Hedi Schneider steckt fest – Trailer und Kritik zum Film

Hedi Schneider steckt fest – Trailer und Kritik zum Film
So plötzlich, wie eine Depression ihren genervten Kollegen auf den Fenstersims treibt, so abrupt erwischt es eines Tages Hedi. Als die junge Frau von einer Sekunde auf die andere von Angststörungen erfasst wird, bleibt das davor so geregelte (Familien-)Leben abrupt stehen.

Vom Nicht-weiter-können erzählt Sonja Heiss’ charmante Tragikomödie “Hedi Schneider steckt fest” ab Freitag in unseren Kinos.

Hedi Schneider steckt fest – Die Geschichte

“Mein Name ist Hedi Schneider, und ich stecke fest”: Was die Enddreißigerin da noch mit gefasster Stimme in das Notfall-Mikrofon des Aufzugs sagt, wird sich am nächsten Tag in ungeahntem Ausmaß bewahrheiten. War sie gerade noch gewohnt gut gelaunt im Büro, gerade noch fantasievoll am Spielen mit ihrem kleinen Sohn Finn, wird Hedi plötzlich, während des Sex auf dem Küchenboden mit ihrem Mann Uli, von einer Panikattacke heimgesucht.

Was eine Tablette über Nacht unterdrückt, ist am nächsten Tag immer noch da. Wie gelähmt ist Hedi: Kann nicht mehr raus, kann nicht mehr spielen, nicht mehr arbeiten. Außer sie schluckt die für Notfall bestimmten Pillen: Dann irrt sie durch die Nacht, strapaziert die Geduld Fremder, übergibt sich bei einer Party auf die Schulter eines Bekannten. Ihr Mann denkt sich die kreativsten Do-it-yourself-Therapien aus, ihr Sohn macht sich mit dem Staubsauger daran, die unsichtbaren Monster, die Mama so Angst machen, weg zu saugen. Doch am Ende des Tages liegt es an Hedi, zurück ins Leben zu finden.

Hedi Schneider steckt fest – Die Kritik

Mit Leichtigkeit und doch gehörigem Respekt vor dem Unberechenbaren zeigt die deutsche Regisseurin Sonja Heiss, wie selbst der fröhlichste Mensch aus der Bahn geworfen und die scheinbar stabilste Beziehung zum Wackeln gebracht werden kann. Heiss, die selbst die Erfahrung von Angststörungen gemacht hat, macht sich nicht daran, diese in Worte oder Bilder zu fassen, bleibt stattdessen immer bei ihren strauchelnden Figuren, zeigt, was zwischenmenschlich passiert, wenn einer plötzlich nicht mehr funktionsfähig ist. Im Fall von Uli und Hedi verstärkt die neue Situation die Unzufriedenheit, die schon vorher unter der Oberfläche geschwelt hat: Hedi arbeitet perspektivenlos in einem Reisebüro unter einem wenig einfühlsamen Chef (schöner Gastauftritt: Simon Schwarz), und Sozialarbeiter Uli muss nun den so lange erträumten Trip nach Afrika für eine NGO absagen.

An die Krankheit gehen Hedi und Uli wie an das Leben heran: abwartend. Fast zu lange dauert es, bis sie den Ernst der Lage erkennen und professionelle Hilfe suchen. Langwierig wirkt “Hedi Schneider” jedoch nie, werden doch absurd-witzige bis entzückende Momente eingestreut: Wenn die Kleinfamilie sich im Spontanurlaub in Norwegen in Schlamm wälzt und am Strand auf Urmenschen macht, etwa. Wunderbar gespielt von Laura Tonke als dezent durchgeknallte Hedi und Hans Löw als starke Stütze Uli und behutsam inszeniert von Heiss, ist “Hedi Schneider steckt fest” ein zutiefst menschliches, sehenswertes Porträt von Glücksuchenden. Und eine Erinnerung daran, nichts und niemanden selbstverständlich zu nehmen.

(APA)

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