrer Wohnsituation. Im Erstaufnahmezentren Traiskirchen und der großen Unterkunft in Wien-Erdberg lebt demnach fast die Hälfte der Jugendlichen in Zimmern, die von mehr als acht Personen bewohnt werden. In Erstaufnahmezentren und Notquartieren fehle es insbesondere an Privatsphäre, Beschäftigungsmöglichkeiten und Lernmaterialien, während die Ausstattung in den Einrichtungen speziell für Jugendliche am besten sei, erklärte Eva Zeglovits von IFES.

Etwas mehr als die Hälfte gab an, weder eine Schule noch eine Lehre oder sonstige Ausbildung zu besuchen. Knapp ein Viertel hat noch nie einen Deutschkurs gemacht. Es brauche unbedingt einen frühzeitigen und flächendeckenden Zugang zu Bildung, forderte Schoch. Zu einer Verbesserung der Unterbringungssituation würde auch die Erhöhung der Tagsätze für junge Flüchtlinge auf das Niveau für österreichische Jugendliche, die in Einrichtungen untergebracht sind, führen – also von rund 90 auf 140 Euro.

Bundesjugendvertretung: Kinderrechte “gelten für alle!”

Dass österreichische Jugendliche und Flüchtlinge unterschiedlich behandelt werden, sieht Schoch nicht ein: Es gebe “ganz offensichtlich gute und schlechte Jugendliche” und “ganze und halbe Kinder”, kritisierte sie. Die in der Verfassung verankerten Kinderrechte “gelten für alle”, betonte sie.

Änderungen wünscht sich Schoch auch bei der Altersfeststellung – die derzeitigen medizinischen Methoden seien “fragwürdig”. Die aktuelle Verschärfung der Regeln zum Familienzuzug stößt bei Schoch auch auf Unverständnis: Solche Gesetze seien verantwortlich für die tausenden verschwundenen jungen Flüchtlinge in Europa, meinte sie.

Neben fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten sieht die Bundesjugendvertretung auch die finanzielle Situation der jungen Flüchtlinge als Problem: Sechs von zehn müssten mit 40 Euro Taschengeld im Monat auskommen – eine Monatskarte der Wiener Linien koste rund 48 Euro, erinnerte Schoch. In die Diskussion über gratis Öffi-Tickets für Flüchtlinge müsse “etwas schneller Bewegung” kommen, forderte sie.

SPÖ sieht bei Jugendlichen Karmasin gefordert

SPÖ-Jugendsprecherin Katharina Kucharowits sieht angesichts einer IFES-Studie zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen den Koalitionspartner gefordert: Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Jugendministerin Sophie Karmasin (beide ÖVP) müssten in den Bundesquartieren “unverzüglich für adäquate Lebens- und Betreuungsverhältnisse von Kindern und Jugendlichen” sorgen, verlangte Kucharowits.

“Unbegleitete Kinder und Jugendliche brauchen eine kindgerechte Betreuung, die den Kriterien der Kinderrechtskonvention entspricht und keine Unterbringung in Massenlagern”, meinte die SPÖ-Abgeordnete am Mittwoch in einer Aussendung. Dass etwas mehr als die Hälfte der Befragten angegeben hat, weder eine Schule noch eine Lehre oder sonstige Ausbildung zu besuchen, sei alarmierend.

Die Diakonie bekräftigte angesichts der Studienpräsentation der Bundesjugendvertretung ihre Forderung, altersadäquate Betreuungsplätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auszubauen. “Viele sind traumatisiert und sind vollkommen auf sich alleine gestellt. Doch es fehlt an professioneller Betreuung, festen Tagesstrukturen, aber auch am Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt und zu Freizeitaktivitäten”, kritisierte Diakonie-Direktor Michael Chalupka in einer Aussendung.

Stadt Wien betont Verbesserungen

Der Fonds Soziales Wien hat am Mittwoch betont, dass sich die Bedingungen für junge Flüchtlinge in der Unterkunft in Erdberg verbessert hätten. Die in der Studie der Bundesjugendvertretung kritisierten Umstände der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen seien mit der Übernahme durch die Stadt Wien beseitigt worden, betonte ein Sprecher gegenüber der APA.

Das ehemalige Bundesbetreuungszentrum in Wien-Erdberg sei mit Anfang Dezember 2015 von der Stadt Wien übernommen und der Vertrag mit der Betreuungsfirma ORS beendet worden, erklärte der Sprecher des FSW. Seither wird das Quartier vom Wiener Samariterbund und der Caritas betrieben. “Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge wurden kontinuierlich in kleinere Quartiere mit adäquater Betreuung übersiedelt”, der Standort werde in eine Familienunterkunft umgewandelt. “Aktuell werden unter verbesserten Bedingungen noch rund 30 unbegleitete Minderjährige in der ehemaligen Zollamtsschule betreut, die im Frühjahr in eine Einrichtung des Samariterbundes umziehen werden”, kündigte der Sprecher an.

(apa/Red)

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