Internationale Pressestimmen zur Griechenland-Wahl

"Aftenposten": Europa muss Griechen entgegenkommen.
"Aftenposten": Europa muss Griechen entgegenkommen. - © EPA
Pressestimmen aus Oslo, Budapest, Amsterdam, Madrid und Moskau zur Wahl in Griechenland.

Die konservative norwegische Tageszeitung “Afenposten” (Oslo) meint am Dienstag zu den Perspektiven für Griechenland nach den Parlamentswahlen:
“Wir meinen, dass es politisch klug wäre, Griechenland etwas Entgegenkommen zu zeigen. Das würde Antonis Samaris (dem konservativen Chef der voraussichtlich künftigen Regierung) dringend benötigte Autorität gegenüber der Bevölkerung verschaffen. Sie muss den verlorenen Glauben an die Zukunft zurückgewinnen. Für die Eurozone besteht die ganz große Herausforderung darin, die Probleme in Spanien und anderen südeuropäischen Ländern unter Kontrolle zu halten. Schlimmstenfalls hätten die griechischen Wähler Sonntag alles zum Einsturz bringen können. Glücklicherweise ist das ausgeblieben.”

“Magyar Nemzet” (Budapest)

“Obwohl die Europäische Union das 21. Jahrhundert gründlich verpatzt hat, gibt es zum Scheitern immer eine Alternative. Die Aufgabe besteht vielleicht darin, die Hysterie zu verringern, die Gründe aufzudecken und vor allem langfristig zu denken, anstatt immer nur die täglichen wirtschaftspolitischen Interessen vor Augen zu haben. Ohne Griechenland gibt es weder den Euro noch die Europäische Union, unabhängig davon, wer nun wie viel vom Schwanken dieses Landes profitiert, das schon einmal bessere Tage gesehen hat.”

“de Volkskrant” (Amsterdam):

“Griechenland ist keine Koalitionsregierungen gewöhnt. Darüber hinaus müssen die Parteien, die für die Misere des Landes verantwortlich gemacht werden, mit heftigen Protesten rechnen, sollte der Sparkurs von der Bevölkerung noch mehr Opfer verlangen. Geld um die Unzufriedenen zu besänftigen, gibt es nicht mehr. Nea Dimokratia und PASOK haben sich zu den Sparbeschlüssen bekannt und können nicht mehr mit dem Finger auf das böse Brüssel zeigen. Um die Überlebenschancen einer neuen griechischen Regierung zu vergrößern, sollte Europa (Deutschland) mehr Flexibilität zeigen. Athen muss mehr Zeit gegönnt werden, um Ordnung in die Staatsfinanzen zu bringen. Außerdem würde ein Plan zur Schaffung von Arbeitsplätzen, wie ihn Frankreichs Präsident Hollande vorschlägt, dem Land etwas Zuversicht bringen.”

“El Pais” (Madrid):

“Die Probleme gehen nicht allein von Griechenland aus. Das fehlende Vertrauen in die Solvenz des spanischen Staates hat auch zu tun mit der Bankenkrise in Spanien selbst, mit den Schwächen der Madrider Wirtschaftspolitik und dem Mangel an raschen Entscheidungen der europäischen Institutionen. Dass Spanien und Italien die Insolvenz droht, geht vor allem darauf zurück, dass in der Euro-Zone eine Instanz fehlt, die den Druck der Märkte abwehren kann. Nur eine gemeinsame Schatzkanzlei, ein Markt von Eurobonds und eine Angleichung der Haushaltspolitik können der gemeinsamen Währung das erforderliche Vertrauen sichern.”

“Kommersant” (Moskau):

“Europa hat mit der Minderheit der Stimmen gewonnen. Die Parlamentswahlen in Griechenland, auf die ganz Europa mit angehaltenem Atem gewartet hat, haben ein paradoxes Resultat ergeben. Die Parteien, die eine Vereinbarung mit den internationalen Geldgebern ablehnen, haben die Mehrheit gewonnen. Doch wegen des Wahlgesetzes werden nicht sie die Regierung bilden, sondern die Anhänger der Vereinbarungen mit der EU und der Sparpolitik. Dies heißt aber nicht, dass nun alle Probleme mit Athen gelöst sind. Bereits beim nächsten EU-Gipfel am 28. Juni wird es harte Verhandlungen mit der neuen griechischen Regierung geben, die sicher versuchen wird, die Vereinbarungen mit den Kreditgebern zu lockern.” (APA)

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