Ikaria: Eine Wiener Yogalehrerin zeigt uns die griechische Blue Zone

Von Daniela Herger
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Am Faros Beach in Ikaria
Am Faros Beach in Ikaria - © VIENNA.at
Griechenland ist die mit Abstand beliebteste Sommerurlaubsdestination der Österreicherinnen und Österreicher. Eine der unbekanntesten griechischen Inseln abseits des Massentourismus ist definitiv eine Reise wert: Ikaria, herausragend für seine besondere Atmosphäre und Lebensqualität. VIENNA.at stellt die Insel vor.

Die Ägäisinsel Ikaria hat gerade einmal rund 8,500 Einwohner – die jedoch vielfach so alt werden wie an kaum einem anderen Platz auf der Welt. Deshalb gilt die wenig bekannte Insel im nordöstlichen Griechenland als sogenannte “Blue Zone”, einer von nur fünf Orten weltweit, an denen der Anteil der über 90-jährigen Menschen zehnmal so hoch ist wie im europäischen Durchschnitt.

Ikaria: Wo Urigkeit auf Wurschtigkeit trifft

Die am besten ab Athen via Fähre oder Kleinflieger der Aegean Airlines erreichbare Insel, deren Name auf den Mythos des Ikarus zurückgeht, überzeugt uns beim Eintreffen sofort mit ihrem Flair von entspannter Gemütlichkeit. Seine vielleicht sonstigen Gewohnheiten, es eilig zu haben oder alles kontrollieren zu wollen, legt man auf Ikaria ganz schnell ab. Spätestens nach ersten Kontakten mit den Einheimischen, die sich durch gelassene Freundlichkeit auszeichnen. Stress scheint hier ein Fremdwort zu sein. “Urigkeit trifft auf Ikaria praktisch auf Wurschtigkeit”, erklärt uns Yogalehrerin Uschi Truls aus Wien, die hier zum wiederholten Male nicht nur mehrere Wochen Urlaub macht, sondern auch Hormon Yoga nach Dinah Rodrigues unterrichtet. Auf der Steinterrasse ihres gemieteten Hauses. Am Strand. Mit Blick aufs Meer.

Auf Ikaria als Urlaubsdestination ist die Wienerin zufällig gekommen, weil die Mutter eines Freundes ihres Sohnes von hier stammt und ihr immer vorgeschwärmt hat, wie schön und besonders die Insel ist. Wie natürlich und ungezwungen es sich hier lebt. Uschi war bei ihrem ersten Besuch noch gar nicht so begeistert, musste erst lernen, sich auf den besonderen Zauber Ikarias einzulassen. “Aber dann lernt man: Auf Ikaria ist alles so angenehm egal”, schwärmt Uschi. Das ist auch unsere Erfahrung, schon als wir einige Stunden auf der Insel verbracht haben. Nicht zuletzt durch die Yoga- und Meditationseinheiten mit Uschi direkt am Meer, wonach sich alle Sorgen schlagartig ganz weit weg anfühlen.

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Yoga am Strand, Meditieren am Meer

Man kommt zu sich, alles scheint plötzlich möglich. Der Stress, den man zuhause hat, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Nach wenigen Tagen stehe ich morgens auf und bin motiviert, noch vor dem Frühstück zum Strand zu gehen und im Bikini Yoga zu machen. Danach sitze ich meditierend mit Blick aufs Meer und alles ist einfach nur in bester Ordnung. Als die Sonne richtig losscheint, gehe ich direkt ins Meer schwimmen. Das Wort, das unseren Urlaub über wohl am häufigsten geäußert wird, ist “herrlich”. Mit blitzenden Augen und breitem Lächeln kommt Uschi einmal zu uns, als wir mit einem Drink in der Hand am Strand sitzend aufs Meer hinausschauen, auf dem die Sonne glitzert. “Schirch ist es da, gell? Furchtbar!” lacht sie.

Die Ursprünglichkeit der Insel, die sich in der Landschaft ebenso wie im Wesen der Menschen auswirkt, hat auch so manches besondere Erlebnis zu bieten, das wir bei unserem Ikaria-Urlaub nicht auslassen. Etwa die uralten, natürlich entstandenen Thermalquellen im Süden von Ikaria, in Therma, wo man ins Meer steigt, um sich in einer Art natürlichem Whirlpool, gespeist mit heißem Heilwasser, niederzulassen. Anschließend kosten wir uns in einer Hafentaverne durch die Köstlichkeiten der Insel, von Meeresfrüchten wie Calamari und kleinen gegrillten Sardellen über Käsespezialitäten wie Saganaki, bis hin zu Fava (einer Art Erbsenpüree) und Horta (grünem Gras/Algen). Conclusio: Wir sind wenig verwundert, dass das hervorragende Essen auf der Insel einer der Gründe dafür sein soll, warum man hier so besonders lange und gut lebt.

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Der schönste Sonnenuntergang von Ikaria – und ein Besuch der Panigiri

Ein anderes Mal machen wir einen Tagesausflug in einem alten Alfa Romeo, der zwar schon bessere Tage gesehen hat, uns jedoch zuverlässig quer über die Insel bringt. Etwa zum herrlichen Sandstrand Mesakti Beach zum ultimativen Wellenspring-Erlebnis. Als die Sonne ins Meer sinkt, erleben wir diesen besonderen Moment in einer Taverne über Nas (offiziell: Kato Raches), einem Küstenort im Norden Ikarias – mit beeindruckendem Ausblick auf die “Hippie-Bucht”, wo unkomplizierte Urlauber campieren, und ein Tempel der Artemis steht. Der hier zu beobachtende Sonnenuntergang gilt als der schönste der ganzen Insel. Die Zeit scheint stillzustehen.

Danach geht es weiter in das ursprüngliche Bergdorf Christos auf etwa 500 Metern Seehöhe. Hier geht das Leben nachts erst so richtig los, einige Geschäfte öffnen erst um Mitternacht. Zu diesem Zeitpunkt sind wir jedoch schon wieder weitergezogen, um einem ganz besonderen Spektakel beizuwohnen: einem der typisch griechischen Panigiri. Dabei handelt es sich um ein Dorffest, bei dem Jung und Alt zusammenkommen, um die ganze Nacht über gemeinsam zu tanzen und zu schmausen. Diese werden den ganzen Sommer über auf Ikaria gefeiert, jedes Dorf hat sein Fest, das als absoluter Höhepunkt des Sommers zelebriert wird. Rasch verstehen wir den besonderen Reiz der Panigiri: Die Atmosphäre ist ausgelassen, fröhlich, man achtet aufeinander, jeder ist willkommen und steigt in den Tanz mit ein, ob Einheimische oder Urlauber. Gelächter und Gesang schallen weithin durch die griechische Sommernacht.

Was man lernt, wenn gar nichts mehr geht

Nach einigen schönen Stunden des bunten Trubels beim Fest, es ist bereits nach Mitternacht, geht es zurück zum Auto, um die Heimreise anzutreten, zurück zum idyllisch ruhigen Faros Beach. Auf der schmalen Bergstraße staut es sich beim Hinunterfahren, während zeitgleich immer noch ein reger Zustrom an Autos herrscht, deren Insassen zum Fest strömen. Bald geht gar nichts mehr, wir stecken im Stau, es geht nicht vor und nicht zurück, während die einen hin und die anderen weg wollen.

Doch anstatt in Flüche und Hupkonzerte auszubrechen, wie es in Österreich garantiert geschehen würde, bleiben die Autolenker und die gesamte Situation entspannt. Es heißt einfach warten, bis sich alles wieder auflöst. Ikaria lehrt uns einmal mehr Geduld und gibt uns eine Lektion in “Pomali, Pomali”. Eins ist klar: Von der Einstellung der Bewohner Ikarias kann man sich für seinen hektischen Alltag daheim so einiges abschauen. Und die etwas andere griechische Insel, auf der wir so unvergessliche Tage erleben durften, hat uns garantiert nicht zum letzten Mal gesehen.

(DHE)

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