Iran: Wiederaufnahme der Urananreicherung

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Iran: Wiederaufnahme der Urananreicherung
Iran will seine Forschungsaktivitäten zur Gewinnung von nuklearen Brennstoffen wieder aufnehmen, teilte ein Sprecher der iranischen Atomenergieorganisation mit. Atomgespräche mit Russland

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) in Wien ist am Dienstag von der ständigen Vertretung des Iran darüber informiert worden, dass die Islamische Republik den Entschluss gefasst hat, ab 9. Jänner die Forschungsaktivitäten im Bereich des „friedlichen Nuklearenergie-Programms“ wieder aufzunehmen, die sie auf „freiwilliger Basis“ vorübergehend eingestellt habe. Das geht aus einer Aussendung des IAEA-Sekretariats hervor.

IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hat den Gouverneursrat der UNO-Organisation über die Entscheidung Teherans in Kenntnis gesetzt. Die IAEA bemühe sich, seitens des Iran Klarstellungen bezüglich der Folgen dieses Schrittes zu erhalten, heißt es in der Aussendung. ElBaradei unterstrich die Bedeutung, die der IAEA-Gouverneursrat der Aussetzung aller Aktivitäten des Iran in Bezug auf die Anreicherung von Uran als zentraler vertrauensbildender Maßnahme beimesse.

Das Moratorium habe die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet in den vergangenen zweieinhalb Jahren erheblich in Rückstand gebracht, sagte der stellvertretende Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammad Saidi, am Dienstag im staatlichen Fernsehen. Dies sei für die Wissenschaftler nicht länger hinnehmbar.

Von dem Beschluss sei die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) unterrichtet worden, sagte Saidi. Er machte keine Angaben zur Art der Forschungsarbeiten, die nun fortgesetzt werden sollen. Es sei aber keine Entscheidung getroffen worden, die Urananreicherung aufzunehmen. Der angekündigte Schritt dürfte dennoch auf Kritik der Europäischen Union und der USA stoßen. Die EU und die IAEA hatten Anfang November als Voraussetzung für weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm von Teheran eine „vollständige Aussetzung sämtlicher Aktivitäten bezüglich des Brennstoffkreislaufs“ verlangt. Saidi sagte am Dienstag, eine weitere Aussetzung würde die eigenständige iranische Forschung behindern. Deswegen würden die Programme unter IAEA-Aufsicht wieder begonnen.

Am 7. Jänner wollen der Iran und Russland in Teheran erstmals offiziell über die von Moskau vorgeschlagene Urananreicherung auf russischem Territorium sprechen. Das gab der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid-Reza Assefi, in Teheran bekannt. Der Iran besteht bisher auf seinem Recht, Uran auf dem eigenen Territorium anreichern zu dürfen. Es sei für sein Land inakzeptabel, wenn die Anreicherung ausschließlich auf russischem Gebiet stattfinden solle. Teheran hat stets versichert, die Uran-Anreicherung diene nur der Produktion von Kernbrennstoffen zur zivilen Nutzung der Atomenergie. Mit einer Anreicherung im Ausland soll verhindert werden, dass der Iran die Kernkraft auch zu militärischen Zwecken nutzt.

Die USA werfen dem Iran vor, mit seinem Atomprogramm militärische Ziele zu verfolgen. Verhandlungen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien – zuletzt in Wien – über eine Beilegung dieses Streits haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Die iranische Regierung hat aber unter dem internationalen Druck die Arbeiten zur Urananreicherung für ausgesetzt erklärt.

Der Iran hat jedoch nach eigenen Angaben kürzlich einen weiteren Schritt zur Beherrschung des nuklearen Brennstoffzyklus gesetzt. Am Sonntag hatte das staatliche Fernsehen gemeldet, der nationalen Atomenergiebehörde sei es gelungen, eine Anlage zur Herstellung von Uranoxid („yellow cake“/UO2) zu entwickeln, das für die Umwandlung (Konversion) in gasförmiges Uranhexaflorid (UF6) benötigt wird, Aus Uranhexaflorid wiederum kann in Gaszentrifugen spaltbares Uran-235 angereichert werden, das für Kernkraftwerke und in hoch angereicherter Form für Atombomben verwendet wird.

Die Entwicklung des „Mischer-Abscheiders“ zur Herstellung verarbeitungsfähigen Urans ist Teil der Bemühungen Teherans, Kernbrennstoff künftig komplett in Eigenregie produzieren zu können. Aus dem Ausland habe man das Gerät nicht importieren können, weil die angefragten Staaten sich geweigert hätten, es dem Iran zu liefern, hieß es in dem Fernsehbericht. Im Jahr 2003 gab der Iran bekannt, dass mit dem Abbau von Uranerz aus einer Lagerstätte bei Saghand, im Zentrum des Landes, begonnen wurde. Im August nahm Teheran die Uran-Konversion in Isfahan wieder auf. Für die eigentliche Uran-Anreicherung stehen in Natanz die dafür notwendigen Gaszentrifugen bereit.

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