Grüne wollen Projekt “Heroes” in Wien: Gewaltprävention unter Migranten

Jungen männlichen Migranten sollen andere Zugänge gezeigt werden.
Jungen männlichen Migranten sollen andere Zugänge gezeigt werden. - © dpa/Sujet
Die Grünen wollen das Berliner Projekt “Heroes – Gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre” nach Wien holen. Im Rahmen des Projekts halten junge Männer mit Migrationshintergrund Workshops in Schulen ab. Das Ministerium will in Wien dafür aber keine Finanzierung freigeben.

Ziel dabei ist es, patriarchalische Strukturen infrage zu stellen und Gleichaltrige zum Umdenken zu bewegen, erklärte Menschenrechtssprecherin Alev Korun.

Die Initiative wurde 2007 in Berlin gegründet und ist mittlerweile in sieben deutschen Städten, unter anderem in Köln und München, vertreten. Am 2. Mai startet “Heroes” außerdem in Salzburg. In Wien sei die Durchführung an der Finanzierung durch das Bildungs- und Frauenministerium in letzter Minute gescheitert, kritisierte Korun und appellierte an Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) das Projekt doch noch umzusetzen.

“Ehre als Begriff sehr wichtig”

“Wir trainieren junge Männer zwischen 16 und 22 Jahren, die aus einer Kultur kommen, in der der Begriff Ehre eine große Rolle spielt”, erklärte der Berliner Gruppenleiter und Theaterpädagoge Yilmaz Atmaca. Die Ausbildung dauere etwa ein Jahr, anschließend gehen die Burschen mit selbst erarbeiteten Rollenspielen an Schulen. An den Workshops nehmen sowohl Schülerinnen als auch Schüler teil. “Ziel ist es, den Jugendlichen andere Perspektiven und Möglichkeiten anzubieten, den Begriff Ehre anders zu definieren und Mitmenschen nicht im Namen der Ehre zu unterdrücken”, sagte Atmaca.

Laut einer Evaluation, für die Schüler ein Jahr vor und ein Jahr nach Durchführung der Workshops befragt wurden, habe sich gezeigt, dass sie sich danach “ganz klar gegen Frauenunterdrückung und Gewalt in der Familie ausgesprochen” hätten. “16 Jahre Erziehung kann man in zwei Stunden nicht komplett infrage stellen, es ist ein langfristiges Projekt”, sagte Atmaca. “Wir investieren in die nächste Generation, in die Zukunft.”

Rollenspiele ohne religiöse Begründungen

In den Rollenspielen wird zum Beispiel eine Szene nachgestellt, in der ein junger Mann seine Schwester mit ihrem Freund in einem Kaffeehaus entdeckt. Für einen Burschen, der aus patriarchalischen Strukturen kommt, sei es inakzeptabel, dass ein fremder Mann in die Nähe ihrer Schwester kommt, so Atmaca. Damit sie beide Seiten besser verstehen lernen, wird die Schwester wird dabei von einem Burschen gespielt.

“Wir arbeiten mit den Menschenrechten und lehnen es ab, Fragen mit religiösen Begründungen zu beantworten”, betonte Atmaca. Wichtig sei, dass die “Heroes” aus derselben Kultur wie die Jugendlichen, mit denen sie arbeiten, stammen, also prinzipiell verstehen, was der Begriff Ehre für sie bedeutet. “Es geht um positive Vorbilder”, sagte Korun.

Stattdessen “Workshops für Respekt & Zusammenleben”

Laut Korun würden sich die Kosten für das Projekt auf 90.000 Euro belaufen. In einer Stellungnahme begründete das Bildungsministerium die Ablehnung der Finanzierung damit, dass Schüler von dem Projekt frühestens in zwei Jahren profitieren könnten.

Man habe sich stattdessen “für Sofortmaßnahmen entschieden und hat auch heuer wieder 600 Workshops für ‘Respekt & Zusammenleben in der Schule’ bereitgestellt”, heißt es aus dem Ministerium.

(APA)

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