Intensivwahlkampf beginnt: Vier Wochen großes Werben um Wähler

BP-Wahl - Meinungsforscher: Intensivwahlkampf heuer besonders wichtig
BP-Wahl - Meinungsforscher: Intensivwahlkampf heuer besonders wichtig - © APA (Sujet)
Die Kandidaten stehen fest, die Stimmzettel sind im Druck – und ab jetzt werden die Wähler richtig intensiv umworben. Denn in vier Wochen, am 24. April, wird das nächste Staatsoberhaupt gewählt.

Wer tatsächlich Heinz Fischer in der Hofburg nachfolgt, wird sich angesichts der großen Zahl an Kandidaten – es sind sechs – so gut wie sicher erst am 22. Mai mit der Stichwahl entscheiden.

Forscher ungewiss

Ungewöhnlich groß (wie bisher nur einmal, im Jahr 1951) ist nicht nur die Zahl der Kandidaten, sondern auch die Zahl der aussichtsreichen Kandidaten. Die Meinungsforscher sehen fünf Bewerber relativ eng beieinander und wollen sich bisher nicht festlegen, wer fix in die Stichwahl kommt oder Bundespräsident wird.

Anders als bei den bisher zwölf Direktwahlen der Zweiten Republik sind die Kandidaten der Traditionsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), nicht die Favoriten – im Gegenteil: Alexander Van der Bellen (Grüne) und Norbert Hofer (FPÖ) liegen in den bisherigen Umfragen meist vorne, auch die parteifreie Irmgard Griss hält sich beharrlich im Kreis der aussichtsreichen Bewerber. Nur Baumeister Richard Lugner kann nicht wirklich hoffen, in die Stichwahl zu kommen.

Spekulationen um Wahl

Im zweiten Wahlgang könnte sich allerdings dann doch noch ein Koalitions-Bewerber durchsetzen. Wenn nicht, wäre das eine Premiere – alle bisher sieben direkt gewählten Präsidenten der Zweiten Republik waren bei ihrer Erstwahl entweder von der SPÖ oder der ÖVP nominiert. Zöge jetzt erstmals ein grüner, blauer oder eine unabhängige Bewerberin in die Hofburg ein, sind parteiinterne Querelen bei Rot und Schwarz garantiert – und eine baldige Neuwahl des Nationalrates nicht auszuschließen.

Zunächst aber haben alle noch vier Wochen lang Zeit, die rund 6,4 Mio. Wahlberechtigten von sich zu überzeugen. Seit dem heutigen Ostermontag lachen die Bewerber von Großplakaten – nicht mehr nur Hofer, der sich dem Fairnessabkommen verweigert und schon früher plakatiert hat. Und der Intensivwahlkampf wird eingeläutet.

Hundsdorfer macht den Anfang

Den Anfang macht am Donnerstag, 31. März, SPÖ-Kandidat Hundstorfer im Floridsdorfer Veranstaltungszentrum “Colosseum XXI” – mit viel Unterstützung durch prominente Parteifreunde: Bundeskanzler Werner Faymann, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und der im Vorjahr bei der Wien-Wahl überraschend erfolgreiche Bürgermeister Michael Häupl haben sich als Redner angesagt.

In der Steiermark präsentiert die FPÖ am Samstag, 2. April, ihren burgenländischen Kandidaten Hofer. Dies aus thematischen Gründen, denn Parteichef Heinz-Christian Strache und Landesparteichef Mario Kunasek setzen in ihren Reden auf das Flüchtlingsthema – das ja Kunasek vor einem Jahr ein Rekordergebnis bescherte. Wie immer bei den Blauen spielt die John Otti-Band auf. Ihr 60-Jahr-Jubiläum nutzt die FPÖ für ein zweites Großevent am 6. April in Wien.

Van der Bellen in Wien

Den Wissenschafts- und Technologiepark Tech Gate Vienna in der Wiener Donau City hat Van der Bellen als Ort ausgewählt, Termin ist der Montag, 4. April – was genau geschieht, ist noch in Planung. Am selben Tag lädt Richard Lugner – mit Frau Cathy – in sein Einkaufszentrum am WienerGürtel. Ab 18 Uhr gibt es Würstel, Freigetränke und einen “überraschenden Live-Act”.

ÖVP-Kandidat Khol zieht zwar ebenso wie die Mitbewerber seit Wochen durchs Land, aber mit dem offiziellen Wahlkampfstart lässt er sich Zeit bis 7. April. Der wird dafür groß: 1.000 Gäste – auch viele internationale – werden im Congress Innsbruck erwartet. Niederösterreichs LH Erwin Pröll – dessen Abwinken Khol die Kandidatur verdankt – demonstriert Unterstützung mit einem Empfang im Schloss Grafenegg am 11. April. Ebenso die Parteijugend: Außenminister und JVP-Chef Sebastian Kurz lädt am 13. April zum Clubbing “Hofburg Challenge accepted” in denWiener Volksgarten

Der Kampf um den Wähler

Ohne große Events und insgesamt unspektakulär legt Griss ihren – rein spendenfinanzierten – Wahlkampf an. Auf einen bombastischen Wahlkampfauftakt verzichtet sie laut ihrem Sprecher, auch eine Abschlussveranstaltung ist nicht geplant. Stattdessen setzt Griss auf Betriebsbesuche und “Spaziergänge in der Stadt”. Eine Plakatwelle – “Unabhängig. Für Österreich” und “Jetzt oder nie” – hat man sich geleistet, ob sich eine zweite ausgeht weiß man noch nicht. Anfang April soll ein Personenkomitee vorgestellt werden.

Intensivwahlkampf heuer wichtig

Mehr denn je komme es auf den jetzt anlaufenden Intensivwahlkampf und die TV-Duelle an. “Beste Chancen” auf die Stichwahl habe Van der Bellen – Khol die geringsten, aber “warten wir ab”, verweist er auf die Terroranschläge in Brüssel.

In den Umfrage-Rohdaten liegen die genannten Fünf in einem Band von drei bis vier Prozentpunkten, “da kann man in Wirklichkeit nichts sagen”, sieht Peter Hajek (public opinion strategies) die Sache “too close to call”. Interessant sei, dass es bisher wenig Bewegung gab – aber nur 50 Prozent der Befragten sicher wüssten, wen sie wählen. Der Intensivwahlkampf samt TV-Duellen sei heuer also besonders wichtig.

Richard Lugner wird von Experten keine große Rolle beigemessen. Allenfalls könnte er indirekt mitmischen – wenn zwischen Platz 2 und 3 nur Zehntelprozentpunkte entscheiden. Aber sehr viel schaden werde er den anderen nicht – werde er doch deutlich unter den 1998 geschafften 9,9 Prozent bleiben, so Experten.

>> Alle Meldungen zur Bundespräsidentenwahl

(APA)

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