Interims-Direktor Franz Schwartz: “Eine Viennale wie Hans sie gewollt hätte”

Der Interims-Viennale-Direktor Franz Schwartz beim Interview
Der Interims-Viennale-Direktor Franz Schwartz beim Interview - © APA/ROLAND SCHLAGER
Für Franz Schwartz wird es nur ein kurzes Gastspiel als Viennale-Chef: Nach dem überraschenden Tod von Langzeitimpresario Hans Hurch im Sommer, fungiert Schwartz für die heurige Ausgabe als interimistischer Direktor des Wiener Film-Festivals.

Der 67-Jährige ist Kuratoriumsmitglied und ehemaliger Leiter des Stadtkinos und führt heuer das Filmfestival in memoriam. Mit der APA sprach Schwartz aus Anlass der Viennale-Programmpräsentation am Dienstag über seine persönlichen Lieblingsgäste, die Bedeutung einer starken Persönlichkeit an der Spitze des Festivals und Pläne mit seinem Segelboot.

Franz Schwartz: Kurzfristig eingesprungen nach Hurchs Tod

APA: Sie mussten heuer sehr kurzfristig die Viennale-Kommandobrücke übernehmen. Haben Sie sich schon akklimatisiert?

Franz Schwartz: Vollkommen – vom ersten Tag an. Das Team hier hat mich wunderbar unterstützt und all das gemacht, was es sonst gemacht hätte.

APA: Es blieb für Sie aber auch noch etwas Arbeit über, oder?

Schwartz: Aber sicher. Es gab Filme zu sichten, organisatorische Dinge zu klären. Aber das ist alles im Rhythmus geblieben wie früher – auch wenn wir hier jetzt mehr Elektronik verwenden, weil ich auch mit dem Computer gearbeitet habe.

Viennale 2017 in memoriam Hans Hurch

APA: Ein guter Teil des heurigen Festivalprogramms ist noch von Hans Hurch konzipiert worden. Wie sehr ist die Viennale 2017 auch ein Franz-Schwartz-Festival?

Schwartz: Ich hoffe überhaupt nicht. Ich habe mich bemüht, die Viennale so fertigzustellen, wie ich dachte, dass Hans sie gewollt hätte. Ich habe nur den Fehler am Anfang gemacht, mich zu bemühen so zu denken wie Hans Hurch – und das ging schief. Es genügt, wenn ich so denke wie ich, weil wir dieselbe Haltung zum Film hatten. Im Wesentlichen dürfte es nicht auffallen, dass es eine andere Viennale ist.

APA: Was ist der Rote Faden heuer?

Schwartz: Es sollten wieder die unverzichtbarsten Filme des Jahres sein, auch wenn die Welt sehr groß ist und das Filmemachen noch viel größer. Einen Roten Faden im Sinne des französischen Films oder dergleichen gibt es deshalb nicht. Wir geben dem einfachen Film den Vorzug vor dem, der die Illusionsmaschine anwirft.

Ein melancholisches Wiener Film-Festival?

APA: Wie melancholisch wird die heurige Ausgabe angesichts des Tods von Hans Hurch werden?

Schwartz: Wir im Team haben alle schon einen Weg gefunden, mit Hans’ Tod umzugehen. Bei den Gästen, die nicht diese Zeit hinter sich gebracht haben, ist das natürlich anders. Damit sind wiederum wir konfrontiert und müssen damit umgehen. So kommen etwa sieben der Künstler, die für die Hans-Hurch-Hommage einen Film ausgewählt haben, persönlich nach Wien. Das wird sicher mit einigen Emotionen verbunden sein.

APA: Ein weiterer Gast bei der Viennale wird Christoph Waltz sein. War es schwer, den Oscar-Preisträger für Wien zu gewinnen?

Schwartz: Christoph Waltz war schon seit vielen Jahren auf der Wunschliste von Hans. Dass er gerade heuer zugesagt hat, ist umso erstaunlicher, weil er gerade selbst einen Film als Regisseur dreht. Aber Waltz steht dazu. Und ein Publikumsmagnet ist Christoph Waltz definitiv. Enttäuscht sind nur die Journalisten, die wissen, dass sie kein Interview bekommen. Aber dafür wird es ja die Gala am 24. Oktober im Gartenbaukino geben.

Vorfreude auf Viennale-Stargäste

APA: Was sind für Sie persönlich weitere Gäste, auf die Sie sich besonders freuen?

Schwartz: Ich freue mich etwa auf Hella Wenders, die den Dokumentarfilm “Schule, Schule” gemacht hat. Das ist ein ganz einfacher, gescheiter Film, und sie hat dazu sicher einiges zu sagen. Und dann natürlich auf Mathieu Amalric, der sein Werk “Barbara” persönlich präsentiert – oder Valeska Grisebach, die als sehr kluge Frau mit dabei ist. Allgemein freue ich mich vor allem auf die Gäste, deren Filme mir gefallen.

APA: Neu ist heuer auch die Kunsthalle als Festivalzentrum. Wie sind Sie auf die Location gekommen?

Schwartz: Die Kunsthalle war der einzige Standort, der für ein Festivalzentrum infrage kam und sich ganz überraschend ergeben hat. Wir haben heuer einen Sponsor verloren und müssen budgetär sehr vorsichtig sein. Deshalb war alles potenziell Interessante zu teuer. Die Kunsthalle nun ist von den Möglichkeiten her gigantisch: Wie viel Lärm kann man machen? Wie große kann man Gespräche gestalten? Ich bin überzeugt, dass das fantastisch funktioniert und hoffe, dass sie uns auch in den künftigen Jahren erhalten bleibt.

Pläne für die Viennale nach 2018

APA: Ihr Budget liegt aber auch heuer bei 2,7 Mio. Euro?

Schwartz: Das Budget ist in etwa so hoch wie bisher. Aber der Sponsor ist uns eben weggebrochen. Den zu ersetzen, hat gewisser Anstrengungen bedurft. Ich hoffe, dass wir eine Schwarze Null schreiben werden. Mit dem Budget kann man arbeiten, aber es wird sicher Festivaldirektoren geben, die mehr Geld wollen. Das ist dann deren Sache für die Zukunft.

APA: Wie soll die Viennale ab 2018 aussehen?

Schwartz: Die Viennale zeichnet aus, dass das Programm von einer Person gemacht wird. Wie der Künstler mit seiner Person für ein Werk haftet, hat Hans Hurch für die Viennale mit seiner Person gehaftet. Und dabei sollte man bleiben. Ich hielte es für falsch, wenn ein Kuratorium die verschiedenen Elemente ausdiskutiert. Gefragt ist eine Person, die die Erfahrung hat, und weiß, wo man die richtigen Filme zu sehen bekommt – und sich nicht vereinnahmen lässt, sondern nach ihrem Geschmack programmiert. Es muss eine Person sein, die so stark ist, dass sie mit Geldgebern das richtige Budget aushandeln und sich von Einflüssen freihalten kann.

APA: Muss jemand dafür diese Leitungsfunktion mehrere Jahre innehaben?

Schwartz: Es sollte eine ordentliche Zeitspanne sein. Eine Intendanz, die nach drei Jahren endet, wäre ein Zeichen dafür, dass etwas schiefgegangen ist.

Die Suche nach einem neuen Viennale-Direktor

APA: Wie sieht der Zeitplan für die Suche nach dem neuen Direktor konkret aus?

Schwartz: Ich habe mich verpflichtet, so lange zu bleiben, bis der Nachfolger gefunden ist. Am 5. November geht die Ausschreibung an die Zeitungen, am 5. Dezember ist Ende der Ausschreibungsfrist. Und bis Ende Jänner ist dann Zeit für Hearings respektive muss die Wahl gefallen sein.

APA: Was macht Franz Schwartz dann am 1. Februar 2018?

Schwartz: Das, was ich die letzten acht Jahre gemacht habe: Mich um meine Familie, mein Segelboot und all das zu kümmern, was Spaß macht. Auch wenn es hier momentan sehr viel Spaß macht, ist es nicht möglich, dass sich an meinem Plan, Ende Jänner 2018 aufzuhören, etwas ändert.

Infos zur Veranstaltung

V17

Viennale – Vienna International Film Festival (V’17)

Wann: 19.Oktober bis 2.November 2017
Wo: Gartenbaukino, Stadtkino im Künstlerhaus, Urania, Metro, Filmmuseum
Start des VVK: Samstag, 14.Oktober um 10 Uhr
Programm: Online auf viennale.at am 10.Oktober um 20 Uhr
Link zur Homepage

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>> Alle News und Infos zur Viennale 2017

(Das Gespräch führten Christoph Griessner und Martin Fichter-Wöß/APA)

(apa/red)

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