Doping, Betrug und Geschenkannahme – IBU geriet in Defensive

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Besseberg in der Kritik
Besseberg in der Kritik - © APA (EXPA/JFK)
Der Internationale Biathlon-Verband (IBU) ist in den Ermittlungen gegen sich weiter in die Defensive geraten. Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKSTA) gab am Donnerstag bekannt, wegen Dopings, Betrugs und Geschenkannahme gegen die IBU sowie russische Betreuer und Sportler zu ermitteln. Schwere Vorwürfe wurden u.a. gegen Anders Besseberg laut.

Laut einen Bericht der norwegischen Zeitung Verdens Gang (VG) soll der Norweger seit 2011 exakt 65 Dopingfälle von russischen Athleten verschwiegen haben. Betroffen von positiven Proben seien 17 der 22 in der vergangenen Saison angetretenen Russen. Der 72-jährige, seit 26 Jahren amtierende Besseberg trat als Reaktion auf die Causa für die Zeit des Verfahrens von seinem Posten zurück, die 42-jährige deutsche IBU-Generalsekretärin Nicole Resch wurde vom -Exekutivkomitee suspendiert.

Als Schuldeingeständnis will Besseberg seinen Schritt aber nicht verstanden wissen. Er habe nichts zu verbergen. “Ich denke, wir haben uns an die Regeln gehalten”, hatte er am Mittwochabend in einem Gespräch mit dem norwegischen Rundfunk (NRK) gesagt. Für seine interimistische Nachfolge sagte der Russe Viktor Maigurow ab, seines Zeichens erster IBU-Vizepräsident. Das Exekutivkomitee bat daraufhin den österreichischen, für Finanzen zuständigen Vizepräsidenten Klaus Leistner zu übernehmen.

Er werde als jener der IBU-Vizepräsidenten, der geografisch am nächsten zur Salzburger IBU-Zentrale sitzt, beim täglichen Ablauf im Büro und bei der Organisation helfen. Das sagte der interimistische IBU-Generalsekretär Martin Kuchenmeister zur APA – Austria Presse Agentur. Grundsätzlich sei die IBU um Normalisierung bemüht. “Wir müssen jetzt einmal die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten”, meinte Kuchenmeister. “Erst dann sehen wir, ob und welche Schritte wir setzen müssen.”

Die Hausdurchsuchung am IBU-Sitz habe am Dienstag von der Früh bis kurz vor Mitternacht gedauert. Die Ermittler hätten Kopien der Server und Festplatten vorgenommen. Ergebnisse von Blutproben seien nicht darunter gewesen. Diese würden auf einem Server des globalen Anti-Doping Administration & Management System (ADAMS) liegen. Er selbst habe nie Hinweise gehabt, dass etwas nicht stimmen könnte, meinte Kuchenmeister.

Gegenstand der Ermittlungen im Detail seien laut WKSTA die Anwendung verbotener Substanzen bzw. Methoden zum Zweck des Dopings, schwerer Betrug im Zusammenhang mit Doping sowie der Geschenkannahme von Bediensteten. Der Tatzeitraum betreffe vornehmlich die Biathlon-WM im Februar 2017 in Hochfilzen, die Korruptionsvorwürfe reichen aber laut WKSTA bis 2012 zurück. Auch in Deutschland und Norwegen seien Durchsuchungen durchgeführt worden.

Der Schaden bezüglich der Korruptions- bzw. Betrugsvorwürfe – durch Doping erschwindelte Preisgelder – belaufe sich auf umgerechnet 240.000 Euro bzw. 35.000 Euro. Bei den Korruptionsvorwürfen gehe es darum, dass auf von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) herangetragene Dopingverdachtsfälle von der IBU nicht angemessen reagiert worden sei. Außerdem sollen dafür Bestechungsgelder in der Höhe von 300.000 Dollar (rund 242.200 Euro) versprochen bzw. angenommen worden sein.

Die Strafdrohungen für die Vorwürfe betragen für die Dopingvorwürfe eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monate oder eine Geldstrafe bis 360.000 Euro, für die Betrugsvorwürfe bzw. Korruption Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren bzw. sechs Monaten bis fünf Jahre. Nähere Angaben zu beschuldigten Personen oder Organisationen bzw. zu einzelnen weiteren Ermittlungsmaßnahmen könnten laut WKSTA derzeit im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht gemacht werden.

Am Mittwoch hatte “Whistleblower” Grigori Rodtschenkow, ehemaliger Direktor des Moskauer Anti-Doping-Zentrums, angegeben, bei den Ermittlungen gegen die IBU geholfen zu haben. Er sprach gegenüber dem NRK von Korruption, systematischer Sabotage und Manipulation von biologischen Blutproben russischer Sportler. Diese Vorgänge hätten bereits vor Olympia 2014 stattgefunden. Seither habe sich die Situation aber sogar noch verschlimmert.

(APA/ag.)

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