Grüße aus Fukushima – Trailer und Kritik zum Film

Grüße aus Fukushima – Trailer und Kritik zum Film
Die Atom- und Flutkatastrophe von Fukushima ist aus dem Blick der Öffentlichkeit mittlerweile durch viele andere Krisen verdrängt worden.

Die deutsche Filmemacherin Doris Dörrie sublimiert mit “Grüße aus Fukushima” das Geschehen nun aber zu einer universellen Geschichte über Loslassen und Freundschaft, die heute, Samstag, auf der Berlinale Weltpremiere feiert und am 1. April in den Kinos anläuft.

Grüße aus Fukushima – Die Geschichte

Im Fokus des Films stehen zwei Frauen: die junge Deutsche Marie (Rosalie Thomass), die als Clownin nach Japan gereist ist, um den verbliebenen Senioren in der Präfektur Fukushima nach der Atomkatastrophe etwas Lebensfreude zu bringen. Und die ältere Satomi (Kaori Momoi), die letzte Geisha von Fukushima. Beide tragen schwer an ihrer Vergangenheit, ist Marie doch vor einer geplatzten Hochzeit aus Deutschland geflohen, während Satomi mit dem Verlust ihrer gesamten Vergangenheit durch den Tsunami hadert.

Sie will die Notunterkunft verlassen und auf eigene Faust in ihr altes Haus zurückziehen, das in der Sperrzone liegt. Marie gesteht sich ein, als Clownfrau denkbar ungeeignet zu sein, und beschließt, der abweisenden Satomi in die Wüstenei ihrer alten Heimat zu folgen und nicht erneut vor ihrem Leben davonzulaufen. Langsam, sehr langsam nähern sich die beiden Frauen dort über die Kulturen hinweg an und erkennen ihren Platz im Leben. Marie wird unmerklich zur Schülerin der Geisha, ohne dass dieser Weg ein einseitiger wäre. Auch die ältere, elegante Satomi lernt von der ihr so plump und ungeschickt erscheinenden Marie, die sie letztlich liebevoll als Elefant tituliert.

Dörrie, die auch wieder für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, widmet sich mit “Grüße aus Fukushima” nach dem Erfolg von “Kirschblüten – Hanami” (2008) erneut Japan und seiner Gesellschaft, wobei das Werk überwiegend an Originalschauplätzen entstanden ist. Und dennoch rückt Dörrie Nippon nicht vordergründig in den Fokus, sondern geht über die objektive Fremdheit hinaus, spürt die Nähe hinter dem vermeintlich Exotischen auf. Der Kern des Films ist eine universell-poetische Geschichte vom Leben und vom Loslassen, die liebevoll zwei Frauen porträtiert, die nicht über Männer sprechen, sondern über das Leben und dessen Last – selten genug im Kino.

Grüße aus Fukushima – Die Kritik

Die Filmemacherin kombiniert dabei charakteristisch für ihr Oeuvre naturalistisches Spiel mit surrealen Elementen. Geister können bei Dörrie eine natürliche Rolle im Geschehen spielen, ohne dass deren Präsenz partout gedeutet oder erklärt werden müsste. Oft genug sprechen die Bilder von Stammkameramann Hanno Lentz in hartem Schwarz-Weiß Bände, wenn Marie als weiß geschminkte Clownin verloren in Tokio umherwandelt oder die aufgeschichteten Pyramiden aus abgegrabener, kontaminierter Erde in Fukushima ein Gefühl für das Geschehene vermitteln.

In nur wenigen Momenten vertraut Dörrie – wie leider immer wieder in ihren Filmen – nicht ganz auf die Kraft ihres Werks und meint, mit didaktischen Sätzen Erläuterungen geben zu müssen. Diese aufflackernde Fernsehästhetik nimmt der Gesamtwirkung etwas den Charakter, aus einem Guss zu sein. Die Beziehung der beiden Protagonistinnen bleibt dabei jedoch unberührt.

Beide üben die Teezeremonie miteinander, machen aber auch einmal “Radiation Vacation”, also einen kurzen Ausflug aus der verstrahlten Zone zu Satomis Tochter. Trockener Humor ist dabei das Mittel der Wahl, um die Narration nicht in eine tragische Nabelschau zweier Suchender abgleiten zu lassen. Dörrie schafft es auf diese Weise, eine gewisse Allgemeingültigkeit menschlichen Seins zu erfassen.

(APA)

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