Jede vierte Minderjährige bereits online sexuell belästigt

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Rund jede vierte Minderjährige ist online bereits sexuellbelästigt worden.
Rund jede vierte Minderjährige ist online bereits sexuellbelästigt worden. - © pixabay.com
Eine Wiener Studie untersuchte das Internetverhalten von Elf- bis 18-Jährigen und fand heraus, dass speziell die Mädchen schon in jungen Jahren Opfer von sexueller Belästigung wurden. 27 Prozent der Befragten berichteten von eindeutigen Vorfällen. Als bester Schutz hilft dabei Aufklärung.

Mädchen geraten mit einem Anteil von 40 Prozent fast dreimal häufiger in solche Situationen als Burschen, sagte Raphaela Kohout vom Institut für Jugendkulturforschung bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Täter sind oft Unbekannte und meist viel älter als die Betroffenen.

400 Elf- bis 18-Jährige befragt

Neue Freunde finden und sich verlieben, das passiert für Jugendliche heute laufend auch in Online-Spielen, auf Chatportalen oder Instagram. Dass sie dabei mitunter “ungut angegangen werden” – bis hin zu strafrechtlich relevantem Missbrauch -, werde von vielen als “normal” empfunden: “Obwohl wir tagtäglich mit dem Problem konfrontiert sind, waren wir sehr schockiert, wie sehr sich Jugendliche mit sexueller Belästigung im Internet abgefunden haben”, sagte Elke Prochazka, Psychologin bei Rat auf Draht, der Jugend-Notrufnummer. Rat auf Draht und SOS-Kinderdorf, das die Beratungsstelle seit 2014 führt, waren Auftraggeber der Umfrage unter 400 Elf- bis 18-Jährigen.

20 Prozent erhielten Nacktfotos oder -videos

Die Erlebnisse reichen von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem Missbrauch. Häufig erhalten Kinder ungefragt Nacktfotos oder -videos. 20 Prozent ist so etwas bereits passiert. Etwas mehr als zehn Prozent der Befragten wurden erpresst, zum Beispiel mit intimen Fotos. Vier Prozent gaben an, jemand habe gegen ihren Willen Nacktbilder von ihnen veröffentlicht oder weitergeschickt. Erfahrungen mit Cyber-Grooming, der Online-Anbahnung von Sexualkontakten mit Kindern und Jugendlichen, haben 14 Prozent gemacht. Bei den Mädchen liegt der Anteil sogar bei 22 Prozent.

Schuld liegt beim Täter

Die häufigste Gegenmaßnahme ist die Blockier- und Sperrfunktion (52 Prozent). Knapp ein Viertel meldet den Betreffenden dem Seitenbetreiber, fast ebenso viele versuchen es mit der Änderung der Privatsphäre-Einstellungen. Nur 16 Prozent holen sich Hilfe bei den Eltern, jeweils vier Prozent bei Lehrern oder einer Beratungsstelle. Die Jugendlichen fühlten sich gegenüber den Online-Übergriffen ohnmächtig und teilweise auch mitverantwortlich, sagte Prochazka. Hier müsse klargestellt werden: “Egal wie man sich präsentiert, die Schuld liegt immer beim Täter.”

Zweijährige Haftstrafe droht

Rechtlich ist die Lage eindeutig, betonte Kohout. Beispiel Cyber-Grooming: Wer Kinder unter 14 auffordert, pornografische Fotos von sich zu schicken, sich vor der Webcam auszuziehen, oder wer sie mit der Absicht des sexuellen Missbrauchs zu einem Treffen zu überreden versucht, dem drohen bis zu zwei Jahre Haft. 56 Prozent der Befragten wussten nicht, dass solches Verhalten strafbar ist. Folgerichtig gehen nur acht Prozent zur Polizei, wenn sie im Internet sexuell belästigt wurden.

Verbote oder Filter nützen kaum

Die Studie zeigt auch erneut, dass Kinder das Internet sehr frei nutzen können. Mehr als 60 Prozent tun dies völlig uneingeschränkt. 21 Prozent gaben an, für einen begrenzten Zeitraum surfen zu dürfen, neun Prozent dürfen nur bestimmte Seiten besuchen. Bei jeweils fünf Prozent kontrollieren die Eltern die Onlineaktivitäten bzw. haben Filter aktiviert.

“Schutz durch Verbote und Filter ist leider ein Trugschluss”, sagte Prochazka. “Kinder müssen spüren können, was ihnen unangenehm ist, und sollten dazu auch Gegenstrategien in die Hand bekommen. Das geht nur, wenn man sie auf dem Weg ins Internet begleitet.” Eltern seien damit aber maßlos überfordert. Warnen ohne zu informieren gehe ins Leere: “Um über sexuelle Belästigung zu sprechen, muss vorher schon über Sexualität gesprochen worden sein.” Das meist im Alter von zwölf oder 13 am Programm stehende Aufklärungsgespräch komme da viel zu spät, meinte die Psychologin.

(APA/red)

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