“Hypochondria” von Tricky Niki in Wien: Ein Abend der unerwarteten Wendungen

Von Daniela Herger
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Tricky Niki hat in "Hypochondria" die Lacher auf seiner Seite
Tricky Niki hat in "Hypochondria" die Lacher auf seiner Seite - © Felicitas Matern
Bauchredner, Zauberkünstler und Comedian in Personalunion – es gibt scheinbar nichts, was der Wiener Entertainer Tricky Niki nicht kann. Der “eingebildete Kranke” unterhält aktuell im Kabarett Simpl mit seinem höchst kurzweiligen neuen Programm – VIENNA.at hat sich “Hypochondria” für Sie angesehen.

“Comedy aus dem Bauch heraus” – das ist das Metier von Nikolas “Niki” Sedlak, besser bekannt als Tricky Niki, der seit Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum mit seinem ungewöhnlichen Unterhaltungsmix regelmäßig für ausverkaufte Vorstellungen sorgt. Das Kabarett Simpl auf der Wiener Wollzeile, in dem der Entertainer sein drittes Solo-Programm “Hypochondria” zum besten gibt, bildete am Sonntagabend diesbezüglich keine Ausnahme – dicht gedrängt harrte das Publikum der unerwarteten Wendungen, die da kommen mochten. Und die zuverlässig kamen.

Aus dem Leben eines Hypochonders

Anekdotenreich berichtet der 41-Jährige in “Hypochondria” aus seinem Leben als Hypochonder – Hand-Desinfiziermittelspender als Bühnen-Utensil inklusive. Die Angst vor Krankheiten, die Tricky Niki angeblich im täglichen Leben erheblich hemmt, ist ein dankbares Thema für Running Gags aller Art – kaum ein Husten und Niesen im Publikum, das unkommentiert bleibt.

Der bekennende Hypochonder, der sich selbst schon in den ersten Minuten des Programmes als “das Paracetamol unter den Entertainern” zu erkennen gibt, entführt die Zuseher ins “Land der Wahnvorstellungen, Zwänge und Lachattacken”, berichtet im Zuge dessen von seinen Gesundenuntersuchungen im Zweiwochentakt, seiner e-card in Platin und seiner Hausärztin, die er so oft aufsucht, dass er sie bereits duzt. Kurzweilig und immer am Puls des nächsten Lachers erzählt Tricky Niki in “Hypochondria” von Erlebnissen in der Wiener U-Bahn alias “Keimkutsche des Schreckens” und öffentlichen WC’s vulgo “Bazillengrotten des Grauens”.

Tricky Niki: Bauchreden, Zaubern, Unterhalten auf höchstem Niveau

Die abwechslungsreiche Show im Kabarett Simpl bietet dem “zauberhaften” Entertainer Raum, in seinen gleich drei Königsdisziplinen zu brillieren, zwischen denen er offenbar mühelos switcht: Bauchreden, Zaubern, Unterhalten. So wird ein Zauberkunststück, zu dem er sich gerne Verstärkung aus dem Publikum holt – hallo, arme erste Reihe! – zur Comedy-Nummer, in der er auch ganz nebenbei sein schauspielerisch-komödiantisches Talent zum besten gibt und auf Zuruf zwischen Zuständen wie “bekifft”, “depressiv” oder auch “nackt” wechselt.

Interaktivität wird während “Hypochondria” generell groß geschrieben. Da werden junge Damen auf die Bühne geholt, denen der Profi-Bauchredner mit Piepsestimme allerlei Amüsantes und viel Anzügliches in den Mund legt – wobei seine schlagfertigen Scherze jedoch niemals wirklich unterhalb der Gürtellinie gehen. Spielkarten müssen von den “Freiwilligen”  gezogen und wiedererkannt, Luftballons zerstochen werden. Langeweile kommt während der nahezu drei Stunden, die der Abend im Simpl dauert, jedenfalls keine auf.

Unerwartete Wendungen am laufenden Band bei “Hypochondria”

Bereitwillig lässt sich der Zauberkünstler bei seinen Tricks sogar mehr als einmal in die Karten schauen, erklärt magische Fachbegriffe wie “palmieren” und den “One Handed Ball Switch”  – nur, um das Publikum  im nächsten Moment wieder mit einem neuen Trick, einer weiteren unerklärlichen Überraschung zu verblüffen. Der wohl meistgeraunte Satz des Abends in das Ohr des Nachbarn lautet: “Wie hat er denn das jetzt gemacht?!”

Apropos: Eine besonders unerwartete Wendung nimmt der Abend, als Tricky Niki einen ständig mit seiner Begleiterin tuschelnden Gast augenzwinkernd auffordert, statt seiner den Platz auf der Bühne einzunehmen, und sich dieser als Hobby-Zauberkünstler entpuppt, der nur zu gerne der Aufforderung nachkommt. Tricky Niki, ganz Profi, lässt den etwas nervösen, aber motivierten Nachwuchs-Magier gutmütig einen gelungenen Trick lang vor seinem Publikum gewähren und sich dennoch nicht die Butter vom Brot nehmen. In der Interaktion mit der Begleiterin des jungen Mannes, die mehr als einmal in Richtung “eindeutig zweideutig” abgleitet, hat das Multitalent dennoch stets die Lacher auf seiner Seite.

Highlights vom nuschelnden Biber bis zum Sensenmann

Und was wäre ein Bauchredner ohne Bauchrednerpuppe? Tricky Niki hat bei “Hypochondria” mehr als einen der ungewöhnlichen Gesellen im Gepäck. Eine Schachtel des originellen Namens “Boxi”, ein nuschelnder Biber namens Justin Bieber, der bereits legendäre Drache Emil, der den Entertainer am laufenden Band mit seiner geringen Körpergröße aufzieht, und schließlich sogar der Tod höchstpersönlich, der aus unerfindlichen Gründen auf Schwitzerdütsch parliert, geben sich auf der Bühne die Klinke in die Hand.

Der Abend endet, als der Sensenmann eine an “Wetten, dass?” angelehnte Saalwette gegen das Publikum gewinnt, woraufhin alle aufstehen müssen, um zu tanzen. Der Schlussapplaus vor der Zugabe wird dadurch wie von selbst zu Standing Ovations für Tricky Niki – ein vielleicht unbeabsichtigter letzter Trick, dessen es ob der durchwegs hoch unterhaltsamen Qualität von “Hypochondria” ausnahmsweise nicht bedurft hätte.

Neugierig auf die Show geworden? Hier die aktuellen Österreich-Termine von Tricky Niki: ” Hypochondria – Alles wird (wieder) gut!” 

(DHE)

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