Handgranatenmörder nun wegen illegalem Treibstoffhandel vor Gericht

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Der Wiener Handgranatenmörder steht erneut vor Gericht
Der Wiener Handgranatenmörder steht erneut vor Gericht - © APA
Im Fall des Handgranatenmörders Kristijan H. beginnt am Dienstag ein neuer Prozess rund um illegale Geschäfte mit importiertem Diesel-Kraftstoff.

Der im Februar 2015 zu 20 Jahren Haft verurteilte 36-Jährige, der 2014 zwei Geschäftspartner in Ottakring mit einem Revolver und einer Granate tötete, soll den Treibstoff ohne Mineralölsteuer-Abfuhr direkt an Tankstellen verkauft haben.

Handgranatenmörder wegen illegalem Dieselhandel vor Gericht

Unstimmigkeiten über die Gewinnaufteilung, bei der sich die später Ermordeten übers Ohr gehauen fühlten, dürften die beiden das Leben gekostet haben. Kristijan H. soll befürchtet haben, sie könnten seine Steuer sparenden Tricksereien auffliegen lassen. Über eine Scheinfirma waren angeblich 1,53 Millionen Liter Diesel an der Finanz vorbei verkauft worden, wobei allein die hinterzogene Mineralölsteuer rund 613.000 Euro ausmachte. Neben drei weiteren Mitangeklagten muss sich auch die ältere Schwester von Kristijan H. als mutmaßliche Mittäterin nun vor einem Schöffensenat verantworten. Sie hatte ihrem Bruder auch beim Doppelmord geholfen und verbüßt dafür eine zwölfjährige Freiheitsstrafe.

Kristijan H. und vier Mitangeklagte inklusive Schwester vor Gericht

Neben drei weiteren Mitangeklagten musste sich nun auch die ältere Schwester von Kristijan H. als mutmaßliche Mittäterin vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Helene Gnida) verantworten. Sie hatte ihrem Bruder auch beim Doppelmord geholfen und verbüßt dafür eine zwölfjährige Freiheitsstrafe. Der 37-Jährige, der eine 20-jährige Haftstrafe absitzen muss, soll u.a. der Drahtzieher des angeklagten Abgabenbetruges sein. Er und ein 33-Jähriger, der schon einmal wegen ähnlicher Finanzvergehen vor Gericht saß, wollten das Modell des illegale Imports von Dieseltreibstoffen “optimieren”, indem man die Steuerlast vermeidet, wie der Staatsanwalt ausführte.

Dazu importierten sie als reguläre Firma Dieseltreibstoff aus Drittstaaten. Da diese Importe genau registriert werden und man dies vor der Finanz nicht verschleiern kann, wurden Scheinfirmen zwischengeschaltet. Diese Strohmänner sollten laut Staatsanwaltschaft eine Zeit lang operativ tätig sein und vertuschen, dass in Wahrheit viel mehr Treibstoff importiert wird, als angemeldet. Ein solcher Strohmann, das spätere Mordopfer Horst Waldemar W., wurde etwa im August 2013 eingesetzt, um offiziell eine Liefermenge über 30.000 Liter anzumelden. In Wahrheit wurden jedoch bis zum September 2013 nicht die vereinbarten 30.000 Liter, sondern weit mehr als 1,5 Millionen Liter Dieselöl importiert. Der Hauptangeklagte, seine Schwester und der 33-Jährige hätten so innerhalb von zwei Monaten einen Gewinn von fast einer Million Euro lukriert, indem sie Mineralölsteuer und Umsatzsteuer hinterzogen hätten, berichtete der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer.

Beim Prozess in Wien

Mit einem weiteren Strohmann, ein türkischer Staatsbürger, der sich mittlerweile in seine Heimat abgesetzt hat, wurden im Oktober bis November 2013 Hinterziehungsbeträge von fast 1,5 Millionen Euro erzielt. Ein 38-jähriger Landsmann, der von dem Türken eine Zeit lang als Prokurist eingesetzt wurde, befand sich am Dienstag ebenfalls auf der Anklagebank. Er soll größere Bargeldbeträge an die Nutznießer des Steuerhinterziehungsmodells verteilt haben, laut Staatsanwaltschaft waren es allein im November und im Dezember 2013 an die 430.000 Euro.

Nachdem der Strohmann Horst Waldemar W. nach seinem vereinbarten Verschwinden jedoch wieder auftauchte und von den Behörden vernommen wurde, drohte das illegale Geschäftsmodell aufzufliegen. Er wurde im Jänner 2014 gemeinsam mit dem Transportunternehmer Zlatko N. in der Odoakergasse in Wien-Ottakring von Kristijan H. mittels Handgranate und Revolverschüssen getötet, seine Schwester und ein Freund halfen ihm dabei. Die drei wurden wegen des Doppelmordes rechtskräftig verurteilt. Kristijan H. bekam als unmittelbarer Täter 20 Jahren Haft. Seine Schwester Renata H. und sein Freund Dejan V. erhielten als Beitragstäter zum Doppelmord zwölf bzw. 18 Jahre.

Abgabenbetrug: Vier Tage Verhandlung

Die Verhandlung wegen Abgabenbetruges ist auf vier Tage anberaumt. Die Angeklagten zeigten sich der Abgabenhinterziehung größtenteils geständig, den Abgabenbetrug stellten sie in Abrede. Am 9. September soll ein Urteil gefällt werden. Der Prozess ist nicht der einzige, der im Zuge des Handgranatenmordes gegen den 37-Jährigen geführt wurde. Erst im April wurde er wegen betrügerischer Krida zu neun Monaten Haft verurteilt.

(APA/Red.)

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