ImPulsTanz 2017: Abwechslungsreiches Programm in Wien

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Beim ImPulsTanz-Festival gibt es auch heuer wieder zahlreiche Programmpunkte.
Beim ImPulsTanz-Festival gibt es auch heuer wieder zahlreiche Programmpunkte. - © Bart Grietens
Die 34. Ausgabe des ImPulsTanz-Festivals bringt schon mal Butoh, Ballett oder Walzer zu Minimal Techno, jamaikanischen Dancehall oder Strawinsky auf die Bühne. 63 Produktionen sind von 13. Juli bis zum 13. August in 18 Spielstätten in Wien angesetzt, hinzu kommen Ausstellungen, Symposien, Buch- und Albumpräsentationen sowie fast 260 Workshops und Researchprojekte. Das Programm im Überblick finden Sie hier.

Das ImPuls, das von 13. Juli bis 13. August in verschiedenen Wiener Locations über die Bühne geht, legt heuer einen Fokus auf das belgische Tanzschaffen. Dem belgischen Altmeister Jan Fabre wird ein eigener Schwerpunkt samt Ausstellung gewidmet: Unter dem Titel “Stigmata” (7. Juli bis 27. August) werden im Leopold Museum auf 600 Quadratmetern 40 Jahre Soloperformanceschaffen des Starchoreografen und Künstlers anhand von Objekten, Skizzen, Kostümen, Filmausschnitten und Fotografien nachvollziehbar.

Jan Fabre eröffnet ImPulsTanz-Festival im Leopold Museum

Ebenda eröffnet der 58-Jährige am 13. Juli das Festival mit der einmaligen Soloperformance “I am a Mistake” auf der Suche nach seinem schizophrenen Selbst. Eine kritische Hommage an seine Heimat, den “kunstgeladensten Theaterstaat Europas”, gestaltet er vier Tage später mit der Performance “Belgian Rules / Belgium Rules”, die als Weltpremiere im Volkstheater gezeigt wird. Und schließlich hält Fabre eine zehntägige Meisterklasse im Max Reinhardt Seminar mit Abschlusspräsentation am 3. August.

Der ImPulsTanz strahlt auch heuer auf alternative Spielstätten wie Museen, Kinos und gar Mistplätze aus. Die Weltstars des zeitgenössischen Tanzes aber geben sich wie gewohnt auf den traditionellen Bühnen die Ehre. Im Volkstheater etwa führt Wim Vandekeybus mit der Ensemblearbeit “Mockumentary of a Contemporary Saviour” in eine postapokalyptische Zukunft, und will Anne Teresa de Keersmaeker ihrem Publikum nicht weniger als Glück bringen: “A Love Supreme”, eine Improvisation von Jazz und Tanz, wurde bereits 2005 kreiert, gemeinsam mit Salva Sanchis nun aber zu einer abendfüllenden Version verdichtet.

Ein Wiedersehen gibt es ebenda mit Dada Masilo, die nach 2014 (“Schwanensee”) erneut mit der gewagten Neuinterpretation eines romantischen Balletts in Verbindung mit afrikanischem Tanz gastiert: “Giselle”. Dem Jungstar der zeitgenössischen Tanzszene Afrikas wird die Grande Dame Germaine Acogny gegenübergestellt: Mit “Somewhere at the Beginning” tanzt die 73-Jährige im Akademietheater ein bildgewaltig inszeniertes Solo vor dem Hintergrund ihrer Biografie im postkolonialem Afrika.

Ebenda wird der Reigen an großen Theaterabenden am 14. Juli vom Belgier Michael Laub, Pionier des postdramatischen Theaters, eröffnet: In “Fassbinder, Faust and the Animists” trifft Goethes “Faust” auf Fassbinders “Warnung vor einer heiligen Nutte”; der Film aus dem Jahr 1971 wird begleitend beim Open-Air-“Kino wie noch nie” gezeigt. In weiterer Folge gibt sich u.a. Raimund Hoghe, ehemaliger Chefdramaturg von Pina Bausch, mit einer Abhandlung des Walzers (“La Valse”) die Ehre.

Auch österreichischen Performern – so das Anliegen von Festivalleiter Karl Regensburger – wird verstärkt der große Theaterrahmen überlassen, der ihnen unterm Jahr meist verschlossen bleibt. Im Akademietheater zeigt Ian Kaler mit “LIVFE” seine erste Arbeit für eine Guckkastenbühne, im Volkstheater Simon Mayer seine im Vorjahr erarbeitete Sehbehindertenfassung von “Sons of Sissy”.

Verstärkte Symbiose von Kunst und Tanz auch 2017

Die verstärkte Symbiose von Kunst und Tanz aus dem Vorjahr wird weitergeführt, wobei das Leopold Museum von Jan Fabre dominiert wird; ergänzende Performances liefern u.a. Akemi Takeya und Marten Spangberg. Im mumok bespielt das Festival erstmals das ganze Haus, und beziehen sich eingeladene Künstler – darunter der einstige Tanztage-Kurator Peter Pleyer und der Österreicher Philipp Gehmacher – auf laufende Ausstellungen. In den Hofstallungen lädt Festival-Stammgast Ivo Dimchev an sechs Tagen in eine “Ateliersituation”, im hauseigenen Kino sind Filmscreenings angesetzt, darunter “Union of the North”, eine Gemeinschaftsarbeit von Matthew Barney mit der Iceland Dance Company.

Neu hinzugekommen sind die Akademie der bildenden Künste, die Liz King mit “Out of Life” bespielt, sowie die Secession. An deren Rückseite bringt Doris Uhlich in Zusammenarbeit mit DJ Boris Kopeinig auf dem Baugerüst bei freiem Eintritt wie gewohnt das Fleisch zum Beben. “Seismic Session” heißt das Ereignis, und korrespondiert mit “Seismic Night” im Odeon, wo Uhlichs bisherige Arbeiten mit Michael Turinsky zu einer Neuen verschmelzen.

Erstmalig finden zwei Festivals im Festival

Gleich zwei Festivals im Festival werden erstmals ausgerufen. Im Rahmen des “Summer of Movement” im Museumsquartier geben aktuelle Workshop-Dozenten wie Doris Uhlich und Florentina Holzinger für Interessierte und Spontane pro Tag einen kostenlosen, einstündigen Workshop im Haupthof. Treffpunkt ist von 15. Juli bis 13. August Montag bis Donnerstag um 17 Uhr bzw. Freitag bis Sonntag um 11 Uhr am “quietschgelben Tanzteppich”.

Ebenfalls dem umfassenden Workshop-Programm entsteigt das erste Festival Urbaner Künste Wien: Unter dem Titel “urbanite” stehen von 6. bis 12. August im Arsenal Researchprojekte und Workshops mit Größen wie Nina Kripas und Storm, eine Performance der Hip-Hopper Hungry Sharks, Filmscreenings sowie ein Wettbewerb an, bei dem “alle Altersgruppen und Stile willkommen” sind.

Ausgebaut wurde der Vorjahres-Schwerpunkt “The Humane Body”, der blinden und sehbehinderten Menschen Tanz näherbringen will. Drei eigens entwickelte Stücke mit Audiodeskription und einführender “Touch Tour” – darunter Anne Jurens “Anatomie”, einer Reise durch den eigenen Körper allein durch Vorstellungskraft – stehen neben dem Symposium “Inner Visions”.

Themenschwerpunkte und Programm des ImPulsTanz-Festivals im Überblick

So vielfältig und kleinteilig das Programm ist, so lassen sich bei Studium doch Themenschwerpunkte erkennen. Mehrfach finden sich Würdigungen an Kazuo Ohno, der 2010 im Alter von 103 Jahren verstorben ist: Das Dance Archive Network erinnert mit einer Ausstellung im Odeon an den Butoh-Altmeister, während Takao Kawaguchi (“About Kazuo Ohno”) und Catherine Diverres (“O Sensei & Stance II”), zuletzt 1999 beim Festival, mit von Ohno beeinflussten Performances dessen Erbe am Leben erhalten.

Wie ein roter Faden ziehen sich Arbeiten zu sexueller Autonomie und Genderthematik durchs Programm. Christine Gaigg liefert mit “fickt euch doch ins knie” ein performatives Manifest hierzu im mumok und erinnert mit der Performance-Installation “Clash” im Odeon an das Attentat auf einen LGBT-Club in Orlando vor einem Jahr. Mathilde Monnier und La Ribot geben ihren feministischen Klassiker “Gustavia” im Volkstheater zum Besten und Samira Elagoz thematisiert in ihrer Dokumentar-Performance “Cock, Cock.. Who’s There” samt begleitendem Film Gewalt und Intimität unter Fremden auf Online-Plattformen.

Mit elektrisierender Energie wird auch heuer das Arsenal im Südosten Wiens erfüllt, wenn 190 Dozenten in fast 260 Workshops Menschen jeden Alters und jeder Tanzkenntnis Stile von Voguing über Flexing und Nackttanz beibringen. Getanzt wird auch jeden Abend in der Lounge im Burgtheater Vestibül, heuer unter dem Motto “BOING! BOOM! TSCHAK!”. Zur “danceWEB Party” begrüßt man am 11. August Yasmo & die Klangkantine.

Verleihung des FM4 Fan Awards im Rahmen der Abschlussgala

Ein Fest ist auch stets die Abschlussgala, in der sich Moderator Dirk Stermann mit Florentina Holzinger zusammentut. Verliehen werden der mit 10.000 Euro dotierte Prix Jardin d’Europe sowie der FM4 Fan Award im Rahmen von “[8:tension]”. Wieder auf den ursprünglichen Namen Bezug nehmend, wurden diesmal acht Produktionen geladen, die sich mit dem digitalen Zeitalter beschäftigen, aber auch “Punk und Poetry, Eisbären und Pandas, frivolen Teezeremonien und Caribbean Queerness” darbieten.

>> Alle Infos und das gesamte Programm zum ImPulsTanz-Festival in Wien finden Sie hier

(APA/Red)

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