Hasskommentare bringen nun bares – #hasshilft

Hasskommentare bringen nun bares – #hasshilft
© fisch und fleisch
Wer sich in den sozialen Netzwerken aufhält, konnte in den vergangen Monaten beobachten, wie sich immer häufiger Hasspostings gegen Homosexuelle, Flüchtlinge und andere Menschen, ausbreiten.

Lange schien kein Mittel dagegen zu bestehen: Diskussionen brachten wenig, Meldungen des Hasses schlugen fehl, sogar Politiker, wie der deutsche Justizminister Heiko Maas, luden Facebook zum Gespräch, um der menschenfeindlichen Agitation Einhalt zu gebieten.

Seit nunmehr zwei Wochen macht eine neue Kampagne auf sich aufmerksam: Unter dem Label „#hasshilft[1]“ werden Online-Hassbotschaften kenntlich gemacht, mit einem ironischen Spruch unterlegt und in Spenden umgewandelt. Je Kommentar wird für die Flüchtlingshilfe der „Aktion Deutschland Hilft“ und die Aussteigerorganisation für Rechtsextremisten „EXIT Deutschland“ ein Euro gespendet. Das Geld stellen unter anderem Unternehmen wie Sky Deutschland, das Wirtschaftsmagazin brand eins, der Radiosender bigFM oder die österreichische Meinungsplattform Fisch+Fleisch, aber auch private Spender zur Verfügung. „Das Feedback war überwältigend“, sagt der #hasshilft-Koordinator Fabian Wichmann, „so viele Menschen interessierten sich bereits am ersten Tag für unsere Aktion, dass unser Server kurzzeitig überlastet war. Auch das Spendenformular konnte den vielen Aufrufen zuerst nicht standhalten.“

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„Wir machen auf den Hass aufmerksam“

Mehrere hundert Nachrichten erhalten die Administratoren der Kampagne täglich. Inhalt sind häufig Meldungen weiterer Hasskommentare, viel Bestätigung und Lob, aber auch krude Drohungen. „Viele Leute laden sich die Bilder herunter und verfassen selbst Nachrichten, an die Hasser“, erzählt Fabian. „Sie wollen so auch mit ihrer Identität ein Zeichen gegen die subtile und offene Menschenfeindlichkeit setzen.“ Jedoch herrscht bei jenen, die unfreiwillig Spenden freigeben häufig Unverständnis. Verärgerung über die Zuschreibung als rechtsradikal ist die häufigste Rückmeldung, der von #hasshilft kommentierten Beiträge. „Es gibt kein Recht auf Hass. Wenn solche Kommentare veröffentlicht werden, dann müssen die Schreiber auch kritikfähig sein“, verdeutlicht der Kampagnen-Organisator, der auch schon das Vorgängerprojekt „Rechts gegen Rechts[2]“ für den Träger „Zentrum demokratische Kultur[3]“ betreute.

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Hassbotschaften, wie „Ein Baum, ein Strick, ein Niggergenick“ zeigen eine rechtsextremistische Ideologie in unserer Gesellschaft auf, die weit von demokratischer Meinungsfreiheit entfernt ist. Deutlich wird besonders in der eigenen Definition von Hasspostings, dass es den Initiatoren nicht um Zensur geht. „Wir möchten auf die Hasskommentare aufmerksam machen, einen Diskurs anregen, denn diese Meinung findet sich nicht nur online“, gibt Fabian zu verstehen, „sondern sie ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem wir alle umgehen müssen.“ Nach der Meldung bleiben deshalb die Kommentare weiter bestehen und finden sich ebenfalls auf der Webseite der Aktion. Schwerwiegende Fälle können jedoch auch zur Anzeige gebracht werden.

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Der Normalität des Hasses etwas entgegensetzen

Viele einzelne Menschen und Unternehmen engagieren sich mittlerweile finanziell und ideell für #hasshilft, selbst wenn sie nicht von den Hasspostings betroffen sind. Unternehmen, wie Sofortüberweisung, oder der Musiker Konstantin Wecker nehmen die Aktion als Vorbild und sammeln eigene Spenden. #hasshilft stehen bislang mehrere tausend Euro zur Verfügung, von denen aktuell über 1300 Euro freigegeben wurden. Konkrete Erfolge hat Fabian Wichmann auch vorzuweisen: „Postings werden, nachdem wir sie kommentiert haben, vielmals gelöscht. Auch hat sich schon einer der unfreiwilligen Spender gemeldet und öffentlich entschuldigt, da er scheinbar von der Aktion zum Nachdenken angeregt wurde.“ Der breite Zuspruch bezeugt, dass die Kampagne #hasshilft einen Nerv trifft, der seit langem im Schatten des demokratische Diskurses schwelt und Menschen verhetzt. Witzig und ironisch thematisiert, wird eine Debatte angestoßen, die wir alle längst führen sollten.

Text: Steven Hartung ist Redakteur der Meinungsplattform fischundfleisch.com (FuF), die #hasshilft unterstützt. Auf FuF kann jede/r zu Themen freier Wahl verfassen, vienna online ist Kooperationspartner.

fischundfleisch ist eine Meinungsplattform, die Stars, Tipps und Jobs bietet. Vienna Online ist Kooperationspartner und unterstützt damit junge und alte Talente.

(Die Texte werden von Fisch und Fleisch zur Verfügung gestellt)

http://www.hasshilft.de/

https://www.youtube.com/watch?v=ysTqSHoTz0M

http://www.zentrum-demokratische-kultur.de/

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