“Herrgott” des Wienerlieds feiert Geburtstag: Karl Hodina wird 80

Mit "Herrgott aus Sta" zum Star der Szene avanciert
Mit "Herrgott aus Sta" zum Star der Szene avanciert - © APA
Viele Gesichter hat Karl Hodina: Maler, Jazzmusiker, Gestalter der Autobahnraststätte Arnwiesen und zuvorderst Doyen des Wienerliedes. Am 7. Juni feiert der gebürtige Ottakringer seinen 80. Geburtstag. Nach einer frühzeitig beendeten Karriere als bildender Künstler komponierte sich Hodina schließlich 1971 mit dem “Herrgott aus Sta” in die Herzen der einschlägigen Musikfreunde.

Dass man dem Multitalent aus Wien 16 einmal wegen seiner Leistungen als Komponist und Musiker huldigen würde, ließen seine ersten Lebensjahrzehnte kaum vermuten. Verantwortlich für diese musikalische Karriere ist letztlich eine schwere Krankheit.

“Herrgott” des Wienerlieds wird 80

Eigentlich absolvierte der 1935 geborene Schneidersohn eine Ausbildung als Chemigraf und Lithograf. Parallel dazu studierte der Autodidakt jene Werke alter Meister, von denen er in seinem Brotberuf Reproduktionen herzustellen hatte. 1962 entstanden so erste Ölbilder im Stile seiner großen Vorbilder. 1967 folgte in der Wiener Galerie 6 in der Bäckerstraße Hodinas erste Einzelausstellung.

“I liassert Kirschen für di wachsen ohne Kern”

Eine schwere Augenerkrankung zwang den aufstrebenden Maler jedoch bereits 1969, den Beruf als Lithograf an den Nagel zu hängen. Seither widmete er sich verstärkt seinem zweiten Standbein, der Musik. Als Heurigenmusiker erblickte er zunächst in Stammersdorf das Licht der Bühne. Zum Star der Szene avancierte Hodina dann schon 1971 mit seinem larmoyanten “Herrgott aus Sta” und später mit dem unprätentiösen Liebeslied “I liassert Kirschen für di wachsen ohne Kern”.

Publikationen über die Wienermusik

Allerdings widmete sich der Akkordeonist auch der Erforschung der verschütteten Volksmusik, nachdem ihm der Mangel an Publikationen über die Wienermusik schmerzhaft bewusst geworden war. Diese historiografische Lücke schloss er 1979 mit seinem Zyklus “O du lieber Augustin”, in dem er Wienerlieder aus drei Jahrhunderten sammelte.

Spielte wie einst Johnny Cash

Musikalisch blickte Hodina allerdings auch über den Wiener Tellerrand hinaus und musizierte mit Jazzgrößen wie Herb Ellis und Barney Kessel oder dem Austrobrasilianer Alegre Correa. Im Gefängnis Stein bei Krems spielte er a la Johnny Cash vor den Insassen. Seine Liebe gehört dabei stets den Wienerliedern, wie Hodina jüngst in einem Interview unterstrich: “Sie erzählen wirklich vom Leben des kleinen Mannes.” Und diese Hingabe reichte er an jüngere Kollegen weiter, darunter Roland Neuwirth.

Wienerlied und Latin Swing

Als Musiker ist Hodina selbst bis heute Stammgast bei Wienerlied-affinen Festivals wie “Wean hean”, “Wien im Rosenstolz”, dem “Schrammel.Klang.Festival” oder dem “Akkordeonfestival”. Zuletzt stand er am 30. Mai beim 32. Wiener Stadtfest auf der Bühne, als Teil des Trios “Wiener Melange”, bei dem zusammen mit Richard Oesterreicher und Tini Kainrath Jazz, Wienerlied und Latin Swing zusammengeführt wird.

“I brauch di zum Red’n”

Zu Hodinas Ehren wird am 10. Juni ein Fest im Liebhartstaler Bockkeller in Ottakring stattfinden, bei dem auch Ausschnitte seiner noch 2015 erscheinenden Filmbiografie gezeigt und seine neue CD “I brauch di zum Red’n” präsentiert werden sollen. Der Jubilar wird, begleitet von Peter Havlicek, ebenfalls auftreten.

Goldenen Verdienstzeichen des Landes

Für seine Verdienste um das Traditionsliedgut der Bundeshauptstadt hat Hodina u.a. die Silberne Ehrenmedaille der Stadt und das Goldenen Verdienstzeichen des Landes erhalten. Auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst findet sich seit 2003 bei ihm im Kasten.

(APA/Red.)

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