ImPulsTanz-Festival steht heuer unter dem Motto “Redefining Action(ism)”

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Blick auf die Eröffnung des ImPulsTanz-Festivals gestern im Wiener Museumsquartier.
Blick auf die Eröffnung des ImPulsTanz-Festivals gestern im Wiener Museumsquartier. - © APA
Aktionismus, heute überbeleumdet als Ausdruck für politische Schnellschüsse, war für die Wiener in den 1960ern der Inbegriff für eine direkte Arbeit mit dem Körper. Es war ein Mischverhältnis aus Kunst und Mensch. Somit kann der Wiener Aktionismus als ein Urvater heutiger Performancekunst verstanden werden.

Diesen Umstand greift das heurige ImPulsTanz-Festival auf, dass mit der Schiene “Redefining Action(ism)” im Wiener mumok gleich mehrere Projekte zur Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit ihrer künstlerischen Vorgänger bereithält. Als Ausgangspunkt dient dazu die seit März laufende Ausstellung “Mein Körper ist das Ereignis – Wiener Aktionismus und internationale Performance”. Hier wird der Sammlungsschwerpunkt Wiener Aktionismus des mumok mit internationalen Entwicklungen der Performancekunst in den Dialog gestellt.

Das ImPulsTanz-Programm

Die ImPulsTanz-Performer sehen sich also keineswegs mit einer leeren Bühne, sondern mit Vorläufern wie Otto Muehl, Hermann Nitsch oder Rudolf Schwarzkogler konfrontiert. Den Sprung ins kalte Wasser wagen zum Auftakt am Freitag Alix Eynaudi und Mark Lorimer, die ihre Bondage-Arbeit “Monique” aus 2012 nun auch im mumok präsentieren. Eine Uraufführung ist hingegen Akemi Takeyas “Lemonism X Actionism” am 21. Juli. Dabei stellt die Performerin dem Wiener Aktionismus ihren Zitronismus gegenüber – bei dem die Frucht zum Stellvertreter des menschlichen Körpers und entsprechend behandelt wird. ImPulsTanz-Stammgast Christine Gaigg setzt hingegen auf Gruppenerfahrung und wird ein Researchprojekt zum Thema vor Ort leiten, an dessen Ende am 24. Juli eine performative Intervention im Museum unter dem Titel “Charged Documents” steht.

“Facebook Theatre”: Interaktion mit dem Publikum

Einer der Ikonen des Aktionismus, Günter Brus, widmet sich am 31. Juli Miguel Gutierrez unter dem libidinösen Motto “Fuckmegunterbrusbrusguntermefuck”. Der US-Amerikaner huldigt damit dem in seinen Augen queersten Aktionisten in einer ungeprobten Performance zwischen Liebeslied und Kritik. Nach seinem sexuell-esoterisch aufgeladenen Skandalauftritt mit “Icure” im Vorjahr, hat der bulgarische Performer Ivo Dimchev sich hingegen diesesmal für “Facebook Theatre” (7. August) die sozialen Medien vorgenommen. Diese zieht er in interaktivem Austausch mit dem Publikum für ein Theaterexperiment heran, bei dem er einen Text als Spielanweisung nimmt, der gleichzeitig vom Publikum über Facebook geschrieben wird.

Abschluss des “Redefining Action(ism)” im Wiener mumok

Den Abschluss im mumok-Reigen bildet am 12. August Antony Rizzi mit seiner Abramovic-Hommage “The Artist Is Here”. Der Amerikaner will seinem Idol durch die Interaktion mit dessen Bewegtbildern in der Ausstellung huldigen. Schließlich hatte er die Performanceikone bereits in Robert Wilsons 2011 uraufgeführter Inszenierung “The Life and Death of Marina Abramovic” dargestellt.

(apa/red)

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