Hrdlicka im Dommuseum

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Hrdlicka im Dommuseum
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“Erstaunt über die Hitze der Gefechte” zeigte sich der Direktor des Wiener Dommuseums nach “massiven verbalen Anfeindungen” gegen die Ausstellung “Religion, Fleisch und Macht – das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka”, vonseiten verschiedener Medien.

“In Österreich bedarf es keiner besonderen Begründung, dass ein kirchliches Museum dem bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart eine Ausstellung widmet”, so Böhler im Gespräch mit der APA. Schon am Gründonnerstag habe man allerdings Hrdlickas Version des “letzten Abendmahls” abgehängt – “aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle mancher Christen.”

“Die Proteste kamen in erster Linie von fundamentalistisch christlichen Kreisen aus den USA und sind schließlich nach Deutschland übergeschwappt”, erzählte Böhler, “also von Menschen, die weder eine Kenntnis von der Ernsthaftigkeit des Schaffens von Alfred Hrdlicka haben noch die Ausstellung gesehen haben.” Dort wo Hrdlicka anerkannt sei, habe es auch für die Ausstellung fast ausschließlich Lob gegeben. “Es gibt in Österreich einen langen Dialog zwischen Kunst und Kirche, der vor allem unter Otto Mauer geführt wurde”, so Böhler, der diesen Dialog mit der Ausstellung auch “wieder anregen” wollte. Ausschlaggebend für einen kirchlichen Auftrag an die Kunst sei die Qualität, nicht die Frömmigkeit der künstlerischen Arbeiten. “Wir stellen immer wieder bekannte österreichische Künstler aus, die dem Religiösen einen Stellenwert eingeräumt haben, letztes Jahr war das Ernst Fuchs, nun Hrdlicka, nächstes Jahr wird es Arik Brauer sein.”

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn – der die Anweisung gab, die Radierung “Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini”, abzuhängen – habe im Vorfeld “begrüßt, dass es eine Ausstellung zu Hrdlicka gibt, wie er ihn auch als Künstler schätzt, der immer die menschliche Figur und das Leiden Christi ins Zentrum stellt”. Die einzelnen Exponate der Schau habe der Kardinal allerdings nicht gekannt. Nun habe sich Schönborn von “der Darstellungsweise des ‘letzten Abendmahls'” distanziert, die das letzte gemeinsame Essen der Apostel als sexuelle Orgie zeigt. “Es gab ja keine Frauen”, erläuterte Hrdlicka bei der Presseführung im März. “Schon Leonardo war der Meinung, dass die Apostelrunde von Homoerotik zusammengehalten wurde.”

Die verschiedenen, teils ablehnenden, meist aber “tief beeindruckten” Meinungen der Museumsbesucher spiegeln sich laut Böhler im Gästebuch in großer “Pluralität” wieder. Die “Hetze”, die auf diversen Websites geführt werde, habe damit allerdings wenig zu tun und erlaube “keine seriöse Diskussion, sondern versucht den Dialog abzuwürgen.”

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