Illegales Automatenspiel: Cashpoint weist Vorwürfe zurück

Cashpoint weist Vorwürfe über illegales Automatenspiel zurück
Cashpoint weist Vorwürfe über illegales Automatenspiel zurück - © APA (Sujet)
Erneut Vorwürfe zu illegalem Glücksspiel in Wien hat der Sportwettenanbieter Cashpoint, der zum deutschen Gauselmann-Konzern gehört, am Donnerstag, den 7. Mai,  zurückgewiesen. “Unsere Angebote sind ausnahmslos rechtskonform”, so Michael Wondra, Chef der Cashpoint Agentur und IT-Service GmbH in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Cashpoint war 2013 finanziell am Strudeln, jetzt seien die Probleme ausgeräumt.

Das Online-Magazin “Dossier” hatte am Mittwoch berichtet, dass die Sportwettenkette in Wien das Automatenverbot umgehe, indem in sie in den Salons PCs aufstelle, mittels denen die Kunden auf das Online-Glücksspielangebot von Cashpoint zugreifen könnten. Eine “Membercard” ermögliche das Ein- und Auszahlen von Einsätzen und Gewinnen direkt in den Wettbüros. Die Finanzpolizei erachtet die Vorgehensweise als illegal.

Cashpoint wist Vorfürfe über illegales Automatenspiel zurück

Wondra wies die Vorwürfe heute “aufs Schärfste” zurück. Außerdem erklärte er, dass die beiden Gesellschaften hinter der Marke Cashpoint – sie sitzen beide in Gerasdorf in NÖ – gesellschaftsrechtlich nicht zusammenhängen. Einst war Cashpoint aber freilich ein Unternehmen.

Keine eigenen Wettsalons

Die Cashpoint Agentur und IT-Service GmbH veranstalte Sportwetten und entwickle Franchisemodelle für die Sportwettenvermittlung, so Wondra. Eigene Wettsalons betreibe die GmbH nicht. “Der operative Betrieb der Wettshops ist allein Sache der Franchisenehmer, zu denen grundsätzlich keinerlei gesellschaftsrechtliche Verbindungen bestehen”, so der Manager. Auch mit der Cashpoint Entertainment AG habe man “trotz der Ähnlichkeiten in der Firmierung” keinerlei gesellschaftsrechtliche Verbindung. “Dem Unternehmen stellen wir im Rahmen unseres Franchisekonzepts lediglich Dienstleistungen rund um die Vermittlung der Sportwette zur Verfügung.”

“Automatenkönig” Paul Gauselmann

Die GmbH ist seit 1996 auf dem Sportwettenmarkt tätig und wurde 2005 vom deutschen Gauselmann-Konzern geschluckt. “Automatenkönig” Paul Gauselmann ist mit seinen “Merkur”-Spielhallen einer der großen Player am deutschen Automatenmarkt und will nun in Wien gemeinsam mit der Schweizer Stadtcasino Baden AG ein Casino bauen. Die entsprechende Spielbanklizenz ist aber noch nicht rechtskräftig, weil die bisherige Monopolistin Casinos Austria Rechtsmittel eingelegt hat. In Österreich sponsert Cashpoint zudem den Fußball-Bundesligaverein SCR Altach.

Negatives Eigenkapital in Höhe von 8,3 Mio. Euro

Die Cashpoint Agentur & IT-Service GmbH wiederum hatte 2013 finanzielle Probleme. Bei einem Umsatz von 14,1 Mio. Euro machte das Unternehmen einen Verlust von 11,9 Mio. Euro, außerdem wies die Gesellschaft damals zum Jahresende ein negatives Eigenkapital in Höhe von 8,3 Mio. Euro aus. “Eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes besteht nach Ansicht der Geschäftsführung nicht, da aufgrund der Mehrjahresplanung 2014 bis 2017 eine positive Fortbestehensprognose für Cashpoint Agentur & IT-Service GmbH besteht”, so die offizielle Stellungnahme im Firmenbuch.

Geldspritze einfordern

Ende Jänner 2014 hat die Konzernmutter Gauselmann eine Patronatserklärung für die österreichische Tochter abgegeben: Demnach kann Cashpoint bei drohendem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit eine Geldspritze aus Deutschland fordern. Gauselmann ist bis Ende Jänner 2017 an die Erklärung gebunden, es sei denn, “dass vor dem 31.1.2017 die buchmäßige Überschuldung der Cashpoint Agentur & IT-Service GmbH bei gleichzeitigem Nichtbestehen eines sonstigen Insolvenzgrundes wegfällt.”

“Eine insolvenzrechtliche Überschuldung der Gesellschaft besteht nicht”

Cashpoint hat damals auch einen Liquiditätsplan für drei Jahre erstellt. Die Geschäftsführung ging davon aus, dass sich die finanzielle Lage durch “operative Maßnahmen” bei der Tochtergesellschaft auf Malta 2014, 2015 und 2016 verbessert, man rechnete mit Wachstum am deutschen sowie am dänischen Markt. “Unter Berücksichtigung der vorhergehend dargestellten Maßnahmen kommt die Geschäftsführung der Gesellschaft zur Überzeugung, dass ein Fortbestand von Cashpoint Agentur & IT-Service GmbH mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben ist und eine insolvenzrechtliche Überschuldung der Gesellschaft nicht besteht”, heißt es im Firmenbuch zur letzten verfügbaren Bilanz von 2013.

Sportwetten sind in Österreich nicht als Glücksspiel deklariert

Angesprochen auf finanzielle Probleme der Gesellschaft meinte ein Sprecher zur APA, diese seien 2014 “ausgeräumt” worden. Die Finanzierung von Cashpoint sei immer durch die Gauselmann-Gruppe sichergestellt gewesen, die Überschuldung habe lediglich mit der Beteiligungsstruktur der Gauselmann-Gruppe bzw. einer Firmenumschichtung zu tun gehabt. In Österreich gibt es insgesamt 55 Cashpoint-Sportwettenlokale. Sportwetten sind in Österreich, im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Ländern, nicht als Glücksspiel deklariert.

(APA/Red.)

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