Imre Szabics: Zwei Herzen schlagen in seiner Brust

Imre Szabics drückt Ungarn und Österreich die Daumen.
Imre Szabics drückt Ungarn und Österreich die Daumen. - © APA/Erwin Scheriau
Der langjährige Sturm-Graz-Legionär drückt bei der EM in Frankreich seinem Heimatland Ungarn und seiner Wahl-Heimat Österreich die Daumen. Am Dienstag kommt es zum direkten Duell.

Die ungarische Nationalmannschaft kennt Imre Szabics in- und auswendig. Als Co-Trainer in neun von zehn Gruppenspielen war er mitverantwortlich für die erfolgreiche Qualifikation für die EM-Endrunde in Frankreich. Dort traut der Ex-Stürmer, der mittlerweile nur noch als Chefscout von Bundesligist Sturm Graz werkt, seinem Heimatland den Einzug ins Achtelfinale zu.

“Ich denke, dass sich bei so einem großen Turnier jede Mannschaft Chancen ausrechnen kann, aus der Gruppe weiterzukommen”, sagte Szabics. Eine gute Vorbereitung sei dafür entscheidend. Abgesehen von Favorit Portugal fehlt aber allen Gruppe-F-Teams diesbezüglich die Routine. Österreich war seit der WM 1998 nur bei der Heim-EM 2008 bei einem großen Turnier vertreten. Ungarns letzter Auftritt auf großer Bühne war 1986 (WM), Island feiert auf dieser in Frankreich erst seine Premiere.

“Die drei Mannschaften haben in der letzten Zeit kaum Erfahrungen vor und bei großen Turnieren gesammelt. Für mich ist aber Österreich sehr stark einzuschätzen. Aber genauso kann Ungarn weit kommen oder auch Island überraschen”, so Szabics. Dass die Ungarn als Außenseiter ins Rennen gehen, ist ihm bewusst. “Natürlich sind auf dem Papier alle drei Mannschaften stärker einzuschätzen als wir. Aber da Österreich mein Zuhause und Ungarn meine Heimat ist, hoffe ich, dass die beiden Mannschaften aufsteigen”, so der 35-Jährige.

Szabics: “Habe meinen Teil zur Qualifikation beigetragen”

Er drückt also bei der EM zwei Teams die Daumen. Am 14. Juni kommt es in Bordeaux im Gruppe-F-Auftaktspiel gleich zum direkten Duell von Österreich mit Ungarn. Was die Auswahl von ÖFB-Teamchef Marcel Koller da erwartet, ließ sich Szabics nicht entlocken. “Ich werde nicht verraten, was ihre Stärken und Schwächen sind. Es wäre nicht fair, das bin ich den Jungs schuldig”, so der langjährige Deutschland-Legionär.

Szabics war nach der 1:2-Quali-Auftaktniederlage gegen Nordirland Anfang Oktober 2014 als Co-Trainer zum Nationalteam gestoßen. Der ebenfalls erst kurz zuvor eingesetzte Teamchef Pál Dárdai hatte ihn geholt. Dessen Amtszeit dauerte aber nicht lange. Ab Februar 2015 werkte er in Doppelfunktion noch als Interimstrainer von Hertha BSC. Da die Berliner diese Konstellation nicht länger zuließen, gab Dárdai im Sommer sein Teamchefamt auf. Szabics blieb auch noch in den restlichen vier Gruppenspielen unter Nachfolger Bernd Storck Assistenzcoach.

“Ich habe meinen Teil zur Qualifikation beigetragen und bin sehr stolz darauf”, verlautete Szabics. Stolz ist auch die ungarische Bevölkerung auf das Team rund um Goalie-Routinier Gabor Kiraly. “Die Vorfreude ist absolut da. Ich glaube auch, dass jeder damit rechnet, dass wir uns bei der EM teuer verkaufen werden”, so Szabics. Durch die EM-Teilnahme ist also auch in Österreichs Nachbarland die Erwartungshaltung gestiegen.

Szabics in der Zuschauerrolle

Positiv auswirken soll sich das Antreten auch in Zukunft. “Ich erhoffe mir, dass die Teilnahme bei der EM einen Antrieb gibt für die nächste Zeit und dass wir uns in Zukunft regelmäßig Chancen ausrechnen können, bei der EM dabei zu sein”, blickte Szabics nach vorne. Hilfreich ist dabei ein “extrem fußballbegeisterter” Ministerpräsident. “Wir haben mit der Arbeit, die Island, Österreich oder Belgien schon hinter sich hat, erst angefangen. Es wird alles dafür getan, damit der ungarische Fußball nach vorne kommt”, weiß Szabics. Die EM in Frankreich verfolgt er nur als Zuschauer, vor dem Playoff wurde er durch Storcks Landsmann Andreas Möller ersetzt.

“Natürlich wäre ich bei der EM sehr gerne dabei gewesen, aber es ist legitim, dass ein neuer Trainer seinen eigenen Stab dabei haben will”, schilderte Szabics seine Sicht. Die Trennung erfolgte ohne böses Blut. “Ich habe einen sehr guten Kontakt zum Verband und auch noch immer regelmäßig Kontakt mit den Spielern. Es war eine sehr schöne Zeit. Wenn der Verband mich irgendwann ruft, stehe ich zur Verfügung”, erklärte der Ex-Sturm-Angreifer.

Der Teamchefposten ist für ihn einmal ein Ziel, vorerst aber kein Thema. Die volle Konzentration gilt der Arbeit bei Sturm. Die Steirer hatten ihn immer für Team-Lehrgänge und Länderspiele abgestellt. “Das ist nicht selbstverständlich, dafür bin ich sehr dankbar. Ich fühle mich extrem wohl bei Sturm Graz”, verlautete der 36-fache ungarische Teamstürmer. Bei den Grazern hatte er Ende September 2013 seine aktive Karriere beendet, während der er in 172 Bundesligaspielen 43 Mal traf.

(APA, Red.)

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