Irland: Dublins Erzbischof schließt sich Vatikan-Schelte an

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Irland: Dublins Erzbischof schließt sich Vatikan-Schelte an
Nach den ungewöhnlich harschen Vorwürfen des irischen Premierministers Enda Kenny gegen den Vatikan wegen dessen Umgang mit sexuellem Missbrauch hat sich auch Dublins Erzbischof der Schelte angeschlossen.

Es gebe Gruppen in der katholischen Kirche, die sich den Maßnahmen zum Schutz von Kindern widersetzten, sagte Erzbischof Diarmuid Martin im irischen Fernsehen RTE. Er sei “verärgert, beschämt und erschrocken” über diejenigen, “die glauben, sie könnten tricksen”.

“Ich bin sehr enttäuscht und genervt. Was soll man tun, wenn man Systeme installiert hat und jemand ignoriert sie?”, sagte er. “Was soll man tun, wenn man Gruppen hat, entweder im Vatikan oder in Irland, die versuchen, das zu unterminieren, was getan wird, oder sich schlicht weigern zu verstehen, was passiert ist?”

Premierminister Kenny hatte am Mittwoch in einer Rede vor dem irischen Parlament Verbalattacken gegen den Vatikan gestartet, die von Kommentatoren am Donnerstag einheitlich als “Wendepunkt” im Verhältnis von Staat und Kirche in der Republik gewertet wurden. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung gilt als streng katholisch.

Kindesmissbrauch werde heruntergespielt

“Erstmals in Irland wird in einem Report über Kindesmissbrauch dargestellt, dass der Heilige Stuhl versucht hat, in einer souveränen Republik Untersuchungen zu behindern”, hatte Kenny mit Blick auf einen in der vergangenen Woche vorgestellten Report einer Regierungskommission erklärt. Der Bericht lege offen, wie “abgehoben, elitär und narzisstisch die Kultur des Vatikan” sei, sagte Kenny. Vergewaltigung von Kindern werde heruntergespielt, stattdessen würden der Vorrang der Institution Kirche hochgehalten, ihre Macht und ihre Reputation betont.

Missbrauch in Irland vertuscht

Der sogenannte Cloyne-Report war die vierte größere Veröffentlichung innerhalb von sechs Jahren über das Vertuschen von Missbrauch in der katholischen Kirche inIrland. Weltweit sind katholische Priester und kirchliche Einrichtungen in Missbrauchsfälle verstrickt, Irland ist einer der Schwerpunkte. Auch in Deutschland waren im Vorjahr zahlreiche Fälle bekanntgeworden und hatten die katholische Kirche in eine Krise gestürzt. APA

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