Initiative gegen Neffentrick in Wien vorgestellt: Bankangestellte sollen helfen

Beim Neffentrick "handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt", betonte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner
Beim Neffentrick "handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt", betonte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner - © APA
Durch den sogenannten Neffentrick, eine bekannte Betrugsmasche, werden zumeist betagten Opfern in Österreich jedes Jahr Geldsummen in Millionenhöhe entlockt. Nun sollen vor allem Bankangestellte auf die Betrugsform aufmerksam gemacht werden.

Die Idee ist, dass die Bankmitarbeiter damit im Verdachtsfall die Notbremse ziehen können. Meist tappen Ältere in die Falle der Betrüger, die täglich gezielt dutzende Menschen anrufen und sich als Verwandte in Geldnot ausgeben.

“Neffentrick ist kein Kavaliersdelikt”

Beim Neffentrick “handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt”, betonte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Donnerstag bei der Präsentation eines Präventionsvideos in Wien. Polizei, Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) wollen mit dem Video mehr als 20.000 Bankangestellte erreichen. Mikl-Leitner bezeichnete die Menschen am Schalter als “letztes Glied in der Kette”, denen eine bedeutende Rolle zukomme. Sie seien “wichtige Verbündete” im Kampf gegen Trickbetrüger.

Ein Video informiert Bankangestellte

In dem Video werden die Bankangestellten dazu aufgefordert, auf ihr Gefühl zu hören und mit älteren Kunden, die große Summen Bargeld abheben möchten, ein Gespräch abseits des Schalters zu führen. Sollten Zweifel über die Echtheit der Verwandten, für die das Geld bestimmt ist, aufkommen, könne mit Zustimmung der Klienten die Polizei verständigt werden.

Mehrere aktuelle Fälle hätten gezeigt, dass ältere Menschen nicht nur ihre Konten für vermeintliche Neffen oder Nichten räumen, sondern auch Schmuck oder Anleihen hergeben. Laut Ministerin Mikl-Leitner konnte der Schaden in den vergangenen Jahren jedoch bereits eingedämmt werden: Betrugen die Schadenssummen durch den Neffentrick im Jahr 2011 noch etwa drei Millionen Euro, waren es in den Jahren 2013, 2014 und 2015 jeweils nur mehr 1,3 bis 1,5 Millionen Euro.

Älteren Menschen werden große Summen abverlangt

“In den meisten Fällen fordern die Täter Geldbeträge in fünfstelliger Höhe”, berichtete Rudolf Unterköfler, Abteilungsleiter Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt (BK). Zuletzt seien aber auch einige Betrüger mit deutlich höheren Summen erfolgreich gewesen. Die organisierten Banden rufen laut Unterköfler bis zu hundert Menschen pro Tag an, meistens bleibt es beim Betrugsversuch, aber irgendwann treffen sie auf gutgläubige, einsame Personen. “Die Menschen fühlen sich die ganze Zeit alleine und plötzlich haben sie das Gefühl, gebraucht zu werden”, erklärte der Kriminalist am Donnerstag die Motivation der Betrogenen.

Oft übergeben die Opfer das Geld an die Täter oder an irgendwelche Mittelsmänner und schöpfen erst danach Verdacht. “Dann ist es zu spät, die Täter setzen sich mit dem Bargeld sehr schnell ins Ausland ab”, sagte Unterköfler. Das Ersparte der alten Menschen wieder zurückzubekommen sei in den meisten Fällen unmöglich.

>>Pensionistin durchschaut Neffentrick und überführt Betrüger in Wien-Alsergrund

(apa/red)

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