Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen – Trailer und Kritik zum Film

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Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen – Trailer und Kritik zum Film
97 Jahre war Katherine Johnson alt, als US-Präsident Barack Obama ihr für Pionierleistungen in der Raumfahrt die Freiheitsmedaille umhängte. Noch weitreichender dürfte die Ehrung sein, die ihr mit 98 widerfährt: “Hidden Figures” setzt der afroamerikanischen Mathematikerin und zwei Kolleginnen ein filmisches Denkmal – und hat Chancen auf drei Oscars, darunter als bester Film.

Anfang der 60er-Jahre herrscht im Langley Research Center der US-Raumfahrtbehörde NASA zunehmende Nervosität. Die Sowjetunion droht nach dem ersten bemannten Raumflug den Wettlauf ins All für sich zu entscheiden. Und die USA will ihr bei der ersten Erdumrundung zuvorkommen. Unter den zahlreichen Ingenieuren und Mathematikern, die fieberhaft an der Umsetzung arbeiten, sind drei talentierte Afroamerikanerinnen: Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monae).

Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen – Die Handlung

Als “menschliche Computer” arbeiten sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen in einem Kellerbüro im für Schwarze vorgesehenen westlichen Teil des Campus – und müssen Geschlechter- und Rassengrenzen überwinden, um sich da herauszukämpfen. Den Anfang macht Katherine: Als Zahlen-Genie wird sie in die Taskforce von Al Harrison (Kevin Costner) berufen, um Start und Landung jenes Raumschiffs zu berechnen, mit dem John Glenn als erster Amerikaner die Erde umkreisen wird. Weil es für die erste Schwarze überhaupt am Ostcampus keine eigene Toilette gibt, rennt sie Tag für Tag – ihre Unterlagen unterm Arm – quer über das weitläufige Gelände zur “schwarzen” Frauentoilette, nur um sich zu erleichtern.

Verwoben wird ihr hürdenreicher Weg mit dem ihrer Kolleginnen. Zwei Jahre vor endgültiger Abschaffung der Segregation muss Mary vor Gericht ziehen, damit sie an einer “weißen” Universität jene Abendkurse besuchen kann, die sie zur Aufnahme ins Ingenieurteam der NASA berechtigen. Und Dorothy stiehlt ein Programmierbuch aus einer “weißen” Bibliothek, um den brandneuen IBM-Computer, an dem sämtliche männliche Mitarbeiter verzweifeln, zum Laufen zu bringen, ihre jüngeren Kolleginnen einzuschulen und so ihnen allen den Job zu sichern. Der Kampf hat sich für die drei Frauen – und die NASA – gelohnt: Katherine Johnson berechnete erfolgreich die Flugbahnen für die Erdumkreisung sowie später auch für den bemannten Flug zum Mond, Mary Jackson wurde die erste afroamerikanische Ingenieurin der NASA und Dorothy Vaughan die erste schwarze Vorgesetzte der Behörde sowie Programmierexpertin, als Computer noch Neuland waren.

Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen – Die Kritik

Regisseur Theodore Melfi (“St Vincent”) erzählt nach Vorlage eines Buchs von Margot Lee Shetterly recht konventionell, vor allem aber respekt- und humorvoll, bewegend und inspirierend ihre Geschichten und vermittelt die tiefsitzenden, bis heute nicht gänzlich ausgelöschten Ungerechtigkeiten simpel und kraftvoll mittels grundlegender, nachvollziehbarer Dinge. Die stärksten Momente sind jene, die über 50 Jahre später für Kopfschütteln sorgen, etwa: Wie kann man bei einem der bedeutendsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte Gedanken daran verschwenden, wer auf welches Klo geht oder aus welcher Kaffeekanne trinkt?

Die zentrale Rolle von Katherines demütigender Toiletten-Routine kommt nicht von ungefähr, ist doch heute die Frage der Toilettennutzung ein Knackpunkt in der Diskriminierung von Transgender-Personen. So ist die Filmbiografie “Hidden Figures” zwar ganz in ihrer Zeit verhaftet, schwingen der Kalte Krieg, die Bürgerrechtsbewegung, die Faszination mit dem unerforschten All und die neue Technologie in der Handlung mit. Und doch erzählt sie allgemeingültig von Diskriminierung, die sich oft unbewusst manifestiert. Hier sind es Kollegen gleichen Ranges wie Katherines Mitarbeiter Paul (Jim Parsons) oder Dorothys Vorgesetzte Vivian (Kirsten Dunst), die vorgeben, “nichts gegen Menschen wie euch” zu haben, sich den talentierten Frauen aber immer wieder in den Weg stellen.

“Hidden Figures” ist nach “Arrival” und “Rogue One: Star Wars Story” der bereits dritte Film rund um ferne Galaxien in diesem Winter, der starke Frauen – hier verkörpert von einem herausragenden, dynamischen Ensemble – ins Zentrum stellt. Nicht nur, dass er seinen drei Vorbildern endlich die Anerkennung zuteilwerden lässt, die sie verdienen, und hoffentlich Mädchen und Frauen weltweit inspiriert: Sein Budget von 25 Millionen Dollar hat er innerhalb kürzester Zeit in den USA um ein Vielfaches eingespielt und so gezeigt, dass das Publikum durchaus nach mehr Stoffen mit weiblichen Hauptcharakteren lechzt. Nur 32 der 100 erfolgreichsten Filme 2015 hatten eine Darstellerin in zentraler Rolle – lediglich drei davon waren schwarz, rechnet “The Atlantic” vor. Dabei gibt es bestimmt noch viele unerkannte Heldinnen, die es zu würdigen gilt.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen”

(APA)

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