Hurch zur Viennale 2016: “Schlanker, übersichtlicher, publikumswirksamer”

Festivaldirektor Hurch stellt die Viennale 2016 vor
Festivaldirektor Hurch stellt die Viennale 2016 vor - © APA
Am Donnerstagabend stellte Direktor Hans Hurch das Programm der 54. Viennale im Wiener Metro Kinokulturhaus vor. Das um einen Tag verkürzte Filmfestival, welches vom 20. Oktober bis zum 2. November stattfinden wird, ist nun eine “ein wenig kleine Viennale”, die damit “schlanker, und damit, wie ich hoffe, übersichtlicher und publikumswirksamer” sein soll.

Angesichts der Kritik seitens des Publikums, von der schieren Anzahl an Filmen “erschlagen” zu werden, habe man nun reagiert und die Kürzung vorgenommen, so der Festivaldirektor.

Strafferes Programm bei der 54. Viennale

So wurde etwa die 11.00-Uhr-Schiene im Gartenbaukino gestrichen und das “Herzstück” von Österreichs größtem Filmfestival, das reguläre Programm, auf 200 Filme gestrafft. Mit elf Langspielfilmen weniger als im Vorjahr ist das Verhältnis von Spiel- und Dokuwerken nun nahezu gleich: 79 Spielfilme (2015: 90) stehen 69 Dokus (2015: 73) gegenüber; dazu kommen 52 Kurzfilme (2015: 50) sowie rund 140 Arbeiten in Spezialprogrammen.

Retrospektive im Filmmuseum zu “Thema und Variation im Film”

Letztere sind u.a. den verstorbenen Filmemachern Peter Hutton und Jacques Rivette, dem analogen Kino sowie kubanischen Wochenschauen der 60er-Jahre, sogenannten “Noticieros”, gewidmet. Das Filmarchiv Austria lädt zur Wiederentdeckung des Filmemigranten Robert Land, das Filmmuseum verschreibt sich in seiner Retrospektive heuer “Thema und Variation im Film”. Und einen “Bubentraum” erfüllt sich Hurch mit einem filmischen Special zur 60er-Jahre-Band The Kinks, “meiner Lieblingsgruppe ever”. Neben dem Musikfilmregisseur Julien Temple könnte auch Band-Gitarrist Dave Davies kommen, während Ray Davies, kreativer Mastermind der Band, spontan entscheiden wolle. “Mein Traum wäre, die beiden Brüder in Wien miteinander zu versöhnen”, schmunzelte Hurch, “dann habe ich mein Lebenswerk erfüllt.”

Christopher Walken kommt nicht, dafür eine Vielzahl an namhaften Filmemachern

Unerfüllt bleibt der Wunsch, den US-Charakterdarsteller Christopher Walken anlässlich der ihm gewidmeten Personale “Dancer in the Dark” nach Wien zu holen, wobei es lange Zeit “sehr gut ausgesehen hat”, meinte Hurch. Die Absage erfolgte schließlich, weil der 73-Jährige am Montag mit den Dreharbeiten zur Familienkomödie “The War With Grandpa” mit Robert De Niro beginnt – “das kann ich Ihnen traurig gestimmt, wie wir sind, verraten”. Dafür haben sich namhafte Filmemacher wie Olivier Assayas, Luc Dardenne, Abel Ferrara, Terence Davies, Su Friedrich und Kenneth Lonergan angekündigt. Letzterer eröffnet das Festival mit seinem Drama “Manchester by the Sea”, das – ebenso wie der Abschlussfilm “La La Land” von Damien Chazelle mit Ryan Gosling und Emma Stone – bereits jetzt als Oscar-Anwärter gehandelt wird und für Hurch “einer der schönsten und ungewöhnlichsten Filme des Jahres” ist.

Galaabende unter anderem mit John Carpenter und “They Live”

Auftakt und Abschluss werden traditionell als Galaabende ausgerichtet. Der rote Teppich wird auch Horror-Altmeister John Carpenter ausgerollt, der am letzten Festivaltag dem Publikum zu seinem Genre-Klassiker “They Live” (1988) im Stadtkino im Künstlerhaus Frage und Antwort steht und am Folgetag seine Filmsounds in der Stadthalle F präsentiert. Zu einer zwischen Lesung und Konzert angesiedelten Performance lädt indes Wien-Fan Patti Smith (1.11.), die zudem im Metro Kinokulturhaus eine Auswahl ihrer fotografischen Arbeiten zeigen wird. Einige der Fotos seien in Wien entstanden, betonte Hurch, “jedes hat eine ganz eigene Geschichte und besondere Anmutung”.

Wien im Zeichen des Filmfestivals

Auch sonst ist die Viennale um die Erweiterung des Festivals über seine Filmprogramme hinaus bemüht: Ab kommenden Dienstag (18. Oktober) wird das Wiener Stadtbild temporär um ein ikonisches Filmstill aus der Stummfilmära erweitert, wenn auf der Außenwand des Hotels Intercontinental ein Abbild Harold Lloyds am Zeiger einer riesigen Uhr prangt. Hinter der künstlerischen Intervention nach dem Film “Safety Last!” aus dem Jahr 1923 steht die Wiener Künstlergruppe Steinbrener/Dempf & Huber.

Hurch: “Schöne Mischung von größeren und kleinen Filmen”

Bei der Auswahl aktueller Filme setzt Hurch abermals auf die bewährte “schöne Mischung von größeren und kleinen Filmen”, darunter bei internationalen Festivals ausgezeichnete Werke und Neuentdeckungen. Im Gartenbaukino-Hauptabend sind etwa neue Filme von Paul Verhoeven (“Elle”), Kelly Reichardt (“Certain Women”), Denis Villeneuve (“Arrival”) und Jim Jarmusch (“Paterson” und “Gimme Danger”) programmiert. Stolz ist man darauf, insgesamt 1.000 Filmminuten des aktuell wichtigsten philippinischen Regisseurs Lav Diaz zu zeigen – darunter sein heuer mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnetes Drama “The Woman Who Left”.

Der österreichische Film im Programm

Der österreichische Film ist mit 20 Arbeiten im regulären Programm vertreten, darunter sind Valentin Hitz’ Sci-Fi-Dystopie “Stille Reserven” und Händl Klaus’ Liebesdrama “Kater”. Und im Doku-Bereich trifft man u.a. auf den US-Skandalpolitiker Anthony Weiner (“Weiner”), den österreichischen Schriftsteller Peter Handke (“Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…”) und auf “Gotteskrieger” in Syrien (“Dugma – The Button”).

Festivalkarten werden teurer

Wer vor dem Ticketvorverkaufsstart am Samstag noch ein wenig verloren ist, dem hilft der Direktor heuer höchstpersönlich: Am Donnerstag lädt Hurch Neugierige und Unentschlossene unter dem Titel “Anleitung zum Glücklichsein” zum “Programmbastelabend” mit Empfehlungen ins Gartenbaukino. Der Eintritt ist frei – abseits davon wird das Festival aber teurer: Im Vergleich zum Vorjahr hat man die Ticketpreise um 50 Cent auf 9,50 Euro (bzw. 9 Euro mit Ermäßigung) erhöht. Der Kartenverkauf macht einen beträchtlichen Teil des Viennale-Budgets aus, das in diesem Jahr um 100.000 Euro geringer ausfällt als im Vorjahr, was sich aber nicht auf “Qualität und Publikumsfreundlichkeit” des Festivals auswirken werde, betonte Hurch.

Viennale-Logo-2016

54. Viennale Filmfestival
20. Oktober bis 2. November 2016
Ticketvorverkauf ab 15. Oktober
Programm auf www.viennale.at

>> Alle Informationen zur Viennale 2016

 

Viennale-2016-Sujet

(APA/Red.)

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