Internet verdrängt Tageszeitungen

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Internet verdrängt Tageszeitungen
Tageszeitungen verlieren Aktualität an Internet. Eine “Rückeroberung” junger Zielgruppen ist gefordert. Zeitungsinhaber sprechen vom “Verteilungskampf um den Werbekuchen”.

Dass in dieser Runde dem Medium Tageszeitung jede Menge Zukunftsträchtigkeit attestiert wurde, ist nicht weiter verwunderlich: Mit „Kurier“-Chefredakteur Christoph Kotanko und Zeitungsgründer Wolfgang Fellner diskutierten Dienstagabend im Rahmen des APA-Branchentreffs der Vertreter eines alteingesessen und jener eines noch zu gründenden Blattes über die Herausforderungen am Zeitungsmarkt. In Zukunft müsse man sich mehr auf Eigenrecherche und Hintergrundinformationen besinnen und begreifen, dass man die „Speerspitze“ der Aktualität an das Internet verloren habe, hieß es.

„Es gibt wohl kein Medium, in dem es in den letzten Jahren so wenige Innovationen gab wie bei der Zeitung, und zwar sowohl drucktechnisch als auch, was das Medium als solches betrifft“, zog Wolfgang Fellner Bilanz über die heimische Printlandschaft. Seiner Meinung nach müsse man sich nun daran machen, die junge Zielgruppe wieder zu gewinnen, die mit TV aufgewachsen ist und das Internet längst in ihren Alltag integriert hat.

Für Christoph Kotanko liegt in Zeiten, in denen Agenturmeldungen nahezu in Echtzeit im weltweiten Netz erhältlich sind, die Chance der Zeitungen in Eigenleistungen, die forciert werden müssten. Nur dadurch könne man sich unterscheidbar halten. Eine Agenturmeldung sei erst der Anfang zeitungsjournalistischer Arbeit. „Zurück zum Handwerk“, forderte der Kurier-Chefredakteur.

„Funktionsverluste“ punkto Aktualität wollen beide Diskutanten nur begrenzt erkennen. Man sei eben nicht mehr die „reine Speerspitze der Information“ im Sinne der ersten Meldung, so Fellner. Die Aufgabe der Tageszeitung liege hingegen in den früheren Stammgebieten der Wochenzeitungen und Magazine, nämlich in „Analysen, Hintergründen und Interviews“ zu aktuellen Themen.

Kotanko sieht eine Zukunft für die Tageszeitung vor allem dann, wenn es eine Vernetzung mit anderen Kommunikationsformen wie Internet oder Handy gibt und der Leser mehr einbezogen wird. In Sachen „Citizen Journalism“ gibt sich der Kurier-Chefredakteur aber ebenso vorsichtig wie sein Diskussionspartner. „Da braucht es wieder einen Journalisten, der das alles überprüft“, gab Kotanko zu bedenken. „Internet öffnet sich dem Leser, das wird jedoch niemals den Journalisten ersetzen. Aber es ist eine spannende Herausforderung, wie man den Leser einbindet“, so Fellner.

An Bewegung dürfte es heimischen Zeitungsmachern in den kommenden Monaten aber ohnehin nicht fehlen. Wolfgang Fellner, der mit seinem in diesem Herbst erscheinenden noch namenlosen Blatt für Neugier in der Branche sorgt, meint selbst, dass es gut sei, wenn „Bewegung in den Markt kommt, der schon eingefahren ist“. Man sei besonders um die „interessante Zielgruppe der 20- bis 49-Jährigen bemüht. Von Verdrängung wollte er nichts wissen. Schließlich sei der durchschnittliche österreichische Tageszeitungsleser „deutlich über 50 Jahre“.

Beim Kurier sieht man die Sache naturgemäß anders. „Das wird kein journalistischer Wettbewerb, sondern ein Verteilungskampf um den Werbekuchen“, meinte Kotanko im Gespräch mit der APA. “Ökonomisch wird es alle treffen“, prophezeite er. Ein „großes Umdenken“ müsse in der Branche stattfinden – und zwar nicht nur wegen der neuen Fellner-Publikation. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten werde es verschiedene Projekte, Innovationen und neue Produkte von mehreren Verlagshäusern geben. Unter anderem mehrere Gratiszeitungen.

Ein „Strohfeuer“ in den Augen von Wolfgang Fellner, wie dieser – wohl demonstrativ in Richtung geplanter „Abwehrprojekte“ der Konkurrenz – meinte. Bei Gratiszeitungen handle es sich um ein Marketingmodell und kein Geschäftsmodell, mit dem man verdienen könne.

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