Glücksspiel: Fast 1.500 illegale Geräte in Österreich

Trotz Verboten befinden sich in den Bundesländern noch illegale "Spielhöllen"
Trotz Verboten befinden sich in den Bundesländern noch illegale "Spielhöllen" - © DPA
Mit sieben Mitarbeitern geht Gert Schmidt im Namen des Glücksspielkonzerns Novomatic unkonzessionierte Anbieter von Glücksspielautomaten auf den Grund. Nun wurde erhoben, dass fast 1.500 illegale Geräte in Österreich betrieben werden.

Das Glücksspiel über Automaten scheint auch trotz einem Verbot in mehreren österreichischen Bundesländern zu florieren. Drei der sieben Mitarbeiter Schmidts sind permament im Außendienst unterwegs und ermitteln inkongnito bundesweit.

Verbot in Wien funktioniert

Die illegalen Standorte werden akribisch dokumentiert. 283 “Spielhöllen” macht spieler-info derzeit aus, die meisten davon in Oberösterreich (96), der Steiermark (55) und Kärnten (30). In diesen Lokalitäten stehen insgesamt 1.455 Geräte, auch hier führt Oberösterreich (487), gefolgt von der Steiermark (293) und Kärnten (194). In Niederösterreich, dem Heimatbundesland von Novomatic, gibt es “nur” 87 Geräte. In Wien dürfte das Verbot, das seit Anfang 2015 in Kraft ist, hingegen greifen: Nur mehr 34 illegale einarmige Banditen haben Schmidt und seine Mitarbeiter im Mai in der Hauptstadt ausfindig gemacht. Das Automatenzocken ist nicht nur in Wien untersagt. Auch Vorarlberg, Salzburg und Tirol erlauben das sogenannte kleine Glücksspiel nicht, dennoch kommen die westlichen Bundesländer nach Schmidts Zählung zusammen auf 351 Automaten.

Begonnen aus eigener Initiative

In den anderen Bundesländern – OÖ, NÖ, Steiermark, Kärnten und Burgenland – dürfen nur konzessionierte Anbieter Automatenspiel anbieten. Die meisten bisher vergebenen Lizenzen hat die Novomatic-Tochter Admiral inne. Als Handlanger von Novomatic will sich Schmidt auf keinen Fall sehen. “Die Illegalen versuchen permanent, mich als verlängerten Arm oder Lobbyisten von Novomatic darzustellen”, sagt er. Er habe seine Plattform spieler-info 2006 aus eigener Initiative gestartet, wenngleich er Novomatic-Eigner Johann Graf seit der Gründung des Glücksspielkonzerns kenne. “Ich bin mit ihm befreundet. Auch mit Leo Wallner (dem langjährigen Chef der Casinos Austria, der vergangenen Sommer 79-jährig verstorben ist, Anm.) war ich sehr gut bekannt.”

Seit der viel kritisierten Novellierung des Glücksspielgesetzes (GsPG) 2010 sei die Arbeit schlagartig mehr geworden. “Einer der wichtigsten Pfeiler der Konzessionsvergabe ist die Pflicht des Staates, Spielsucht, Betrug und Geldwäsche zu bekämpfen. Auch die Konzessionäre sind verpflichtet, mit einem glaubwürdigen Spielerschützer zusammenzuarbeiten.” Genau aus diesem Grund kooperiere Novomatic seit mehreren Jahren mit ihm, so Schmidt. “Wir verrechnen die Fremdkosten weiter. Aufs Jahr gerechnet sind es sicher ein paar hunderttausend Euro. Teilweise arbeiten wir mit Detektiven, und immer mit Rechtsanwälten.” Ein Geschäft sei die Jagd auf die Illegalen aber “im Großen und Ganzen nicht”. Einige wenige Jahre habe er für seine Arbeit auch vom teilstaatlichen Casinos-Austria-Konzern – unter der Ära Wallner – Geld bekommen. An Novomatic sei er zwecks finanzieller Unterstützung 2010 herangetreten.

Mehr als 1.000 Anzeigen

Schmidt bringt in jedem einzelnen Fall Anzeigen ein – über tausendmal hat er sich zuletzt an die Behörden gewandt. Zuerst übermittelt er seine Dokumentationen über den Standort an die Finanz, später an die zuständige Verwaltungsstrafbehörde (Bezirkshauptmannschaft oder Polizeidirektion). Auf Basis der entsprechenden Unterlagen bringe dann Novomatic Klagen nach dem Unlauterer-Wettbewerbs-Gesetz (UWG) gegen die illegalen Konkurrenten ein, erzählt Schmidt. Die UWG-Klagen hätten den “Vorteil”, dass sie den Illegalen finanziell wehtun. Wenn Novomatic vor Gericht siegt, verfüge dieses Beugestrafen von bis zu 1 Mio. Euro. Wenn sie die Verurteilten also trotz Verbots weiterspielen, müssen sie zahlen.

Vielen “Häuptlingen”, wie Schmidt die Hintermänner nennt, sei das jedoch egal. “Die spielen mitunter munter weiter.” Dabei legten sie gewissermaßen die einzelnen Geschäftsführer herein. “Sie nehmen sich einen Geschäftsführer, der schlicht und einfach kein Geld hat. Dem sagt man, ihm könne nichts passieren: ‘Wir verschieben die Beugehaft bis zu einem Jahr. In diesem Jahr spielst du mit zehn Automaten 1 Mio. Euro ein. Dann gehst du in Privatkonkurs.'” Das Problem dabei: “Strafen des Gerichts sind vom Privatkonkurs nicht erfasst. Die Leute bleiben getäuschterweise auf ihren Strafen sitzen.” Schmidt ist der Überzeugung, dass in Österreich nur ganz wenige “böse Buben” vom illegalen Automatenspiel profitieren. “Die haben meist Firmen mit 20 oder 50 Mitarbeitern.” Auch gegen diese geht Schmidt vor, in Kürze will er eine umfangreiche Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) einbringen. Die “Häuptlinge” machten riesige Gewinne, spiele doch ein illegaler Automat im Monat rund 7.000 Euro ein.

Geschicklichkeitsspiel statt Glücksspiel

Ein neuer Trick laut Schmidt: Viele behaupteten, es handle sich nicht um Glücksspiel, sondern um ein Geschicklichkeitsspiel. Damit wollten sie sich nicht nur die Konzession ersparen, sondern auch Steuern. Bei Geschicklichkeitsspielen falle nur die normale Umsatzsteuer von 20 Prozent an, nicht jedoch die Glücksspielabgabe in Höhe von 43 Prozent. “In Österreich sind jetzt schon 800 Geschicklichkeitsautomaten aufgestellt.” Sportwetten gelten in Österreich übrigens nicht als Glücksspiel. Ein “ganz eigener” Geschäftszweig in den Spiellokalen sei der – freilich auch illegale – Geldverleih. “Die machen sich an die Spieler ran und sagen: Ich borge dir 1.000 Euro und du kannst weiterspielen.” Ob die Geldverleiher mit den Automatenbetreibern zusammenarbeiten, wisse er nicht genau, so Schmidt.

Der selbst ernannte Spielerschützer ist aber trotzdem guter Dinge, dass das illegale Glücksspielangebot in zwei, drei Jahren bis auf einen “Bodensatz” zurückgedrängt werden kann. Schon in den vergangenen Jahren seien viele Geräte verschwunden. Auch wenn zu den 1.455 derzeitigen einarmigen Banditen noch geschätzte 500 Tablets und Co. hinzukämen, über die die Spiellokalbesucher direkt in Online-Casinos zocken können. Im Jahr 2010 habe es noch 10.000 illegale und “nur” etwa 7.000 legale Geräte (inklusive der Automaten in den Spielbanken) gegeben.

(APA/Red.)

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