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Häupls Selbstentwürdigung

©APA/GEORG HOCHMUTH
Gastkommentar von Johannes Huber. Der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Chef kann nicht einmal mehr offen sagen, wen er gerne als seinen Nachfolger hätte. Das sagt alles.

Ob man eine Führungsfunktion am besten auf neun, zehn oder elf Jahre beschränkt, ist schwer zu sagen. 23 sind aber zu viel. Wie man bei Michael Häupl sieht, der schon so lange Bürgermeister von Wien ist. Und überhaupt noch etwas länger Vorsitzender der Sozialdemokraten. Den Zeitpunkt für einen würdevollen Abschied hat er damit verpasst. Indem er angekündigt hat, sich in den nächsten Wochen und Monaten zurückzuziehen, ist er einem Sturz durch eine Mehrheit seiner Genossen gerade noch zuvorgekommen; mehr war ihm nicht mehr möglich.

Selber schuld, muss man sagen: Die Jahre, in denen er gestalten wollte, sind kaum noch erinnerlich. Was in der Natur der Sache liegt: Irgendwann wird jeder Job zur Routine. Und damit setzt dann auch eine gewisse Antriebslosigkeit ein. Genau dann aber sollte man sich umorientieren. Doch Häupl ist geblieben. Ein Stück weit erkennt man eine Folge davon auch daran, dass aus seinem Mund immer mehr Zynismus kommt, der zwar unterhaltsam ist, aber eben nicht mehr von der nötigen Entschlossenheit zeugt, überhaupt noch irgendetwas mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zu betreiben.

Als Michael Häupl auch nach der Gemeinderatswahl 2015 nicht ging, hat er sich seinen Abschied endgültig vertan. Auch wenn es ihm bereits damals zum Problem geworden wäre, dass er in all den Jahren zuvor darauf „vergessen“ hatte, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger aufzubauen, hätte er doch zumindest darauf setzen können, dass seine Kritiker aus den eigenen Reihen noch relativ schwach sind. Also hätte er eher eine Wunschkandidatin oder einen solchen Kandidaten durchsetzen können.

Heute hat er gar nichts mehr unter Kontrolle: Seine Gegner, die sich um Wohnbaustadtrat Michael Ludwig scharen, sind sehr zahlreich geworden. Aus nachvollziehbaren Gründen: 2016 hat Häupl zwar eine Erneuerung der Partei angekündigt, ist diese aber schuldig geblieben. „Seine“ Sozial- und Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely hat nicht zuletzt aufgrund der Pleiten, Pech und Pannen um das Krankenhaus Nord das Weite gesucht. Und „seine“ Koalition hängt aufgrund der Grünen-Krise an einem seidenen Faden. Zusammengefasst: Da ist null Perspektive.

Wer nun Bürgermeister und SPÖ-Vorsitzender wird, ist schwer zu sagen. Michael Ludwig hat gute Chancen: Vertreter größerer Bezirksorganisationen und der Gemeindebediensteten stehen hinter ihm. Häupl kann jedenfalls keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung nehmen. Die Zügel sind ihm endglitten. Ja, er kann nur noch subtil zum Ausdruck bringen, wen er bevorzugen würde.

Getan hat er dies, indem er diese Woche gemeinsam mit dem Klubobmann der Parlamentsfraktion, Andreas Schieder, eine Pressekonferenz gab, um gegen die schwarz-blaue Bundesregierung herzuziehen. Das sollte zeigen, dass er auf der Seite des 48-Jährigen steht. Offen sagen, dass er diesen unterstützt, ist ihm jedoch nicht mehr möglich; damit würde er aufgrund des mächtigen Ludwig-Lagers eine Parteispaltung provozieren. Das ist irgendwie traurig. Doch Mitleid wäre, wie gesagt, fehl am Platz: Häupl hat es so weit kommen lassen.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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