Interview mit dem Salzburg-Trainer: Entscheidet sich am Sonntag der Titelkampf, Herr García?

Von David Mayr
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Salzburg-Trainer Óscar García nahm sich für VIENNA.at Zeit.
Salzburg-Trainer Óscar García nahm sich für VIENNA.at Zeit. - © Red Bull Fotoarchiv
Vor dem Bundesliga-Schlager bei Rapid spricht Red Bull Salzburgs Trainer Óscar García im Interview über seine Spielphilosophie, das grün-weiße 0:10 gegen Valencia und er erklärt, was er seinen “Bullen” keinesfalls austreiben will.

Jenen Weg, den Red Bull Salzburgs Toptorschütze Jonatan Soriano als Spieler eingeschlagen hat, beschreitet auch Óscar García Junyent als Trainer. Beide Katalanen, beide hatten ihr Handwerk beim großen FC Barcelona erlernt und beide machten sich auf, um fernab ihrer Heimat Karriere zu machen.

Soriano ist mittlerweile Kapitän der Mozartstädter und hat innerhalb von etwas mehr als vier Jahren den Rekord für die meisten Legionärstore in der Bundesliga aufgestellt. Aktuell hält der 30-jährige Angreifer bei 110 Toren in Österreichs höchster Spielklasse, der bisherige Spitzenreiter Zlatko Kranjčar hatte 108 Treffer erzielt.

Óscar García: Der neue Taktgeber der “Bullen”

García landete um die Jahreswende, nach Stationen als Chefcoach in Israel (Maccabi Tel Aviv) und England (Brighton & Hove Albion und Watford), in Salzburg, wo er nach der “Konzepttrainer”-Ära mit Roger Schmidt, Adi Hütter, Peter Zeidler und Interimscoach Thomas Lentsch die “Bullen” vom bedingungslosen Pressing zu mehr spanischer Ballkontrolle führen will.

Im Vorfeld des Topduells gegen Rapid (Sonntag, 15:00 Uhr, live auf ORF eins, Sky und im VIENNA.at-Liveticker) klingelten wir nach Salzburg durch und erfuhren vom ehemaligen Barça-Mitspieler von Pep Guardiola, was er seiner neuen Mannschaft auf keinen Fall austreiben will, wie ihn seine Auslandserfahrungen geprägt haben und ob er den Schlager am Wochenende schon als Vorentscheidung in der Meisterschaft sieht.

VIENNA.at: Seit drei Monaten sind Sie in Salzburg tätig. Wie ist ihr erster Eindruck vom österreichischen Fußball?

Óscar García: Ich hatte die Liga schon eine Zeit lang verfolgt und mehrere Matches gesehen bevor ich herkam, daher gab es keine Überraschungen. Es ist, wie ich erwartet hatte.

Wie geht es Ihnen persönlich in der neuen Heimat? Schon gut eingelebt?

Alles sehr gut! Salzburg ist eine ruhige Stadt, die Leute haben mich super aufgenommen.

Was können Sie nach den ersten drei Monaten Arbeit mit der Mannschaft sagen?

Jeder weiß, dass es hier nach den Abgängen einiger Stammspieler kein einfaches Jahr ist. Man hat jetzt verstärkt auf junge Talente gesetzt. Das ist ein Prozess, wo wir dabei sind, diesen Spielern die Möglichkeit zu geben, Erfahrung zu sammeln, um in Zukunft eine noch stärkere Mannschaft beisammen zu haben.

Seit Langem eine fixe Größe im Team ist Ihr Landsmann Jonatan Soriano, mit dem Sie ja sogar noch bei Espanyol Barcelona zusammenspielten.

Jeder kennt seine fußballerische Klasse, aber er ist auch ein großartiger Kapitän, der immer weiß, was zu tun ist. Wir sprechen die gleiche Sprache und haben auch eine sehr ähnliche Philosophie, was den Fußball betrifft. Für mich ist er hier in Salzburg natürlich eine große Hilfe.

Stichwort Spielphilosophie: Österreich ist nach Israel und England Ihre dritte Auslandsstation als Trainer. Ist ihre Spielphilosophie, die Art und Weise, wie Sie ihr Team Fußball spielen lassen, mehr von Ihren Erfahrungen in diesen Ländern beeinflusst oder überwiegt das, was sie in Barcelona gelernt lernten?

Wenn du ins Ausland gehst, lernst du neue Kulturen und neue Arten des Fußballs kennen. Auf der anderen Seite werde ich das Barça-Spiel immer in mir tragen. Du musst dich auch jedes Mal an die Mannschaft, an das Spielermaterial, das zur Verfügung steht, anpassen. Ich habe immer Versucht, die Eigenheiten in jedem Land aufzusaugen und so ein besserer Trainer zu werden.

Das eigene Nest zu verlassen, stärkt einen nicht nur auf beruflicher, sondern auch auf persönlicher Ebene, richtig?

Klar! Du lernst neue Sprachen, anderen Menschen und Kulturen kennen. Das formt die Persönlichkeit.

Viel ist seit ihrer Ankunft in Salzburg über die Spielanlage der Mannschaft diskutiert worden. In der Vergangenheit zeichnete sich diese vor allem durch das überfallsartige Pressing auf den Gegner aus, durch das schnelle, steile, vertikale Spiel. Sie setzen im Vergleich zu Ihren Vorgängern doch mehr auf Kontrolle und Ballbesitz. Was es schwierig, den Klub und vor allem die Spieler von Ihrer Philosophie zu überzeugen?

Meine Philosophie ist ein Mix aus beidem. Ich will auf keinen Fall verlieren, wofür das Team vorher stand. Ich möchte, dass die Essenz gleich bleibt, dass dieses Spiel weiter praktiziert wird und parallel dazu will ich ein paar Dinge hinzufügen.

Am Sonntag treffen Sie zum ersten Mal als Salzburg-Trainer auf Rapid. Wie werden Sie den Schlager angehen?

Wir werden so wie in jedes andere Spiel auch gehen – mit der Absicht, es zu gewinnen.

Sie haben sicher das 0:10-Debakel Rapids im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Valencia mitbekommen, ich selbst hörte ein Interview mit dem Klub-Radio der Spanier von Ihnen. Hat diese Klatsche das Image der österreichischen Liga im Ausland ramponiert?

Naja, das kommt drauf an, welchen Blickwinkel man im Ausland darauf hat. Wenn man nur auf die Duelle mit Valencia schaut, sieht das natürlich schlecht aus, aber gegen Villarreal hatte Rapid zwei richtig gute Spiele abgeliefert. Und ich denke, dass diese Partien schon ein realistischeres Bild des Leistungsvermögens zeigen.

Mit einem Sieg am Sonntag könnte Salzburg den Vorsprung auf Rapid in der Tabelle auf sieben Punkte ausbauen? Wäre die Meisterschaft damit vorentschieden?

Das glaube ich nicht. Es sind danach immer noch sieben Spiele zu absolvieren und ich denke, es wird ganz schwierig, in den ausstehenden Runden sämtliche Punkte einzufahren. Das Match am Sonntag ist zweifellos ein wichtiges, aber noch nicht entscheidend.

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