Interview mit Heinz Fischer: Scharfe Kritik an neuer Bundesregierung

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Heinz Fischer zeigt sich in einem Interview ungewohnt angriffig
Heinz Fischer zeigt sich in einem Interview ungewohnt angriffig - © APA
Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin “profil” zeigt sich der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer besorgt und überaus kritisch zu aktuellen Entwicklungen durch die neue Regierung.

Die Installierung von Generalsekretären mit Weisungsrecht in den Ministerien bringe “Misstrauen gegenüber der Beamtenschaft zum Ausdruck und will hoch qualifizierte Mitarbeiter an die kurze Leine nehmen”. Das könne er “nicht gutheißen” – umso weniger, als die neuen Generalsekretäre “nicht einmal in einem geregelten Verfahren öffentlich ausgeschrieben werden müssen”, so Fischer.

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer übt Kritik an neuer Bundesregierung

Er verstehe auch die Sorge “sehr angesehener und erfahrener Menschen” über den Zugriff, den die FPÖ nun auf Verfassungsschutzdaten, auf Nachrichtendienste, Melde-, Fremdenrecht-, Personenstands-und Polizeiregister habe. “Die FPÖ ist in der Vergangenheit mit dem Datenschutz nicht immer besonders sensibel umgegangen. Wenn sie über brisante geheime Daten verfügt, wurden solche in der politischen Auseinandersetzung auch verwendet. Das betraf vertrauliche Aktenstücke, aber auch Daten aus dem Elektronischen Kriminalpolizeilichen Informationssystem (EKIS)”. “Der Umgang mit sensiblen Daten erfordert ein hohes Maß an Verantwortung, Zurückhaltung und Vertrauenswürdigkeit. Das muss unter Beweis gestellt werden, sonst könnte das ein ernstes Problem unserer Demokratie werden.”

Fischer zu Gudenus’ Massenquartier-Aussage: “Inhuman”

Die Aussage des FPÖ-Klubobmanns Johann Gudenus, man solle Flüchtlinge in Massenquartieren am Stadtrand unterbringen, um zu zeigen, dass es in Wien “doch nicht so gemütlich ist”, empfindet Fischer als “inhuman”. “Wenn ein Politiker Menschen gegenüber argumentiert, als seien sie Menschen zweiter Klasse, dann müssen die Alarmglocken läuten”, sagt Fischer. Er warnte auch davor, dass, wenn die Verhältnisse schwieriger werden, der Nationalismus zunimmt und man dazu tendiert, sich abzuschotten. “Der Aggressionspegel steigt an.”

(APA/Red.)

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