Ibiza Occident

Ibiza Occident
Nach der Stierkampf-Doku “Arena” (2009) und seinem Film “Hafners Paradies” (2007) über einen unbehelligt in Spanien lebenden ehemaligen SS-Offizier hat sich der österreichische Regisseur Günter Schwaiger erneut seiner spanischen Wahlheimat gewidmet: Sein neuestes Projekt “Ibiza Occident” versucht den Blick hinter die Kulissen der kleinen Mittelmeerinsel, erzählt neuneinhalb Geschichten von Musikern, DJs und Clubpromotern im “Hollywood der DJs” und will dabei ein differenziertes Bild der Partymetropole zeichnen. Ab Freitag (13.1.) im Kino.

Seine Weltpremiere feierte die Musik-Doku im vergangenen Herbst beim 35. Montreal World Film Festival, danach war sie auch auf der letztjährigen Viennale zu sehen und nun bietet sie in stürmischen Wintermonaten einen Anflug von Sommer, Sonne und Strand. Wobei Schwaiger in seinen Episoden weniger den Trubel in den Clubs und den Tourismusmeilen in den Mittelpunkt rückt, als vielmehr recht unterschiedliche Protagonisten und deren Sicht der Dinge präsentiert. Sei es ein altes einheimisches Ehepaar, das die auf der Insel vorherrschende elektronische Musikszene als “verrückt” bezeichnet, den alteingesessenen DJ Alfredo oder mit Ricardo Urgell ein Urgestein der Partyszene.

Die Gewichtung bleibt dabei annähernd ausgeglichen, dem lebensfrohe Aussteiger Rico mit Hang zur Straßenmusik wird ebenso viel Platz eingeräumt wie einem Hotelangestellten, der als Ortsansässiger den Wandel der Szene beleuchtet und auch kritisch hinterfragt. Wer luxuriöse Anwesen erwartet, wird nur selten zufriedengestellt. Der Restaurant-Besitzer und ehemalige PR-Manager Manel Aragones lässt lieber bei einer Wanderung mit seinem Sohn ins Hinterland der Insel Lebensweisheiten vom Stapel, während die Gründer der Party-Reihe “Manumission” über Sex auf der Bühne und weitere Tabubrüche sprechen.

Die von Schwaiger im Presseheft zitierte “intensive Mischung von Natur, Spiritualität, Erotik, Ritus, Kunst und Business”, die Ibiza seiner Ansicht nach ausmache, wird in den knapp eineinhalb Stunden durch etliche Szenenwechsel immer wieder angeschnitten, gänzlich vom oberflächlichen Image kann sich aber auch der Film nicht lösen. Zu stark steht allem zum Trotz der Konsumwahn im Vordergrund, während nach Ende der Saison ausgestorbene Straßen und geschlossene Läden das Bild bestimmen.

Am spannendsten ist “Ibiza Occident” immer dann, wenn die Musik selbst in den Vordergrund rückt und etwa der spanische Star-DJ Cristian Varela über die Entstehung seines Sets erzählt – diesmal im zu erwarteten Ambiente einer großräumigen Villa inklusive Köchin. Denn schließlich sind die DJs das Zentrum des Geschehens, machen horrende Eintrittspreise sowie den Aufstieg von Jet-Set-Tourismus erklärbar und bestimmen den Beat einer ganzen Insel. Ein Rhythmus, der auch im Anschluss an die heutige Österreich-Premiere des Films im Wiener Künstlerhauskino hautnah zu erleben ist, wenn Varela im Flex Techno und Balearic-Beat vermischt.

(APA)

This video is not availabe anymoreFind more videos on www.vienna.at/video

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen
Werbung