Interview mit den Beatsteaks zum Release des neuen Albums “Yours”

Die Beatsteaks im Interview zum neuen Album "Yours" - © APA

“Wir haben unter dem Banner Mixtape gearbeitet”, erklärte Arnim Teutoburg-Weiß, Sänger der Berliner Punkband Beatsteaks, hinsichtlich der neuen Platte “Yours”, die am 1. September erscheinen wird.

“Der Song war der Chef.” An diese einfache Formel hat sich die Band für Platte gehalten. Wobei: Herausgekommen ist mehr als die übliche Songsammlung, nämlich ein 21 Stücke umfassendes Doppelalbum, das quer durch die Genres pflügt.

Neues Album der Beatsteaks erscheint am ersten September

Erreicht haben die Fünf in den vergangenen Jahren so einiges. Ausverkaufte Konzerte, erfolgreiche Singles, frenetisch feiernde Fans. Insofern war es auch naheliegend, für Album Nummer 8 etwas zu verändern. “Was kann man anders machen als bisher? Wir haben Verantwortung übernommen, haben uns in die Augen geschaut und gesagt: Wir müssen uns was trauen!”, formulierte es Teutoburg-Weiß im Interview mit der APA. Den Punk der frühen Tage hat man ziemlich konsequent mit Funk, R’n’B, Soul und Pop vermengt.

Gelungen ist das auch dank etlicher helfender Hände, die die Beatsteaks ins Studio geholt haben. Produzentenkollegen von den Krauts über DJ Sepalot bis Pierre Baigorry von Seeed waren dabei, aber auch Sänger wie Chad Price, Jamie T oder Farin Urlaub. “So kamen immer mehr Leute in den Raum, und es sind Songs rausgepurzelt”, erinnerte sich Bassist Torsten Scholz. Was wirklich vor sich ging, hielt die Gruppe dabei einige Zeit lang geheim. “Das Management durfte nicht Bescheid wissen”, schmunzelte der Musiker. “Das hat gut geklappt und auch Spaß gemacht.”

“Einmal in der Woche gab es diesen Moment: Sind wir denn völlig bekloppt?”

So entstand aus der anfänglichen Neuausrichtung ohne bestimmtes Ziel ein immer größer werdendes Vorhaben. Und natürlich sei das nicht ganz einfach zu stemmen gewesen. “Aber Hallo!”, entfuhr es Teutoburg-Weiß. “Einmal in der Woche gab es diesen Moment: Sind wir denn völlig bekloppt?” Zum Glück lautete die Antwort: Nein. Denn nicht nur haben etliche Gespräche im Proberaum bei verzwickten Situationen für Lösungen gesorgt, sondern überzeugt auch das Endprodukt trotz unzähliger Ideen, Sprünge und Haken. “Wir haben uns da durchgewurschtelt”, schmunzelte der Beatsteaks-Sänger. “Am Ende wollten auch alle mit. Wir mussten durch diese Diskussionen wohl auch durch”, pflichtete ihm sein Kollege bei.

Ein Vorteil bei der Arbeit sei gewesen, dass man immer wieder in kleineren Gruppen an den Songs werkelte. “Aber wir haben uns auch gezwungen, im Proberaum einige Songs zu spielen”, so Scholz. “Diese Zeit war wirklich wichtig, sonst hätte es durchaus komisch sein können. Es gab das also immer noch: die Band ist zusammen und spielt. Genau deshalb konnten wir uns auch zerreißen.” Aus den verschiedenen Ecken kamen letztlich Electrosongs wie “Velosolex” (mit Stereo Total), knackige Punkkracher wie “Gap” oder kurze Zwischenspiele wie “Ponkywonky”.

Wie aber all das zusammenhalten? “Wir haben es als Band produziert, also mussten wir fünf auch den Überblick behalten”, betonte Teutoburg-Weiß. “So nah mit uns, haben wir noch nie gearbeitet. Sonst kam immer einer von außen und hat den Druck weggenommen. Diesmal mussten wir da selber durch. Wir haben uns freier gemacht. Wenn ein, zwei Leute in der Band eine Vision von einem Lied haben, dann kann man dem auch mal folgen. Das muss nicht sofort mein Lieblingslied sein. Vielleicht erkenne ich es erst, wenn ich darauf singe oder es fertig ist”, machte der Frontmann den Zugang klar. “So konnten viele Ideen unter einen Hut kommen.”

Quer durch alle Genres

Und dieser Hut, er sitzt ziemlich gut. Vom eingängigen Sing-a-long-Charakter bei “I do” über den stampfenden Rhythmus bei “Policoro” bis zum mitreißenden Rock einer “Mrs. Right” fügen sich die einzelnen Teile zusammen. Dazu trägt nicht zuletzt die Songreihenfolge ihren Teil bei. “Ich war so glücklich an dem Tag”, meinte Teutoburg-Weiß über die Entstehung mit einem breiten Grinsen. “Ich habe mich nämlich überhaupt nicht mit einer Reihenfolge beschäftigt. Und dann saßen wir gemeinsam im Studio und haben das in drei, vier Stunden zusammengeschoben. Und dann funktionierte das! Ich dachte nur: Das gibt es ja gar nicht.”

Wer nun glaubt, dass die Beatsteaks ihr Pulver mit “Yours” verschossen haben, der irrt gewaltig. “Wir könnten locker nächste Jahr eine krasse EP raushauen”, gab sich Scholz zuversichtlich über noch vorhandenes Material. “Das gibt es noch ein paar Farben, obwohl das Album jetzt ja wie ein Regenbogen ist. Auf unserer Liste waren insgesamt 40 Dinger, die es auch noch in gewisser Art und Weise gibt.” Und auf die Frage, was man noch gerne ausprobieren würde, kam es bei Teutoburg-Weiß wie aus der Pistole geschossen: “Ein Balladenalbum.” Gefolgt von einem herzhaften Lachen. “Aber das wird natürlich nie passieren.” Wobei: Sein Bassist meinte, nach einem kurzen, verdutzten Blick: “Ein ganzes Album? Okay. Habe ich noch nicht darüber nachgedacht, aber schließ’ ich mich an.” Für Überraschungen im Hause Beatsteaks sollte also weiterhin gesorgt sein.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner / APA / Red.)