Der Wissenschafter und deklarierte Marxist integrierte Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, politische Geschichte und Kulturgeschichte zu komplexen Überblickswerken. Nach Angaben seiner Tochter Julia starb Eric Hobsbawm an einer Lungenentzündung. “Es ist ein großer Verlust nicht nur für seine Witwe Marlene, die 50 Jahre lang mit ihm verheiratet war, und seine drei Kinder, sieben Enkel und Urenkel, sondern auch für Tausende Leser und Studenten auf der ganzen Welt”, hieß es in einem von der Familie veröffentlichten Statement.
Zu Hobsbawms Standardwerken zählen “Europäische Revolution 1789 – 1848″ (1962), “Die Blütezeit des Kapitals 1848 – 1875″ (1977), “Das imperiale Zeitalter 1875-1914″ (1989), “Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts” (1995) und “Das Gesicht des 21. Jahrhunderts” (2000).
Hobsbawm wurde am 9. Juni 1917 in Alexandria, Ägypten, geboren. Seine Schulzeit verbrachte er im Wien der Zwischenkriegszeit. 1931 ging er nach Berlin, 1933 musste er vor den Nazis fliehen und lebte seither in London. Von 1971 bis zur Emeritierung 1982 hatte er eine Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der University of London inne. 1984 erhielt er einen Lehrstuhl an der New School of Social Research in New York.
In Wien wurde er 2008 mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien und der Ehrendoktor-Würde der Universität Wien geehrt. Bundespräsident Fischer würdigte Hobsbawm als “weltweit bekannten Historiker und einen ganz besonderen Zeithistoriker”, der “enge Beziehungen zu Österreich hatte”. “Er verbrachte seine Schulzeit in Wien, emigrierte 1933 nach London, machte dort eine eindrucksvolle wissenschaftliche Karriere, hielt aber den Kontakt zu Wien aufrecht, das er immer wieder besuchte.” Fischer weiter: “Eric Hobsbawm hat einen festen Platz unter den Spitzenvertretern der Geschichtswissenschaften.”