“Graf Norbert” will noch einmal abheben – Chancen des FPÖ-Kandidaten

Der Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) hat keine schlechten Chancen
Der Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) hat keine schlechten Chancen - © APA
FPÖ-Kandidat Norbert Hofer will noch einmal abheben. Nachdem seine Partei die Bundespräsidenten-Wahl erfolgreich angefochten hat, geht er nun ins zweite Rennen gegen seinen Kontrahenten Alexander Van der Bellen. Die Chancen stehen für den amtierenden Dritten Nationalratspräsidenten nicht schlecht, das knappe Ergebnis der ersten Stichwahl umdrehen zu können.

Inhaltlich hat sich in Hofers Wahlkampf auch beim zweiten Anlauf nichts geändert. Stattdessen sollen ihm neue Vehikel an die Staatsspitze verhelfen: Bei einer Fahrt mit dem Heißluftballon schwebte Hofer jüngst symbolträchtig über der Steiermark und ließ sich sogar bei der traditionellen “Taufe” in Ballonfahrer-Kreisen einen neuen Titel geben: “Graf Norbert, den Blick bis in die Heimat auskostender Edelmann zu den Luftgütern der Steiermark”.

Bittere Niederlage für Norbert Hofer

Obwohl der Freiheitliche Norbert Hofer die Menschen hinter sich und nur die Hautevolee hinter Kontrahent Alexander Van der Bellen gewähnt hatte, hat ihm letzterer bei der Stichwahl zur Präsidentschaft doch noch auf den letzten Metern das höchste Amt im Staat weggeschnappt. Für Hofer war die Niederlage bitter, hatte er doch aus Runde eins einen satten Vorsprung von fast 14 Prozentpunkten. Die anschließende Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof fruchtete, wegen etlicher Unregelmäßigkeiten ging es zurück an den Start.

Die Freiheitlichen hatten den Wahlkampf zu einer Anti-Establishment-Kampagne gemacht und darauf vertraut, dass die Wechselstimmung im Land groß genug ist, um mit der Verunglimpfung von Van der Bellen als Schnittlauch auf der rot-schwarzen Suppe eine Mehrheit hinter ihren Kandidaten zu bringen. Offenbar schreckten die Österreicher dann aber doch davor zurück, ein freiheitliches Staatsoberhaupt zu küren, das wohl Österreichs Image in Europa zumindest kurzfristig nicht unbedingt gedient und auch die heimische Politik ordentlich durchgeschüttelt hätte.

FPÖ-Kandidat würde Regierung entlassen

Nicht umsonst hatte Hofer – auf die Unbeliebtheit von Rot-Schwarz schielend – immer wieder betont, dass er die Regierung gegebenenfalls auch entlassen würde, wenn die seiner Meinung nach zu wenig weiterbringen würde. Dass er dies nur tun würde, um Neuwahlen zu inszenieren, die dann seinen Parteichef Heinz-Christian Strache zur Kanzlerschaft spülen sollten, bestritt der Dritte Nationalratspräsident zwar stets, doch Zweifel blieben.

Geschadet hat Hofer beim ersten Versuch mit Sicherheit, dass die Stichwahl letztlich zum Lager-Wahlkampf wurde. Auch viele, die Van der Bellens Performance mäßig fanden bzw. überhaupt mit den Grünen nichts am Hut hatten, schreckten davor zurück, einen Freiheitlichen in die Hofburg zu schicken, auch wenn dieser sich noch so freundlich durch den Wahlkampf bewegte.

Wirkung und Strategie Norbert Hofers

Dabei galt der 45-Jährige Familienvater – in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern – schon seit Jahren als jener Freiheitliche, mit dem sich auch Vertreter anderer Parteien ganz gerne zeigten. Seit der vergangenen Nationalratswahl ist er Dritter Präsident, übt das Amt fehlerlos und verbindlich aus. Seine Umgangsformen sind tadellos, quasi der Wunsch-Nachbar von nebenan, wenn man sich nicht daran stößt, dass jenseits des Gartenzauns die Schießeisen des Waffenfreunds in einem Schrank ruhen.

Dass Hofer, der von seinen Parteifreunden zur Kandidatur erst genötigt werden musste, nicht gar so sanftmütig ist, wie er gerne meinen machen will, zeigte sich in den TV-Duellen. Da provozierte er gerne, unterbrach, wurde höhnisch, um ein paar Momente später wieder ins Verbindliche zu wechseln. Seitdem wurde der Ton noch sanfter, in den letzten Monaten verzichtete Hofer überhaupt auf Angriffe jeglicher Art.

Burschenschafter und Strache-Intimus: Politische Positionen nicht unumstritten

Höflich trägt Hofer auch seine politischen Positionen vor, die dann gar nicht so ohne sind. Er, der schon in seinen frühen 20ern zum Eisenstädter FPÖ-Obmann und burgenländischen Landesparteisekretär aufstieg, ist ein strammer Freiheitlicher. Hofer gehört zum engsten Führungszirkel von Parteichef Heinz-Christian Strache, hat das aktuelle Parteiprogramm geschrieben, umgibt sich mit schlagenden Burschenschaftern, ist selbst Mitglied der umstrittenen Marko-Germania Pinkafeld, vertritt in der Flüchtlingspolitik einen äußerst restriktiven Kurs und ist großer EU-Skeptiker. Folgerichtig dürften die meisten Staats- und Regierungschefs der Union froh gewesen sein, dass ihnen im Mai das erste rechtspopulistische Staatsoberhaupt Westeuropas erspart blieb.

Ob Hofer beim zweiten Versuch der Aufstieg nach ganz oben gelingt, wagt seit der Aufhebung der Wahl kaum jemand zu prognostizieren. Bei einer Niederlage bliebe ihm immerhin sein Amt im Nationalrat, und die Familie wollte ohnehin lieber daheim in Pinkafeld verweilen. Dazu kommt: Hofer hat schon weit Schlimmeres überstanden. Seit einem Paragleit-Unfall, der ihn an den Rollstuhl zu fesseln drohte, ist er stark gehbehindert. Dennoch fuhr er mit dem Ballon genau über jene Stelle, um es noch einmal zu wissen.

Zur Person: Eckdaten zu Norbert Hofer

Norbert Hofer, geboren am 2. März 1971, in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern, gelernter Flugzeugtechniker, 1995 Stadtparteiobmann von Eisenstadt, 1996 Landesparteisekretär im Burgenland, 1997 Gemeinderat in Eisenstadt, 2005 stv. Bundesparteiobmann, seit 2006 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher, seit Oktober 2013 Dritter Nationalratspräsident.

(apa/red)

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