Haye: WM-Titel mit gebrochener Hand

David Haye: Titelgewinn trotz gebrochener Hand
David Haye: Titelgewinn trotz gebrochener Hand - © EPA
Der neue Schwergewichts-Boxweltmeister David Haye hat sich bei seinem Punktsieg über Titelverteidiger Nikolai Walujew die rechte Hand gebrochen. Wie der Brite am Montag bekanntgab, gefährdet das Malheur aber nicht seine erste Titelverteidigung gegen den Amerikaner John Ruiz.

Der Kampf soll voraussichtlich im März nächsten Jahres in London stattfinden.

Haye hatte den 2,13 Meter großen Russen Walujew am Samstag in Nürnberg nach Punkten besiegt und damit als WBA-Weltmeister entthront. Die Verletzung habe er sich nach eigenem Bekunden schon in den ersten Runden zugezogen. Haye ist einer von drei Schwergewichts- Champions. Die Titel in den anderen wichtigen Weltverbänden halten die ukrainischen Brüder Wladimir (WBO, IBF) und Witali Klitschko (WBC).

Hayes Erfolg über den 2,13 m großen Walujew war für die 9.000 Zuschauer in der Halle, auch wenn sie nicht ausgewiesene Boxexperten waren, unumstritten. Lediglich das Urteil des spanischen Ringrichters, der 114:114 auf seiner Scoring-Karte notiert hatte, sorgte für Kopfschütteln. Die beiden anderen Unparteiischen hatten aber Haye, der damit der erste Schwergewichts-Titelträger aus Großbritannien nach Lennox Lewis ist, mit jeweils 116:112 klar vorne. Der neue Champion, der im Vorfeld mit seinen teilweise geschmacklosen Sprüchen polarisiert hatte, wusste im wichtigsten Fight seiner bisherigen Karriere zu überzeugen.

“Ich rede nicht nur viel, ich lasse auch Taten folgen. Seit ich meiner Kindheit habe ich davon geträumt, einmal Schwergewichtsweltmeister zu sein”, betonte Haye, der den um 22 Zentimeter größeren und rund 45 Kilogramm schwereren Giganten Walujew in der letzten Runde fast zu Fall gebracht hätte. Nach einem linken Haken taumelte der Russe wie noch nie zuvor in seiner Karriere, in der er bisher keinen K.o. hat hinnehmen müssen.

Trotzdem war Walujew nach der zweiten Punkteniederlage im 53. Kampf seiner Profi-Laufbahn natürlich bitter enttäuscht. “Ich werde aber zurückkommen”, versprach der 36-Jährige aus St. Petersburg, der vor zweieinhalb Jahren den WM-Gürtel durch eine Niederlage gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew schon einmal verloren hatte.

Haye bewies dagegen eindrucksvoll, dass er nicht nur über ein flottes Mundwerk verfügt, sondern auch über extrem schnelle Beine und Hände. Walujew wirkte dagegen wie ein tapsiger Bär, dem die Beute immer wieder aus den Pranken glitt. Geriet der 1,91 m große Haye in Bedrängnis, entwischte er leichtfüßig tänzelnd. “Der Schlüssel war das Tempo”, erklärte der Brite.

Dem schwerfälligen Walujew lag die viele Beinarbeit hingegen gar nicht. “Ich habe mich gefühlt wie ein Leichtathlet. Der Kampf war wie ein Marathon”, lamentierte der 143,4 kg schwere Riese, der einfach boxerisch zu limitiert war, um seinen Gegner ernsthaft in Gefahr zu bringen. Unbeschadet kam Haye jedoch nicht davon. Seine rechte Hand bereitete ihm Probleme. Der Grund: “Walujew hat einen sehr harten Kopf. Ich habe noch nie gegen so etwas Hartes geschlagen.”

Haye will nun das Schwergewicht “aufräumen”. Bis zum 31. Mai nächsten Jahres muss er eine Pflichtverteidigung gegen Ruiz, die Nummer eins der WBA-Liste, bestreiten. Haye wäre nicht Haye, hätte er das Verbalduell nicht schon in Nürnberg eröffnet. “Er ist ein guter Kämpfer. Aber ich bin zu schnell für ihn. Ich werde ihn k.o. schlagen”, kündigte der Ex-Cruisergewichts-Champ der Verbände WBA, WBC und WBO an.

Ruiz, in Nürnberg ebenfalls im Einsatz, lauschte den Worten des Londoners und verkündete anschließend: “Haye ist ein Tänzer, ich bin mehr ein Kämpfer.” Danach will sich der “Hayemaker” WBC-Weltmeister Witali sowie IBF- und WBO-Champion Wladimir Klitschko vornehmen, um sich auch noch die Schwergewichtstitel der anderen wichtigen Verbände zu sichern. Haye: “Jeder, der einen WM-Gürtel trägt, ist interessant.”

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