Jetzt muss sich Häupl etwas einfallen lassen

Jetzt muss sich Häupl etwas einfallen lassen
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Gastkommentar von Johannes Huber: Auch in Wien drohen der SPÖ Verluste. Ganz besonders nach den Wahlen in Oberösterreich am Sonntag. Will sie einen Stimmungswandel herbeiführen, muss sie sich verstärken. Mit so jemandem wie Christian Kern.  

 Wetten, dass die Landtagswahlen, die am Sonntag in Oberösterreich stattfinden, anders ausgehen, als es die meisten Umfragen verheißen? Das ist nämlich meistens so, vor allem aber dann, wenn extrem große Veränderungen im Raum stehen. Dann können selbst die besten Meinungsforscher nur noch tippen. Doch allein schon das, was innerhalb einer Bandbreite von vier, fünf Prozentpunkten liegt, verheißt Dramatisches: Die ÖVP verliert, die FPÖ triumphiert und die SPÖ wird zertrümmert. In einem der einstigen Kernländer der Sozialdemokratie haben sich die Funktionäre selbst schon mit Platz drei abgefunden. Glücklich wären sie schon, wenn sie über 20 Prozent bleiben würden.

Das ist ein Problem für sie. Vor allem aber auch Wiens Bürgermeister und SPÖ-Spitzenkandidat Michael Häupl. Er wird sich in den verbleibenden zwei Wochen bis zur Gemeinderatswahl am 11. Oktober noch schwerer tun als bisher, zwei Dinge zu erreichen: Möglichst viele Leute davon abzuhalten, die FPÖ zu wählen, obwohl sie so etwas wie der letzte Schrei geworden ist; und auf der anderen Seite möglichst viele dafür zu gewinnen, die SPÖ zu unterstützen, obwohl sie kein Heuler mehr ist.

Was Häupl bisher geboten hat, reicht ganz offensichtlich nicht zu einem respektablen Wahlergebnis für ihn und seine Partei aus. Angesichts der Flüchtlingskrise zieht es zu viele zu Strache. Und wenn es nur halb so viele sind, wie es von Demoskopen derzeit behauptet wird, muss schon von einem Dammbruch zu dessen Gunsten gesprochen werden. Was wiederum auch erklären würde, warum rote „Warnungen“ vor einem Bürgermeister Strache nicht mehr ziehen.

Alles andere ist überhaupt bedeutungslos: Die SPÖ reißt das Ruder nicht mehr herum, wenn sie die Errichtung neuer Gemeindebauten ankündigt („Günstiger Wohnen!“). Oder zusätzliche Polizisten („Mehr Sicherheit!“). Oder verspricht, sich um Jobs zu kümmern („Endlich Arbeit!“). In gewöhnlichen Zeiten würden solche Botschaften vielleicht noch ziehen, aber die Zeiten sind außergewöhnlich.

Also wird sich Häupl noch etwas einfallen lassen müssen. Zum Beispiel eine personelle Ansage. Ein Christian Kern etwa als Wirtschafts- und Finanzstadtrat. Immerhin ist er der einzige Sozialdemokrat, der in Wien lebt, eine gewisse Strahlkraft über die Parteigrenzen hinaus besitzt und so kompetent ist, dass ihm viele Genossen sogar das Kanzleramt zutrauen würden. Viel mehr als ein solches Signal kann Häupl jedenfalls nicht mehr setzen, um einen Stimmungswandel herbeizuführen und die SPÖ damit vor einem Absturz zu bewahren.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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