Ioan Holender feiert seinen 80. Geburtstag

Ioan Holender feiert Geburtstag.
Ioan Holender feiert Geburtstag. - © APA
Am Samstag feiert Ioan Holender seinen 80. Geburtstag. Bis jetzt wurde es keineswegs ruhig um die laute Stimme der Kultur.

Heute ist der Jubilar als Moderator und Gestalter einer Kultursendung auf Servus TV, als Berater internationaler Opernhäuser und als Universitätslehrer aktiv und lässt immer wieder seinen markanten Bariton zum Kulturgeschehen samt seiner Skandale und Querelen vernehmen. Diese Vielseitigkeit nach der Staatsopern-Karriere war aber auch schon vor seinem Engagement am Ring kennzeichnend für den am 18. Juli 1935 im Timisoara (Rumänien) geborenen Holender, wie er ausführlich in seiner 2001 im Böhlau Verlag erschienenen Autobiografie (“Von Temesvar nach Wien”) nachzeichnet.

Ioan Holender wird 80: Stationen einer Kultur-Legende

Holender studierte an der Technischen Universität seiner Heimatstadt Maschinenbau mit der Fachrichtung Dampfmaschinen, bis er 1956 aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen wurde. In Wien arbeitete er drei Jahre später zunächst als Tennistrainer, als Statist am Burgtheater, als Regieassistent an der Volksoper und als Regisseur an Wiener Kleinbühnen wie dem Theater in der Josefsgasse. Mit einem Stipendium der Stadt Wien konnte er ein Gesangsstudium am Konservatorium der Stadt aufnehmen. Von 1962 bis 1966 war er als Opernbariton und Konzertsänger tätig, nach seinem Debüt in St. Pölten unter anderem zwei Jahre am Stadttheater Klagenfurt.

1966 trat Holender als Mitarbeiter in die Theateragentur Starka ein. Holender machte aus der traditionellen Schauspieleragentur, die er später als Inhaber weiterführte, die größte Künstler- und vor allem Sängeragentur Österreichs, die viele internationale Topstars vertrat. 1988 verkaufte Holender seine Agentur, denn eine neue Aufgabe lockte: Eberhard Waechter hatte ihm angeboten, mit ihm als Generalsekretär in die Direktion von Staats- und Volksoper einzutreten. Nach Waechters plötzlichem Tod 1992 führte Holender die beiden Häuser alleine auf ihrem Reformkurs weiter: Einsparungen sollten den Repertoirebetrieb langfristig sichern. Meilensteine seiner Direktionszeit (festgehalten im großformatigen Band “Direktion Ioan Holender 1991-2010” in der Edition Lammerhuber) waren nicht zuletzt die drei Uraufführungen von Adriana Hölszkys “Die Wände” (1995), Alfred Schnittkes “Gesualdo” (1995) und der Cerha/Turrini-Oper “Der Riese vom Steinfeld” (2002).

Ehemaliger Staatsopern-Direktor feiert Geburtstag

Als Holender dann schließlich 2010 als am längsten amtierender Direktor der Wiener Staatsoper seit Eröffnung des Hauses 1869 sein Amt verließ, glaubte wohl niemand aus der Kulturszene, dass es fortan still um den Tausendsassa werden würde – ein Eindruck, den Holenders im selben Jahr erschienene Erinnerungen mit dem Titel “Ich bin noch nicht fertig” (Zsolnay) auch nicht erwecken wollten. Auch zuvor war er abseits der Staatsopern-Pfade aktiv und etwa in den Jahren 2002 bis 2004 als künstlerischer Berater der Deutschen Oper Berlin verpflichtet. In selber Funktion ist er auch für die Metropolitan Opera New York und das Spring Festival in Tokio tätig. Das rumänische Musikfestival George Enescu berief ihn 2003 zum künstlerischen Direktor.

In Österreich etablierte sich Holender in den vergangenen Jahren aber primär als Rundfunk- und Fernsehmann. Noch im Jahr seines Staatsopern-Abschieds begann er für die Ö1-Reihe “Apropos Musik” Prominente wie ORF-Chef Alexander Wrabetz oder seinen Amtsnachfolger Dominique Meyer zu interviewen. Das ATV-Talkformat “Termin bei Holender” wurde zwar nach nur vier Folgen eingestellt, dafür reist der TV-Jungspund nach wie vor erfolgreich für Servus TV mit seinem Format “kulTour mit Holender” von Kulturhighlights zu versteckten Geheimtipps, um frühere Weggefährten und den Nachwuchs zu befragen.

Großes Goldenes Ehrenzeichen für Ioan Holender

All die Jahrzehnte der Kulturarbeit an den verschiedensten Fronten blieben nicht unbeehrt. So ist der Vater zweier Söhne und einer Tochter unter anderem Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik, des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, ist Officier des Französischen Ordens der Künste und der Literatur sowie Commendatore des Verdienstordens der Italienischen Republik. Und schließlich hat Holender zahlreiche Ehrendoktorwürden inne. Und wer weiß, welche Würdigungen noch folgen – nach Ruhestand sieht jedenfalls auch das neunte Lebensjahrzehnt von Ioan Holender nicht aus.

(APA/Red)

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