It Follows – Trailer und Kritik zum Film

It Follows – Trailer und Kritik zum Film
Man kann versuchen davonzulaufen. Man kann versuchen, sich zu verstecken. Nur helfen wird es nicht.

Jenes Ding, das in dem US-Horrorstreifen “It Follows” sein Unwesen in einem idyllischen Vorort treibt, mag zwar langsam sein – aber aufhalten lässt sich das in unterschiedlichen Formen erscheinende Grauen nicht. Ab Freitag läuft die durchwegs gelungene Verbeugung vor Genreklassikern im Kino.

It Follows – Die Geschichte

Die Indie-Produktion ist der zweite Langfilm von Regisseur David Robert Mitchell, der auch das Drehbuch verfasst hat. Und allem Anschein nach hat er damit den Zeitgeist getroffen: Nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes folgten weitere Festivalauftritte und ein angesichts der verhältnismäßig schmalen Kosten von rund zwei Mio. Dollar durchaus beachtlicher Erfolg an den Kinokassen. Kein Wunder: Mitchell macht hier nicht nur alles richtig, wenn es um Suspense und Schockelemente geht, er hat auch ein Gespür für die grundlegende Stimmung, in der er sukzessive zur gesteigerten Entladung von Angst und Schrecken bittet.

Schon der Beginn lässt das Unheil erahnen: Völlig entgeistert läuft eine junge Frau abends aus einem Haus, wird mit langen und ruhigen Schwenks von der Kamera verfolgt, bis ihre Angst sie schließlich ins Auto treibt. An einem Strand angekommen, telefoniert sie mit ihrem Vater, sagt ihm, dass sie ihn liebt – und ist am nächsten Morgen tot. Was sie verfolgt und so grausam zugerichtet hat, bleibt zunächst ein völliges Rätsel. Schon in den wenigen Minuten dieser beinahe kammerspielartigen Einführung beweist Mitchell mit behutsamer Szenengestaltung und unterstützt von einem beklemmenden Soundtrack, für den Rich Vreeland verantwortlich zeichnet, ein Händchen für Bilder, die unter die Haut gehen.

It Follows – Die Kritik

Die restliche Konstellation ist schnell erzählt: Nachdem die 19-jährige Jaime “Jay” Height (Maika Monroe) mit ihrer neuen Flamme Hugh in der Nähe eines verlassenen Gebäudekomplexes Sex hat, betäubt dieser sie und fesselt sie an einen Stuhl. “Habe keine Angst, ich werde dir nichts tun”, versucht er sie zu beschwichtigen. Doch ist es dafür eigentlich schon zu spät. Der junge Mann hat nämlich einen Fluch an sie weitergegeben. Ein unbekanntes Wesen, das jegliche Gestalt annehmen kann, wird sie verfolgen und versuchen, sie zu töten. Nur wenn sie wiederum mit jemandem schläft, kann sie dieses Schicksal weitergeben. Und wie aufs Stichwort sehen sich die Beiden einer nackten Frau gegenüber, die schnurstracks auf sie zu geht. Im letzten Moment flieht Hugh mit der gefesselten Jay und liefert sie bei ihr Zuhause ab.

Was folgt, ist eine Meisterleistung in Sachen reduzierten und effektvollen Horrors. Gemeinsam mit ihren Freunden versucht Jay, mit der Situation fertig zu werden und das scheinbar Unvermeidliche abzuwenden. Doch egal ob in der Schule, in ihren eigenen vier Wänden oder an einem Strand: Stets ist dieses Ding auf ihren Fersen, mal als riesiger Mann mit leeren Augenhöhlen, dann wieder als alte Frau im Nachthemd. Allerdings kann niemand außer ihr diese Erscheinungen sehen, die sich schon mal im leicht verschwommenen Hintergrund in stoischer Manier nähern. Steten Schrittes kennt diese Verfolgung kein Ende.

Dass der Plot eine übernatürliche Komponente aufweist, ist Mitchells Inszenierung kaum anzumerken. Immer wieder setzt der Regisseur sein namenloses Ungeheuer direkt und ohne Schnörkel in Szene, lässt seine Protagonisten atemlos durch leere und heruntergekommene Stadtteile eilen oder gewährt mit poetischen Herbstbildern kurze Verschnaufpausen, während derer man sich aber nie in Sicherheit wiegen kann. Es sind die atmosphärisch dichten Großtaten der 70er- und 80er-Jahre, die da vorm inneren Auge erscheinen. Gleichzeitig findet “It Follows” aber eine ganz eigene Sprache, die mittels langer Kamerafahrten und der brodelnden Geräuschkulisse Erinnerungswürdiges schafft. Teenager-Thrill wird hier mit einer zeitlosen Ästhetik kombiniert, was lustvolles Gruseln garantiert.

(APA)

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