Jeder hat es auch selbst in der Hand

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Jeder hat es auch selbst in der Hand
Der Lebensstil trägt wesentlich zur Reduzierung von Osteoporose bei.

So viel wurde zu diesem Thema schon gesagt und geschrieben, und doch scheint der Informationsbedarf immer noch groß. Das zeigte auch der MedKonkret-Vortrag, in dem Primar Günter Höfle vom Landeskrankenhaus Hohenems über Risikofaktoren, Vorbeugung und Therapie bei Osteoporose sprach. Gut 500 Besucher kamen ins Montforthaus, um den Worten des Experten zu lauschen. Sein Appell: „Jeder kann selbst viel für die Knochengesundheit tun.“ Kommt es doch zu einer Osteoporose, stehen wirksame und inzwischen leichter anwendbare Medikamente zur Verfügung. Allerdings beginnt Knochengesundheit schon im Kindesalter. „Bis zum 30. Lebensjahr baut sich Knochenmasse auf, bis 50 bleibt sie konstant, danach beginnt der Abbau, auch bei Gesunden“, erklärte Günter Höfle.

Risikofaktor Alter
Deshalb ist das Alter der größte Risikofaktor. Weil das nicht beinflussbar ist, plädierte der Internist für eine ärztliche Bewertung möglicher Risikofaktoren bei gesunden Personen ab dem mittleren Lebensalter. Er gab die Empfehlung aus, das Thema bei einer Vorsorgeuntersuchung anzusprechen. Auf jeden Fall sollte jeder Bruch, der beispielsweise aus dem Stehen oder Gehen heraus passiert, hellhörig machen. Liegt eine Osteoporose vor, können Knochen schon bei geringer Belastung, ja sogar bei Husten brechen. Zudem schränkt die Krankheit die Lebensqualität ein und führt bei alten Menschen schnell in die Pflegebedürftigkeit bzw. erhöht die Sterblichkeit. Besonders bruchanfällig sind Wirbelkörper, Oberschenkel, Unterarme und Schultern. Ursachen für eine Osteoporose sind unter anderem Bewegungsmangel, Untergewicht, frühe Wechseljahre, verschiedene Erkrankungen wie Rheuma und Diabetes, Erkrankungen der Schilddrüse sowie der Nebenniere und Testosteronmangel beim Mann. Medikamente wie Kortison und Magenschutzpräparate können Osteoporose ebenfalls begünstigen.

Körpergröße kontrollieren
Auch eine erbliche Belastung, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum gehören zu den Risikofaktoren. Symptome als Vorwarnung fallen aus. „Knochenverlust ist schmerzlos“, merkte Günter Höfle an. Es gibt jedoch Anzeichen, etwa unklare Rückenschmerzen, die entstehen, wenn Wirbelkörper in sich zusammenfallen, oder die Körpergröße mit mehr als 2,5 Zentimeter pro Jahr abnimmt. Höfle verwies auf den FRAX-Risikorechner der Weltgesundheitsorganisation, der eine Einschätzung auch ohne Knochendichtemessung ermöglicht. Außerdem betonte der Arzt die Wichtigkeit und Konsequenz einer entsprechenden Therapie. Allein auf Medikamente und den Arzt sollten sich Betroffene jedoch nicht verlassen. Es braucht auch entsprechende Lebensstilmaßnahmen.

Sturzfallen beseitigen
Dazu zählen ausreichend Bewegung, sowohl im Ausdauer- wie auch im Kraft- und Koordinationsbereich, die Beseitigung von Sturzfallen in der Wohnung und eine knochengesunde Ernährung mit Kalzium, Vitamin D, Eiweiß, Früchten und Gemüse. 800 bis 1000 mg Kalzium täglich braucht der Knochen. Die sind in drei Scheiben Schnittkäse, ¼ Liter Milch oder Joghurt sowie einem Glas Orangensaft enthalten. Kalziumräuber sind Salz, Alkohol, Nikotin und Phosphate. Was Nahrungsergänzungen im Zusammenhang mit Kalzium und Vitamin D betrift, warnte Höfle vor eigenmächtigem Handeln. Gerade bei Kalzium könne sich ein Zuviel nachteilig auswirken. „Damit muss man sich genau auseinandersetzen.“ Ziel von medikamentösen Interventionen ist es, Knochenabbauzellen in ihren übermäßigen Aktivitäten zu stoppen bzw. Knochenaufbauzellen zu aktivieren.

FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM

  • Lässt sich die Knochendichte auch mittels Blutabnahme messen?
    HÖFLE Nein, man kann aber den Knochenumsatz herauslesen.
  • Ich habe mir einen Rückenwirbel gebrochen. Was kann ich tun, damit das gut ausheilt?
    HÖFLE Auf jeden Fall die Ursache abklären lassen, gegebenenfalls Osteoporose-Medikamente nehmen und Physio- sowie Bewegungstherapie machen.
  • Was halten Sie von Vitamin K2?
    HÖFLE Dazu wird im Moment sehr viel geforscht, für eine breite Empfehlung sind meiner Ansicht nach aber die Daten noch zu schwach. Ich jedenfalls rate meinen Patienten noch davon ab.
  • Es gibt so viele Informationen zu Osteoporose, die einem auch Angst machen.
    HÖFLE In solchen Fällen ist vor allem wichtig, dass behandelnde Ärzte diese Sorgen und Ängste ernst nehmen und mit den Patienten offen darüber reden.
  • Reicht auch künstliches Licht, um Vitamin D über die Haut zu erzeugen?
    HÖFLE Ich weiß nicht, ob künstliches Licht die richtige UV-Zusammensetzung hat, um diese Wirkung zu erzielen. Ich empfehle Sonnenlicht.
  • Können sich auch Achtzigjährige noch bei Ihnen durchchecken lassen?
    HÖFLE Wir kümmern uns gerne um jeden Osteoporose- Patienten, wenn es die Kapazitäten zulassen. Der erste Ansprechpartner ist jedoch der Hausarzt. Braucht es weiterführende Abklärungen, erfolgt die Zuweisung zu einem Spezialisten.
  • Würden Sie nach zwei Oberschenkelhalsbrüchen eine Kalziumtherapie empfehlen?
    HÖFLE Kalzium ist in diesem Zusammenhang immer nur als Ergänzung zu sehen. Es braucht für eine gute Behandlung auch spezielle Osteoporose- Medikamente.
  • Sind Glasknochen eine Folge von Osteoporose?
    HÖFLE Ich würde sagen, es handelt sich um eine Sonderform einer Osteoporose. Der Glasknochenkrankheit liegt eine Bindegewebsschwäche zugrunde.
  • Sollte nicht jeder seinen Vitamin-D-Status kennen?
    HÖFLE Ich würde das nicht empfehlen.
  • Kann ich auf Sport verzichten, wenn ich Bisphosphonate einnehme?
    HÖFLE Nein, es braucht beides. Man sollte sich nicht allein auf Medikamente verlassen.
  • Was halten Sie von Homöopathie bei Osteoporose?
    HÖFLE Ich sehe Homöopathie als Ergänzung zur Schulmedizin. Es braucht die richtige Mischung, dann kann es durchaus passen.

MedKonkret
Treffpunkt Gesundheit Veranstaltungstermine:

  • Prim. Dr. Peter Cerkl: Einmal tief durchatmen – die gesunde Lunge Dienstag, 17. April 2018, 19 Uhr, Panoramasaal LKH Feldkirch
  • Prim. Prof. Dr. Stefan Mennel: Die Sehkraft erhalten – was muss ich tun? Dienstag, 15. Mai 2018, 19 Uhr, Halle 12, Messequartier Dornbirn
  • Prim. Prof. Dr. Robert Strohal: Veränderungen der alternden Haut Dienstag, 19. Juni 2018, 19 Uhr, Montforthaus Feldkirch
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