Herbert Grönemeyer begeisterte Publikum im Wiener Konzerthaus

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Mit seiner mitreißenden Art begeisterte Herbert Grönemeyer das Publikum im Wiener Konzerthaus.
Mit seiner mitreißenden Art begeisterte Herbert Grönemeyer das Publikum im Wiener Konzerthaus. - © APA/ Herbert Pfarrhofer
Vor gerade einmal zwei zahlenden Gästen spielte Herbert Grönemeyer sein erstes Konzert vor 30 Jahren. In Wien waren die Tickets für seinen Auftritt im Konzerthaus bereits nach 30 Minuten ausverkauft. Mit Liedern, “die wir sonst nicht mehr spielen”, hatte der 56-Jährige das Wiener Publikum am Freitagabend zweieinhalb Stunden lang in seiner Hand. Aufgrund der hohen Lautstärke musste ein parallel stattfindendes Konzert im Mozart-Saal sogar abgebrochen werden. Auch am Samstag tritt Grönemeyer noch einmal im Konzerthaus auf.

Nicht immer war man in Wien von Herbert Grönemeyer begeistert: Bei seinem ersten Wien-Auftritt vor 28 Jahren im Metropol wurde ihm noch mit müden Gesichtern und wenig Begeisterung begegnet, wie der deutsche Schmähführer zwischen Songs erzählte. Nur ein Besucher habe ihm danach attestiert: “Herbert, du bist leiwand!” – und ihm damit “die höchste Adelsbezeichnung gegeben, die man in Österreich bekommen kann”, wie er später aufgeklärt wurde. “Hätte ich das damals missverstanden, wäre unsere Beziehung nicht so eng, wie sie nun mal ist.” Sein Sonderstatus beim österreichischen Publikum war am Freitag förmlich greifbar: Von Anfang bis Ende schienen die Fans in Ekstase, sangen textsicher mit, brachten das Konzerthaus tanzend und hüpfend zum Beben und belohnten ihren Herbert nach jedem einzelnen Lied mit nicht enden wollendem Applaus.

Grönemeyer spielte selten gehörte Songs

Und das kann ob des Verzichts auf übliche Gassenhauer wie “Alkohol”, “Männer” oder “Mensch” durchaus als Leistung bezeichnet werden. Stattdessen kamen selten gehörte Songs zum Einsatz, die eingefleischte Fans zuvor im Internet bestimmen konnten. Die 25 besten Songs schafften es ins Repertoire, das Grönemeyer kurz nach Ende seiner erfolgreichen “Schiffsverkehr”-Tour nun durch vergleichsweise kleine Hallen und Clubs führt. Ganz ohne Aufsehens oder Effekte, dafür mit nostalgischen Stehlampen auf einer dezenten Bühne und einer Band, die ihn bereits seit 30 Jahren begleitet, schwelgte Grönemeyer mit Fans in Erinnerungen und gab mit verschmitztem Grinsen und charmantem Hüftschwung alte Juwelen von “Jetzt oder nie” (“Bochum”-Album, 1984) bis “Tanzen” (“Sprünge”, 1986), “Marie” (“Luxus”, 1990), “Fisch im Netz” (“Chaos”, 1993) oder “Selbstmitleid” (“Bleibt alles anders”, 1998) zum Besten.

Klassik hatte keine Chance im Konzerthaus

Zweieinhalb Stunden und zwei Zugabenblöcke später schüttelte Grönemeyer ob der noch immer tobenden Menge ungläubig den Kopf und zeigte sich sichtlich gerührt, “dass man nach so langer Zeit noch so viel Zuneigung vom Publikum erfahren darf”. Jeder solle es mal erlebt haben, dieses “tolle Gefühl”, vor einer jubelnden Menge auf der Bühne zu stehen. Einem Musiker, der sich nach so langer Zeit noch mit derart viel Freude und Energie für seine Fans verausgabt, ist dieses Gefühl noch weitere 30 Jahre zu wünschen. Weniger erfreuliche Folgen hatten die Grönemeyer-Begeisterungsstürme für das zeitgleich im Konzerthaus stattfindende “Wien Modern”-Konzert des Arditti Quartets: Wegen der starken Schallübertragung aus dem Großen Saal musste man im Mozart-Saal in der Pause abbrechen. “Die Disponierung dieses Abends hat sich als schwerer, bedauerlicher und vermeidbarer Fehler erwiesen, für den wir uns bei den Künstlern und vor allem bei unserem Publikum entschuldigen müssen”, hieß es am Samstag in einer Aussendung des Konzerthauses. Zwar habe man mit Grönemeyers Management gut kooperiert, die Störung konnte dennoch nicht verhindert werden. Für Fremdveranstaltungen werde man künftig strengere Maßstäbe anwenden, so Konzerthauschef Bernhard Kerres. (APA)

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