Hannas schlafende Hunde – Trailer und Kritik zum Film

Hannas schlafende Hunde – Trailer und Kritik zum Film
Die Nationalsozialisten sind mit Ende des Zweiten Weltkriegs zwar besiegt worden. Ihr Gedankengut aber blieb in vielen Köpfen. So auch Ende der 60er-Jahre in Wels, wo Andreas Gruber seinen Film “Hannes schlafende Hunde” ansiedelt.

Nach der Uraufführung bei der Diagonale läuft das hölzerne Drama über ein Mädchen, das seine jüdische Identität entdeckt, am Freitag in den heimischen Kinos an.

Hannas schlafende Hunde – Die Geschichte

Hanna Berger (Nike Seitz) ist neun Jahre alt, als ihr auffällt, dass ihr Umfeld sie irgendwie komisch behandelt. Immer wieder bohrt ihre Religionslehrerin nach, wo denn ihre Oma Ruth (Hannelore Elsner) herkommt, spreche die doch “nicht wie eine Hiesige”. Ein Schulkollege scheucht sie fort, weil man mit den Bergers “besser nichts zu tun hat”. Und dann schimpft der schwer alkoholisierte, pädophile Hauswart sie auch noch “Judengfrast”, als sie in letzter Sekunde seinem Missbrauch entgeht.

“Ja, natürlich bist du Jüdin”, antwortet ihr ihre im Krieg erblindete Oma gerade heraus, als Hanna nachfragt. Und viele Nachbarn würden die Familie noch heute gerne vergasen wollen, ist die resolute Alte überzeugt. Hannas Mutter (Franziska Weisz) hat daher den Weg des Stillschweigens, des Totstellens gewählt, ihre jüdische Identität versteckt und Hanna und ihren größeren Bruder Michael gemeinsam mit ihrem relativ nichts ahnenden Ehemann (Rainer Egger) erzkatholisch erzogen. Als Hanna beginnt, Fragen zu stellen, setzt sich ihre Familie schrittweise mit der eigenen Vergangenheit auseinander – und sucht auch die längst ausständige Konfrontation mit früheren Tätern nebenan. Die schlafenden Hunde der Vergangenheit, sie sind geweckt.

Hannas schlafende Hunde – Die Kritik

Von Verdrängung und Kriegstraumata, Menschen, die in ihrer Opferrolle erstarren, und Antisemiten, in deren Köpfen der Krieg nie aufgehört hat, erzählt Andreas Gruber in seinem Film, den er als “inhaltliche und politische Fortsetzung” seines vor mehr als 20 Jahre entstandenen Films “Hasenjagd” versteht. Darin ging es um die wochenlange “Mühlviertler Hasenjagd” 1945 auf rund 500 russische, aus dem KZ Mauthausen entflohene Häftlinge durch die SS und NS-Gefolgsleute. Schon damals habe es den Wunsch gegeben, zu thematisieren, mit welcher “unverschämten Bruchlosigkeit das weiter gegangen ist”, sagt der 61-Jährige, der selbst in Wels aufgewachsen und mit der Autorin der Romanvorlage von “Hannas schlafende Hunde”, Elisabeth Escher, in die Schule gegangen ist.

Überzeugen kann der Film dann aber trotz vielversprechender Prämisse und guter Intention nicht. “Hannas schlafende Hunde” fehlt es schmerzlich an Zwischentönen und Nuancen, das Spiel vieler Beteiligter ist hölzern und die Dialoge sind oft zu platt. Unentwegt verharrt die Kamera auf verachtenden oder gesenkten Blicken, und soll ständige Klavieruntermalung die nötige Emotionalität erzeugen. Im Fernsehen oder als Aufklärungsfilm in der Schule ist die Produktion denkbar. Im Kino aber fühlen sich diese 124 Minuten schrecklich lähmend an. Einzig Schauspielstar Hannelore Elsner bringt in ihrer Rolle als in ihrem Hass gefestigte Großmutter jene Natürlichkeit und Leinwandpräsenz ein, die dieser Film dringend braucht.

(APA)

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