Glow: Das perfekte Zusammenspiel

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Glow: Das perfekte Zusammenspiel
Es liegt mehr als nur eine gewisse Logik darin, dass der österreichische Gitarrist Wolfgang Muthspiel und der in Frankreich lebende tunesische Oud-Spieler und Sänger Dhafer Youssef ein gemeinsames Album an den Start bringen.

Die beiden Musiker verbindet nicht nur eine lange gemeinsame Vita, sondern auch eine sehr ähnliche musikalische Haltung. Beide haben die musikalischen Traditionen ihres Heimatlandes verinnerlicht, sich auf eine weite Reise durch die Gefilde des Jazz und vieler verwandter Musikrichtungen begeben, um in einer Musik anzukommen, die sich von allen äußeren Vorgaben, Kategorien oder merkantilen Formaten freimacht. Genau an diesem Punkt treffen Muthspiel und Youssef wieder aufeinander und formulieren ihr gemeinsames Statement Glow.

Glow ist ein Duo-Album, und es ist kein Duo-Album, denn es gibt eine Reihe von Gästen, mit denen die beiden Protagonisten in direkten und virtuellen Dialog treten. Glow ist ein Live-Album, und es ist kein Live-Album, denn alle Stücke basieren auf Improvisationen und Abläufen in Echtzeit, die jedoch im Studio mehrere Metamorphosen durchlaufen haben. Auf jeden Fall jedoch beschreibt Glow auf ganz intime Weise eine gemeinsame Reise zweier Menschen, die einander gut kennen. Auf eine Reise nimmt man bekanntlich Gepäck mit. „Mich hat immer Dhafers Ausdruck als Sänger fasziniert“, beschreibt Wolfgang Muthspiel seine Vorbereitung auf die Reise.

„Ich wollte diesen Ausdruck einfach anders umgeben. Vor allem mit meiner musikalischen und harmonischen Sprache. Konkret haben wir einige Tage zusammen gesessen und drei Stücke erarbeitet. Alles andere ist in einem Prozess von Improvisation entstanden. Es gab insgesamt vier Etappen, bei denen wir die Stücke langsam aus der Improvisation formten. Das war nicht das übliche Jazz-Verfahren, wo man drei Tage ins Studio geht und fertig. Es war ein langes Ausholen. Für mich war es spannend, Dhafer zum Singen zu inspirieren. Dhafer ist ein Musiker, dem man nicht zu viel sagen darf. Man muss ihn verführen, damit er sich in der Musik, die er spielt, wohl fühlt.“

Doch Muthspiel gibt nicht nur Youssef eine neue Umgebung, er dringt auch selbst in ganz andere Klangbereiche vor. Schon auf seinen letzten CDs mit im Trio mit Matthias und Andreas Pichler sowie im Duo mit dem amerikanischen Drummer Brian Blade präsentierte sich Muthspiel als Gitarrist, der entspannt mit seinen Ressourcen umzugehen versteht. Er muss nicht mehr zeigen, was er draufhat, sondern kann sich von seinen spielerischen Qualitäten ausgehend relaxed auf Architektur und Vision seiner Musik konzentrieren. So zurückhaltend wie auf Glow hat er jedoch noch nie agiert. Sensibel baut er Umgebungen auf, entwirft Dramaturgien und versieht jeden Song mit einem ganz unverwechselbaren Ambiente. „Ich habe den Prozess genossen, Regie zu führen“, resümiert der Gitarrist. „Wir haben zusammen gedreht, und dann habe ich den Film geschnitten. Meine Ergebnisse habe ich Dhafer stets vorgespielt. Bestimmte Parts haben wir im Studio noch einmal eingespielt und dann neu eingearbeitet. Es war ein Umkreisen, bis man schließlich an den Punkt gelangte, den man im Auge hatte. Natürlich beeinflusst es mich sehr, mit wem ich spiele. Dhafers Klang ist so stark, dass er unmittelbar eine Reaktion auf mein Spiel bewirkt. Ich suche nach Musik, die so stark ist, dass ich nicht darüber nachdenken muss, sondern dem Impuls im Raum einfach nur zu folgen brauche.“ (Text: Wolf Kampmann)

Lesen Sie mehr auf www.materialrecords.com
Hörproben auf www.myspace.com/wolfgangmuthspiel

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