Herbstlohnrunde startet im Zeichen guter Konjunkturdaten

Christian Knill verhandelt für die Arbeitgeberseite
Christian Knill verhandelt für die Arbeitgeberseite - © APA
Am 20. September läuten die 186.000 Metaller traditionell die Herbstlohnrunde ein, die dieses Jahr im Zeichen guter Konjunkturdaten steht – und einer Neuerung: Erstmals wird nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden verhandelt, sondern um 22 Uhr ist Schluss und es wird nötigenfalls vertagt. Im Vorjahr war für den ersten Abschluss ein 16-stündiger Schlussmarathon notwendig.

Wie schon in den vergangenen Jahren auch werden die Metaller in fünf verschiedenen Fachverbänden verhandeln, gestartet wird mit dem größten Verband, der Metalltechnischen Industrie mit knapp 130.000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber, angeführt von Fachverbandsobmann Christian Knill, wollten sich am Mittwoch bei der Präsentation der aktuellen Geschäftsentwicklung nicht zu sehr in ihre Verhandlungstaktik blicken lassen, wiederholten aber ihre Forderung der vergangenen Jahren, dass die Sozialpartnerschaft neu angedacht werden müsse.

“Gib du mir was, dann bekommst du was, ist überholt”, so Knill, der in den Kollektivvertragsverhandlungen mehr sieht als nur das Feilschen um eine prozentuellen KV-Erhöhung. “Wir müssen das Momentum nutzen und den Standort absichern”, betonte Knill. Einmal mehr forderte er dass Arbeitszeitregelungen auf Betriebsebene geklärt werden. Außerdem wünscht sich Knill eine bessere Planbarkeit, sprich KV-Abschlüsse, die über die übliche Dauer von einem Jahr hinaus gehen.

Ob es heuer wieder eine Freizeitoption – sprich einen Verzicht auf die KV-Erhöhung und dadurch mehr Freizeit – geben wird, wie das bei der Metalltechnischen Industrie vor zwei Jahren der Fall war (und voriges Jahr nicht), ließ Knill vor Journalisten offen. An die Politik appellierte Knill, endlich eine Lohnnebenkostensenkung umzusetzen – und die KV-Verhandlungen nicht als Showbühne für die bevorstehende Nationalratswahl am 15. Oktober zu missbrauchen.

Während die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie mit dem bewährten Verhandlungsteam unter der Führung von Veit Schmid-Schmidsfelden in die Verhandlungen gehen, gibt es auf Arbeitnehmerseite einen neuen Chefverhandler der Dienstleistungsgewerkschaft GPA. Für sie führt der stv. Bundesgeschäftsführer Karl Dürtscher die Gespräche. Ihm zur Seite steht ProGe-Chefverhandler Rainer Wimmer, der bereits seit mehreren Jahren den Metaller-KV verhandelt und Arbeitnehmersprecher der SPÖ ist.

Die Gewerkschaften gehen mit den folgenden Forderungen in die Verhandlungen: KV-Plus, Umsetzung der Freizeitoption, Verbesserungen bei Schichtzeiten, Dienstreisen und Lehrlingen sowie bei der Altersteilzeit.

Im Vorjahr einigten sich die Arbeitgeber und Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie auf eine durchschnittliche Lohn- und Gehaltserhöhung von 1,68 Prozent. Niedrigverdiener erhielten um bis zu 2 Prozent mehr, für die höchsten Lohnstufen gab es ein Plus von 1,2 Prozent. Basis für das Feilschen ist traditionell die Inflationsrate der vergangenen 12 Monate, diese lag damals bei 0,8 Prozent. Aktuell beträgt sie 1,6 Prozent.

In der Frühjahreslohnrunde, die von der Elektro- und Elektronikindustrie angeführt wird, gab es Abschlüsse zwischen 1,4 und 1,7 Prozent. Damals lag die Teuerungsrate der vergangenen zwölf Monate bei 0,9 Prozent.

Der Kollektivvertrag regelt jenen Lohn und Gehalt, unter dem kein Mitarbeiter beschäftigt werden darf. Seine Entstehung geht auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, unter dem Naziregime wurde er ausgesetzt. In Österreich fallen fast alle Arbeitnehmer unter Kollektivverträge, in Deutschland sind es etwa 50 Prozent.

(APA)

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