Jürgen Melzer zweiter österreichischer Wien-Sieger

Jürgen Melzer zweiter österreichischer Wien-Sieger
© EPA
Jürgen Melzer hat sich am Sonntag, 21 Jahre nach Horst Skoff, zum insgesamt zweiten österreichischen Sieger des Wiener Tennisturniers gekürt.

Der 28-jährige Niederösterreicher rang den Weltranglisten-13. Marin Cilic (CRO) vor rund 5.000 Zuschauern nach neuerlich ausgezeichneter Leistung und 92 Minuten mit 6:4,6:3 nieder und holte damit seinen zweiten ATP-Titel nach Bukarest 2006. Den bisher einzigen Siegerscheck in Wien hatte sich Horst Skoff 1988 mit einem Finalsieg über Thomas Muster gesichert.

Nach 92 Minuten riss Jürgen Melzer beide Arme in die Höhe und machte einen kleinen Knicks in Richtung Publikum. Endlich hatte er den dritten Matchball verwertet, endlich die lange Durststrecke des österreichischen Herren-Tennis in Wien beendet und endlich auch dem heimischen Publikum sein bestes Tennis gezeigt.  “Es ist etwas ganz Besonderes, in Österreich ein Turnier zu gewinnen. Ich habe in St. Pölten ein Finale verloren, in Kitzbühel ein Finale verloren – ich hätte alles am Platz gelassen, um dieses Finale zu gewinnen, dass ist mir zum Glück gelungen”, freute sich Melzer, der abermals eine ausgezeichnete Leistung gezeigt hatte.

86.500 Euro Preisgeld, 250 Punkte für die Weltrangliste und ein langes Siegerbusserl seiner Freundin Mirna Jukic sowie ein kollektives Aufatmen in der österreichischen Tennis-Szene. Melzer hatte in seiner Tennis-Karriere schon viele Enttäuschungen einstecken müssen, besonders wenn die Aufmerksamkeit der Fans in der Heimat stark auf ihm ruhte. Trotz komfortabler Führung noch Matches zu verlieren, wie heuer zum Beispiel beim Davis Cup in Garmisch-Partenkirchen, ließ dem Deutsch Wagramer ein bisschen ein Loser-Image anhaften, wie auch Thomas Muster am Halbfinaltag in Wien bestätigte.

Zu Unrecht, denn Melzer hält sich nun schon seit Jahren in der erweiterten Weltspitze, die Ausreißer nach oben – wie er es selbst nannte – fehlten ihm halt.

In Wien ging ihm jedoch der Knopf auf. Dabei hatte er am Wochenende vor Beginn noch über sein Antreten spekuliert, weil er eine Verletzung an der rechten Ferse erlitten hatte. “Für mich war es so, dass ich nicht wusste, ob ich überhaupt die Woche durchspielen kann. Ich habe höchstens immer nur eine halbe Stunde trainiert bis Dienstag. Ich habe genügend Schmerzmittel intus gehabt die ganze Woche”, so Melzer.

Sicher ist auch, dass Melzer zum Erstrunden-Duell mit Daniel Köllerer in Basel nicht antreten wird. “Ich habe mit den Ärzten gesprochen. Ich habe es diese Woche dermaßen ausgereizt, ihr seht mich ja nur, wenn ich da drinnen stehe. Wie ich in der Früh aufstehe, eine andere Sache”, sprach Melzer seine nicht auskurierte Fersenverletzung an. “Es wäre dumm, da jetzt etwas aufs Spiel zu setzen, ich möchte in der Vorbereitung hundertprozentig fit sein.”

Melzer wird aber trotzdem nach Basel reisen müssen, und sich dort von einem ATP-Arzt diese Spielunfähigkeit bestätigen lassen. Für Österreichs Nummer 1, der nun höchstwahrscheinlich die Setzung für die Australian Open 2010 in Melbourne in der Tasche hat, ist diese Saison also damit vorbei. .

Melzer äußerte sich kurz nach seinem ersten Triumph auf österreichischem Boden im Interview über seine Gefühlslage, den Kick für seine weitere Karriere, sein Umfeld samt Freundin Mirna Jukic und seine Möglichkeiten für 2010. 

APA: Jürgen Melzer, Wien-Sieger – Wie fühlt sich das an?
Melzer: “Sehr, sehr gut. Es ist ganz schwierig auszudrücken, was in einem vorgeht. Es war ein enges Match und ich habe echt sehr gut gespielt. Sehr viele Glücksgefühle gehen da durch einen durch und den Titel zu Hause holen ist das Beste, was mir bis jetzt in meiner Karriere passiert ist, oder das Schönste, was ich je erleben durfte.Einfach schön.”

APA: Ein Titel der wohl auch für die persönliche Karriere unglaublich wichtig war. Was kann man jetzt für die Zukunft erwarten?
Melzer: “Ich habe die Saison sehr würdig beendet. Darauf kann man für das nächste Jahr aufbauen. Ich werde das Jahr unter den ersten 30 abschließen, dann habe ich bis Rom sehr wenig zu verteidigen. Dann ist nach oben hin alles offen.”

APA: Es gibt Beobachter, die meinen, Sie hätten sich verändert, durch das Umfeld und vor allem Freundin Mirna. Wie wichtig ist es wirklich, und haben Sie sich vielleicht selbst gefunden in den vergangenen Monaten?
Melzer: “Das Umfeld ist natürlich toll. Klar, dass mit der Mirna läuft super, im Endeffekt muss man dann trotzdem allein auf dem Platz stehen und die Leistung abrufen. Die unterstützen mich unglaublich. Alle Leute, die bei mir in der Box gesessen sind, wissen, wie viel sie mir bedeuten und wie wichtig sie in meinem Leben sind. Das ist etwas extrem Wichtiges. Ronnie (Leitgeb-Anm.) ist nicht in der Box gesessen, hat aber auch einigen Anteil daran.”

APA: Sie haben die Nummern 13 und 14 der Welt hier geschlagen. Welche Perspektiven gibt das jetzt, neu dorthin zurückzukehren, wo Sie schon waren und vielleicht noch weiter?
Melzer: “Es ist alles möglich, es ist alles drinnen. Ich habe von Rom weg sehr konstantes Tennis gespielt, es hat mir nur der Ausreißer nach oben gefehlt. Der ist jetzt da, den habe ich diese Woche geschafft. Jetzt muss man halt eine kluge Turnierplanung machen und eine ordentliche Vorbereitung, dann glaube ich, sollte der Weg in die ersten 20 möglich sein.”

APA: Sie waren vor knapp einer Woche bei Mohamed Khalifa in Hallein. Würden Sie ohne diese Behandlung an der Ferse überhaupt heute hier sitzen?
Melzer: “Wahrscheinlich nicht. Es ist immer schön, wenn Du jemanden hast, auf den Du Dich verlassen kannst. Ich weiß, was ich an ihm habe. Er ist immer für mich da, wenn ich ihn brauche.”

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen