Häupl arbeitet doch mehr als 22 Stunden pro Woche

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Michael Häupl regte mit dem "22-Stunden-Sager" auf.
Michael Häupl regte mit dem "22-Stunden-Sager" auf. - © APA
Von Andreas Unterberger:  Das teilt er uns zur Freude vieler Wiener mit. Diese hatten nämlich schändlicherweise den Eindruck gewonnen, dass der Bürgermeister schon in Altersteilzeit und nur noch an den angenehmen Seiten des Lebens interessiert sei (abgesehen von einigen Lucida intervalla, in denen er wilde Sager ausstößt).

Aber wir glauben ihm natürlich, freuen uns über das bekundete Arbeitsausmaß und leisten ihm ob des falschen Eindrucks Abbitte, den viele Wiener von ihm hatten.Aber umso erstaunlicher ist es, wenn Häupl offenbar trotzdem nichts von den vielen katastrophalen Entwicklungen in Wien mitbekommen hat – oder an diesen desinteressiert ist. Denn er nimmt es jedenfalls tatenlos hin, dass seit Monaten nur noch ein Schlagerwettsingen und der nun schon ständige Jahrmarkt am Rathausplatz als einzige Agenda des Rathauses wahrnehmbar ist.

Wir unterstützen Michael Häupl gerne in seinem bekundeten Arbeitswillen, indem wir ihn an einige der wirklich wichtigen Themen erinnern, um die sich ein arbeitender Bürgermeister eigentlich mit aller Kraft kümmern müsste. Die da etwa sind:

  1. Dass sich allein seit den letzten Wahlen Wiens Schulden verdreifacht haben;
  2. Dass Wien im Verhältnis zu anderen europäischen Metropolen eine viel zu große Beamtenanzahl hat (wobei noch dazu anderswo meist auch Polizisten als städtische Beamte zählen, während sie in Österreich ja Bundesbeamte sind);
  3. Dass Wiens Beamte viel länger im Krankenstand sind und früher in Pension gehen als in den anderen Bundesländern (die Wiener Landeslehrer feiern ja weit mehr als doppelt so lang „krank“ wie jene in Tirol);
  4. Dass Wiens Beamte weit höhere Bezüge und Pensionen haben als sämtliche anderen Landes- und Bundesbeamten in Österreich;
  5. Dass Wien sieben Mal so viel für die Bestechung von Zeitungen ausgibt wie das nächst-verschwenderische Bundesland;
  6. Dass (apropos Korruption) bei den Inseraten und Kooperationen der SPÖ-eigene Echo-Verlag mehr bekommt als sogar die Linksblätter „Standard“ oder „Falter“;
  7. Dass in Wien Amtsgebäude – etwa etliche Bezirksvertretungen – so renovierungsbedürftig und verwahrlost aussehen, wie es bei allen anderen Bauten nur in der Kriegs- und Nachkriegszeit gewesen ist;
  8. Dass die Gemeinde Hochhausprojekte im schönsten und auch touristisch wichtigen Jugendstilviertel beim Konzerthaus errichten lässt (wo sich dann weitgehend nur russische und ukrainische Oligarchen Wohnungen leisten können);
  9. Dass die Rathauspläne schon fertig sind, nun auch auch die Ringstraße architektonisch für die gewinnbringende Spekulation auf Kosten der Schönheit der Stadt zu öffnen;
  10. Dass die alten Heurigenvororte wie auch das prachtvolle Steinhof-Ensemble brutal zerstört werden;
  11. Dass die Wiener SPÖ in den hundert Jahren, da sie alle demokratischen Wahlen gewonnen hat, die Stadt durch keine einzige architektonische oder kulturelle Attraktion bereichert hat, und dass selbst die Werbefilme der Gemeinde nur das katholische und das kaiserliche (heute vom Bund erhaltene) Wien herzeigen können; dass also die Rathauswerber selbst keine „Highlights“ des SPÖ-Wirkens entdecken können;
  12. Dass Wien eine Gesundheitsstadträtin hat, die ihre eigenen Milchmädchenrechnungen auch noch zu glauben scheint, denen zufolge die Wiener Spitäler Hunderte Ärzte weniger brauchen, wenn die Mediziner dort viel weniger lang arbeiten (dürfen);
  13. Dass Autofahrer jetzt auch schon in dreispurigen Durchzugsstraßen durch „Tempo 30“ und die damit unweigerlich folgenden Strafmandate gequält werden;
  14. Dass eine Stunde Parken im Stadtzentrum absurderweise genauso viel kostet wie am Wilhelminenberg;
  15. Dass wohl in keiner Stadt Radfahrer so ungehindert undiszipliniert fahren können wie in Wien;
  16. Dass in Wien die Arbeitslosigkeit mit 13,6 Prozent so hoch ist wie nirgendwo sonst in Österreich und sogar mehr als doppelt so hoch wie in den besten vier Bundesländern;
  17. Dass in Wien 60 Prozent aller „Mindestsicherungs“-Bezieher Österreichs leben, was entweder einen verbrecherischen Missbrauch mit Steuergeldern beweist oder eine dramatische Verarmung breiter Schichten.

Eine lange Liste gewiss. Sie ist dennoch jederzeit erweiterbar. Aber dann würde die Aufnahmefähigkeit des Bürgermeisters in der nächsten Arbeitswoche wohl überbeansprucht. Und das wollen wir nun wirklich nicht.

Über den Autor

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ bzw. „Wiener Zeitung“. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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