Interview: Initiative “Mein Auto” will die individuelle Mobilität erhalten

Von Verena Kaufmann
Burkhard Ernst, Obmann der Bürgerinitiative "Mein Auto", will die individuelle Mobilität der Bürger erhalten.
Burkhard Ernst, Obmann der Bürgerinitiative "Mein Auto", will die individuelle Mobilität der Bürger erhalten. - © Mein Auto/APA/Hinterramskogler
In einigen Tagen wird in Wien gewählt – VIENNA.at lässt deshalb noch einmal Bürgerinitiativen zu Wort kommen. Diesmal haben wir uns mit Burkhard Ernst, Vorsteher der Initiative “Mein Auto”, unterhalten und Näheres zur “fehlenden Verkehrspolitik der Stadt” und dem Wunsch nach nicht zwangsverordneter Mobilität erfahren. Alle Infos dazu gibt es hier.

Die noch junge Bürgerinitiative “Mein Auto” wurde Ende Juni 2015 von Obmann Burkhard Ernst mit dem Anliegen gegründet, die individuelle Freiheit bei der Wahl des Verkehrsmittels zu erhalten und die diesbezügliche Bevormundung der Politik zu beenden. “Die individuelle Mobilität darf nicht zwangsverordnet werden, vor allem die Grüne Partei und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou meinen aber, jedem vorschreiben zu können, womit er sich fortbewegen soll”, so Ernst im VIENNA.at-Interview.

Die Initiative zentriert ihre Aktivitäten zu Beginn auf Wien, generell kann sie aber als österreichweit bezeichnet werden. “Wir wollen uns insbesondere für Autofahrer stark machen, aber auch der Zweirad-Verkehr hat Probleme aufgrund der fehlenden Verkehrspolitik Wiens.” Unterstützt wird die Initiative von ÖAMTC und ARBÖ, gemeinsam arbeitete man auch einen 10-Punkte-Katalog aus, der Forderungen der Initiative an die Wiener Stadtregierung beinhaltet.

Bürgerinitiative “Mein Auto” will mehr individuelle Wahlfreiheit bei Mobilität

Die Initiative “Mein Auto” ist parteiunabhängig und jeder Bürger kann bei Interesse Mitglied werden. Der hauptausschlaggebende Grund zur Initiativ-Gründung war laut Ernst die mangelnde bzw. fehlende Verkehrspolitik der Stadt Wien: “Vor allem Autofahrer haben Probleme aufgrund von Steuer- und Abgabenerhöhungen, zunehmenden Fahrbehinderungen und durch einen Abbau von Parkflächen in Ballungszentren. Es fehlt einfach ein ordentliches Verkehrskonzept.”

Autofahrer sind oft alternativlos auf ihr Verkehrsmittel angewiesen. Die auch weiterhin geplante Zurückdrängung des Autos in Wien von 28 auf nur mehr 15 Prozent hat laut Ernst aber erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen, beispielsweise auf die Automobilbranche. “Jeder neunte Arbeitsplatz ist auf die österreichische Fahrzeug- und Zulieferindustrie sowie vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen zuzuordnen. Aber das alles zählt anscheinend nicht bei einer Grünen Partei”, so Ernst.

“Wir wollen ein ordentliches Verkehrskonzept mit der Stadt erarbeiten”

Wenn man für den Erhalt der individuellen Mobilität eintritt, ist man aber nicht automatisch gegen öffentliche Verkehrsmittel. Im Gegenteil, Ernst sieht das Wiener Öffi-Netz als wichtig und richtig, denn “jede Großstadt braucht so etwas”.

Auch die Jahreskarte um 365 Euro ist fantastisch, “aber das individuelle Netz darf neben dem Öffi-Netz nicht weniger wichtig werden”. Verkehrsteilnehmer sollen deshalb selbst entscheiden dürfen, auf welches Verkehrsmittel sie zurückgreifen können und möchten.

10-Punkte Katalog: Forderungen an die Wiener Stadtregierung

Gemeinsam mit ARBÖ und ÖAMTC erarbeitete die Initiative zehn Forderungen an die kommende Wiener Stadtregierung. Die darin enthaltenen Punkte thematisieren einerseits Probleme und Schikanen für Autofahrer, wie beispielsweise das Parkpickerl, Tempo 30-Zonen, die Parkplatzvernichtung, Ring-Sperren und die Stauproblematik auf der Wiener Tangente, andererseits werden aber auch wirtschaftliche Aspekte und nachhaltige Konzepte wie E-Mobility angesprochen.

“Die Vernichtung von Parkflächen, 30er-Zonen oder ein autofreier Ring entsprechen nicht den realen Bedürfnissen der Bevölkerung. Die Grüne Partei denkt immer nur darüber nach, wie man am besten flanieren und bummeln kann, der Großteil der Bevölkerung geht aber einem Beruf nach und muss arbeiten.”

Zum Thema Parkpickerl fordert Ernst eine bezirksübergreifende Lösung: “Kurzparkzonen müssen vereinheitlicht werden, und es darf auch kein Nachteil sein, wenn die Schule oder die Arbeit in einem benachbarten Bezirk liegt. Auch Firmenfahrzeuge sollen beim Wohnort abgestellt werden dürfen – viele Firmen verlassen durch die Benachteiligung schon Wien und siedeln nach NÖ.”

Bezüglich der Stau-Problematik auf der Wiener Tangente sieht Ernst vor allem bei Sanierungsarbeiten große Fehlplanungen der Stadtregierung. “Wenn man schon die Tangente sanieren muss, dann doch nicht auf beiden Seiten gleichzeitig und noch zusätzliche Anschlussbaustellen auf dem Grütel schaffen. Das ist eine furchtbare Lösung, da steht doch ganz Wien. Aber so ist anscheinend der politische Wille der Stadtregierung”, so Ernst.

Initiative will Gespräche mit neuer Regierung nach Wien-Wahl führen

Für die Zukunft zeigt sich Ernst entschlossen, vor der Wien-Wahl will bzw. muss man jedoch noch abwarten. “Ich habe bereits einen Brief an Bürgermeister Häupl geschrieben, in dem unsere Forderungen und Ideen erklärt werden. Vor der Wahl habe ich aber auch nicht mit einer Antwort gerechnet.” Erst nach der Wahl sollen wichtige Ansprechpartner kontaktiert werden, “denn man weiß ja nicht, ob diejenigen, die jetzt zuständig sind, es ab Montag auch noch sind.”

Auf die Frage, wie die Wien-Wahl kommenden Sonntag ausgehen wird, findet Ernst eine klare Antwort: “Ich denke, dass die SPÖ weiterhin die stärkste Kraft bleiben wird und – wenn es sich ausgeht – die ÖVP als neuer Partner kommen wird. Das sollte zu schaffen sein.”

>> Mehr Infos zur Initiative “Mein Auto” finden Sie hier

>> Alle Infos zur Wien-Wahl finden Sie in unserem Special

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