In Wien verhafteter Hells-Angels-Boss steht vor Gericht

Der in Wien verhaftete Hells-Angels-Boss steht nun vor Gericht
Der in Wien verhaftete Hells-Angels-Boss steht nun vor Gericht - © APA (Sujet)
Ab Montag müssen sich vier Rocker vor Gericht wegen gemeinschaftlichem Mord verantworten, einer der Angeklagten wurde im Jänner des Vorjahres mit einem Großaufgebot der Polizei in Wien-Margareten verhaftet.

Vor einem Jahr eskalierte in Leipzig eine Rockerfehde zwischen den Hells Angels und United Tribuns, bei dem am Ende ein 27-Jähriger tot vorgefunden und zwei weitere Rocker lebensgefährlich verletzt wurden.

Vier Hells Angels stehen vor Gericht

Dem mutmaßlichen Schützen werden zudem versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 36 Gerichtstermine bis in den Jänner 2018 sind vorerst angesetzt. Bei dem Verfahren gelten nach Angaben des Gerichts verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Was sich genau am 25. Juni 2016 in Leipzig abgespielt hat, ist immer noch unklar. Die Staatsanwaltschaft will Details bis zum Prozess unter Verschluss halten. Laut bisherigem Stand soll ein damals 30-jähriger Hells Angel Schüsse auf mehrere Mitglieder des Rocker-Clans United Tribuns abgegeben haben.

Die anderen Angeklagten sollen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit “Gewalttätigkeiten” beteiligt haben. Es ging vermutlich um Rache. Laut Staatsanwaltschaft suchten die Hells Angels wahrscheinlich gezielt die Auseinandersetzung, um sich für einen früheren Übergriff der United Tribuns zu rächen. Das sächsische Innenministerium warnte nach den Schüssen vor weiteren Racheakten. Es bestehe “ein erhöhtes Vergeltungsrisiko durch die United Tribuns”, zudem könne es zu wechselseitigen Machtdemonstrationen kommen.

Gefahr von Rockerfehden

Wie gefährlich Rockerfehden sind, ist den deutschen Sicherheitsbehörden bekannt: Erst im Oktober 2016 wurde der Präsident der Gießener Hells Angels auf dem Gelände des Rocker-Vereinsheims erschossen. Im Mai vergangenen Jahres fielen im Frankfurter Rockermilieu Schüsse auf einem belebten Platz mitten in der Innenstadt. Zwei Männer wurden schwer verletzt. In Leipzig blieb eine weitere Eskalation aus. Ein Trauermarsch von rund 200 Mitgliedern der United Tribuns durch Leipzig verlief im September weitgehend friedlich. Die Leipziger Hells Angels lösten sich auf. Der mutmaßliche Schütze wurde noch am Tag der Tat festgenommen, kam unmittelbar darauf in U-Haft. Die drei weiteren Angeklagten folgten in den Tagen und Monaten darauf und sitzen bis heute ohne Unterbrechung im Gefängnis – bis auf einen.

Ausgerechnet der Chef der Leipziger Hells Angels kam zwischenzeitlich frei – nur um dann im Winter mit neuem Haftbefehl erneut international gesucht zu werden. Der Tatverdacht habe im Sommer nicht untermauert werden können, verteidigte die Staatsanwaltschaft die zwischenzeitliche Freilassung. 10.000 Euro Belohnung wurden schließlich für Hinweise auf seinen Verbleib ausgesetzt. Einen Tag später schnappte die Polizei in Wien-Margareten am 4. Jänner 2017 den als gefährlich geltenden Boss. Einem Großaufgebot von 100 Mann gegenüber ließ er sich Polizeiangaben zufolge widerstandslos in einem Vereinslokal der Hells Angels festnehmen.

(APA/dpa/Red.)

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