Grazer Astronom zerlegt den Weltuntergang

Angst? Angst! Könnte man kriegen, wenn man den Blödsinn rund um den eh immer drohenden Weltuntergang liest.
Angst? Angst! Könnte man kriegen, wenn man den Blödsinn rund um den eh immer drohenden Weltuntergang liest. - © s.media_pixelio.de
Lange kann es nicht mehr dauern! 2012 haben Endzeit-Propheten ein recht stressiges Jahr. Maya-Kalender, Asteroiden, Iran-Krise – Anlässe gäbe es genug, dass der Fall der Fälle endlich entritt. Der Astronom Arnold Hanslmeier schaut sich die Szenarien mit rationalem Blick an. 

Arnold Hanslmeier, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik, reagiert auf Spekulationen, dass wieder einmal die letzten Tage der Menschheit angebrochen sein sollen, gelassen. “Aus astronomischer Sicht deutet nichts darauf hin”, hält er im Gespräch fest. “Selbst im Maya Kalender steht nirgendwo, dass die Welt zu diesem Zeitpunkt untergehen oder sonst etwas Besonderes passieren wird. Das einzige, was feststeht: Die Maya hatten eine zyklische Zeitvorstellung, und mit diesem Datum endet eine über 5.000 Jahre alte Kalenderreihe”.

Viel Blödsinn rund um den Weltuntergang

“Rund um angeblich vorausgesagte Weltuntergänge wird aus wissenschaftlicher Perspektive unglaublich viel Blödsinn verzapft”, so der Astrophysiker. Daher habe er in seinem Buch die reale Gefahr von möglichen kosmischen Katastrophen in leicht verständlicher Weise beleuchtet, konkret die Wahrscheinlichkeit von Planetenkollisionen, Asteroiden-Impacts, Sonnenstürmen oder Einschlägen von Kometen, deren Bahn im Vorhinein oft schwer berechenbar ist.

Entwarnung gibt er für den 2004 entdeckten, 270 Meter großen Asteroiden Apophis, bei dem man zuerst glaubte, dass er auf Kollisionskurs mit der Erde sei: “Das kann mittlerweile 100-prozentig ausgeschlossen werden. Er wird nach jüngsten Berechnungen in 700.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeisausen und als Stern dritter Größe zu sehen sein”. Dass das Ende eines Sterns – eine Supernova-Explosion – Auswirkungen auf die Erde haben könnte, hält Hanslmeier für unwahrscheinlich. “Gegenwärtig kennen wir keinen Stern im Umkreis von 100 Lichtjahren, der in den nächsten Millionen Jahren zu einer Supernova werden wird”.

Kosmisch mittelfristige Gefahr Sonne

Gemessen in längeren Zeiträumen könne jedoch die Sonne der Erde gefährlich werden: “Bereits in einigen 100 Millionen Jahren wird die Helligkeit der Sonne dermaßen zunehmen, dass das gesamte Wasser auf der Erdoberfläche verdampfen wird. In etwa 4,5 Milliarden Jahren wird sie sich zu einem Roten Riesen entwickeln und dabei das Innere des Sonnensystems bis etwa zur Bahn des Mars verschlingen. Dann ist Schluss”, so der Astrophysiker.

Negativen Einfluss hat die Sonnenaktivität jedoch schon heute auf unsere hoch technisierte Welt: “Während eines starken Sonnenausbruchs werden elektrisch geladene Teilchen und Strahlung im kurzen Wellenlängenbereich freigesetzt. Satelliten können sich aufladen und die Kommunikation mit ihnen kann abreißen”, so Hanslmeier. Ein durch die Sonnenaktivität hervorgerufener geomagnetischer Sturm kannzwar nicht zum Weltuntergang, aber zum Beispiel zu einer Überspannung der Stromleitungen und deren Zusammenbruch, wie 1989 in Kanada, führen, erklärte der Grazer Sonnenphysiker.

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