Israel gewinnt mit Netta und “Toy” den Eurovision Song Contest 2018

Akt.:
Israel gewinnt mit "Netta" den Eurovision Song Contest 2018.
Israel gewinnt mit "Netta" den Eurovision Song Contest 2018. - © AP
Israel hat den Eurovision Song Contest 2018 gewonnen. Netta konnte mit ihrer schrillen Performance zu “Toy” den ESC-Sieg in Portugal holen.

Netta holte sich Samstagnacht mit 529 Punkten den Titel in der Altice Arena in Portugals Hauptstadt Lissabon. Österreichs Kandidat Cesar Sampson kam mit 342 Punkten und seinem Lied “Nobody But You” auf den 3. Platz – nachdem er die Wertung der Expertenjurys klar gewonnen hatte.

Die extravagante Siegerin Netta Barzilai

Sie ist füllig, sie ist laut, sie trägt schrille Outfits: Die Israelin Netta Barzilai hat ihren ganz eigenen, ungewöhnlichen Stil. Die 25-jährige Siegerin des Eurovision Song Contest 2018 feiert ihren kräftigen Körper, obwohl er nicht dem vorherrschenden Idealbild entspricht.

“Du musst nicht dem Standardbild davon entsprechen, wie jemand aussehen, denken, reden und kreativ sein muss, um Erfolg zu haben”, lautet ihre Botschaft an junge Frauen. Von einer musikalischen Karriere habe sie geträumt, solange sie denken könne, sagte die junge Israelin der dpa vor kurzem in Tel Aviv. Barzilai ist das mittlere von drei Kindern, geboren wurde sie am 22. Jänner 1993 in der Stadt Hod Hascharon nordöstlich von Tel Aviv. In früher Kindheit verbrachte sie mehrere Jahre in Nigeria, wo ihr Vater als Vertreter eines israelischen Unternehmens arbeitete.

“Toy” brachte Israel beim ESC 2018 den Sieg

Barzilais ungewöhnlicher Song “Toy” vermischt zeitgenössischen mit typisch koreanischem Pop, Hip-Hop und orientalischen Klängen. “Im Text geht es um das Erwachen weiblicher Power und soziale Gerechtigkeit, mit einer einfachen und direkten Botschaft”, sagt die junge Frau. “Nämlich: Ich bin nicht dein Spielzeug.” Dies gehe aber nicht nur junge Frauen an, sondern eigentlich jeden: “Seid stolz und nehmt euch selbst so an, wie ihr ausseht und denkt.”

Barzilai war allerdings nicht immer so selbstbewusst. Als Jugendliche habe sie durchaus mit ihrem Gewicht gehadert, erzählte sie dem israelischen Fernsehen. “Als Mädchen habe ich mir immer vorgestellt, dass ich ein dünner, schöner Star werde, dass es nur so klappen kann”, sagte. “Heute verstehe ich, dass ich es geschafft habe, ohne mich zu verändern.”

Netta als Song Contest-Siegerin nach Salvador Sobral

Ihren Wehrdienst leistete sie in einer Band der israelischen Marine. Anschließend studierte Barzilai an der Rimon-Schule für zeitgenössische Musik und Jazz bei Tel Aviv, in der Abteilung für elektronische Musik. Das Geld für ihren Looper verdiente sie als Kellnerin. Sie trat häufig in Bars in Tel Aviv und auf Hochzeiten auf. Einem größeren Publikum wurde sie nach ihrem Sieg bei dem israelischen Gesangswettbewerb “Hakochav Haba” (Der nächste Star) bekannt. Dort gewann sie das “goldene Ticket” für die Teilnahme am Eurovision Song Contest in Portugal.

In ihrem Song “Toy” geht es um weibliche Selbstbestimmung. “I’m not your toy, you stupid boy” (Ich bin nicht Dein Spielzeug, Du dummer Junge). Deshalb wurde Barzilai auch mit der aktuellen #MeToo-Debatte in Verbindung gebracht. Die Sängerin sagte dazu, es sei “großartig, dass Frauen ihre Stimmen finden”. Gedanken darüber, was andere von ihr erwarten, sieht sie als Zeitverschwendung. Denn das Leben sei kurz, sagt die 25-Jährige. “Wir sind doch nur eine Minute hier, und deshalb sollten wir die Zeit einfach genießen.”

Netta ist mit “Toy” Nachfolgerin von Vorjahressieger Salvador Sobral, der 2017 mit “Amar Pelos Dois” in Kiew triumphiert hatte. Das Stockerl zwischen Israel und Österreich komplettierte Zypern mit Eleni Foureira und “Fuego”.

>> Alle Infos und Nachrichten zum 63. Song Contest

Da bisher zum überwiegenden Teil hetzerische und nicht themenbezogene Kommentare zu diesem Artikel abgegeben wurden, wurde die Kommentarfunktion von der Redaktion gesperrt. Wir entschuldigen uns bei denjenigen Usern, die sich die Mühe gemacht haben sachliche Kommentare abzugeben, oder dies noch tun wollten.

Die VOL.AT Redaktion

(Red.)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken