Glen Hansard live: Ein musikalisches Gesamtkunstwerk im Wiener Konzerthaus

Von Amina Beganovic
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Hat man seine Stimme einmal gehört, bekommt man sie so schnell nicht mehr aus dem Kopf: Musiker Glen Hansard.
Hat man seine Stimme einmal gehört, bekommt man sie so schnell nicht mehr aus dem Kopf: Musiker Glen Hansard. - © APA
Gänsehautmomente, Tränen, Lachen und lautes Mitsingen gab es am Samstagabend im ausverkauften Wiener Konzerthaus: Der irische Ausnahmemusiker Glen Hansard nahm seine Fans mit auf eine musikalische Reise der großen Gefühle.

Es war ein Abend unter Freunden: Nur sehr selten bekommt man wohl so viele junge Leute auf einmal in den ehrwürdigen Hallen des Wiener Konzerthauses zu sehen. Ausnahmsweise wurden am Samstag dort nämlich keine klassischen Größen aufgespielt – der große Saal war wegen eines bärtigen, 45-jährigen Musikers aus Irland bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Glen Hansard, Sänger, Gitarrist und Schauspieler, versteht es, ohne viel Schnick-Schnack ein musikalisches Klangbild entstehen zu lassen, das seinesgleichen sucht.

Vom Straßenmusiker bis zum Oscar

Dabei fing es bei ihm vor rund 25 Jahren dort an, wo wohl der beste Folk der Welt entsteht: Mitten auf den Gehsteigen Dublins, als Straßenmusiker. Hansards Talent blieb aber nicht lange unbemerkt: Mit seiner Band The Frames sorgte er für Furore, später folgte das Folk-Duo The Swell Season, das er gemeinsam mit der tschechischen Pianistin und Sängerin Markéta Irglóva initiierte. Auch auf den Kinoleinwänden kennt und liebt man Hansard: Als Schauspieler im irischen Indie-Film „Once“ übernahmen er und Irglóva gleich selbst die Hauptrollen. Die Romanze über einen irischen Straßenmusiker (und wer hätte für den Part wohl besser gepasst?) und eine osteuropäische Gastarbeiterin gewann zahlreiche internationale Preise, unter anderem auch den Oscar für die beste Filmmusik für den Titelsong „Falling Slowly“.

Aber auch, wenn man nichts über die beeindruckende Karriere von Glen Hansard weiß, lässt einen seine Musik nicht mehr los, sobald man sie mal im Ohr hatte. Das bewies er auch mal wieder in Wien. Es hätte eigentlich auch gereicht, wenn er sich einfach mitsamt Akustikgitarre alleine auf die Bühne gestellt hätte. Genau das machte Hansard auch, als er bei der (neuen) Eingangsnummer “Grace Beneath the Pines” a capella und unmikrofoniert zu singen begann. Man hätte dabei wohl eine Stecknadel im Konzerthaus fallen gehört.

Glen Hansard und Band fesselten das Publikum

Dann wurde es aber auch schon lauter: Im orchestral-anmutenden Rahmen, begleitet von Streichern, Bläsern und Schlagwerk, lieferten Hansard und seine Band Gänsehautmomente bei “In These Arms” “Winning Streak” oder einem unbeschreiblich mitreißenden “When Your Minds Made Up”. Auch Lieder von dem neuesten Hansard’schen Werk „Didn’t He Ramble“ sorgten für wilden Applaus, verstohlen wischte sich der eine oder die andere bei “Just To Be The One” oder “My Little Ruin” eine Träne aus den Augenwinkel (die Redaktion nimmt sich dabei nicht aus, Anm.)

Natürlich durften bei einem Glen Hansard-Konzert auch die kleinen aber feinen Anekdoten des Lebens nicht fehlen, bei denen zum Nachdenken, aber auch ordentlich zum Lachen angeregt wurde – seien es Momentaufnahmen aus seiner Schaffenszeit in New York, oder Geschichten von verpassten Romanzen, die eigentlich passieren wollten, aber wohl doch nicht hätten sein sollen. Das eine oder andere Schimpfwort fiel dabei mitunter, mit darauffolgender, grinsender Entschuldigung: “Es ist mir eigentlich sehr unangenehm, in diesen heiligen Hallen das Wort ‘Fuck’ in den Mund zu nehmen.”

Auch forderte Hansard sein Publikum laufend zum Mitsingen auf, man sollte sich von den prunkvollen Räumlichkeiten “nicht einschüchtern lassen”.

Lautes Mitsingen im Wiener Konzerthaus

Zwar war es für die meisten Zuschauer anfangs offensichtlich etwas schwierig, sich bei der Musik einfach gehen und mitreißen zu lassen, aber spätestens bei der zweiten Hälfte des Abends hielt es keiner mehr auf den Sitzplätzen aus, der ganze Saal sang mit Glen Hansard “High Hopes”, “Say It To Me Now” und natürlich den Hit “Falling Slowly” mit.

Dass Glen Hansard auch immer gerne für Überraschungen gut ist, bewies er nicht nur, als er am Samstag noch vor dem Abend einen kleinen Spontan-Gig am Wiener Hauptbahnhof für die dortigen Flüchtlinge und ihre Helfer gab (den Flüchtlingen und “Train Of Hope” widmete er später ebenfalls den neuen Song “Way Back In The Way Back When”). Auch im Konzerthaus war er um Tuchfühlung nicht verlegen, kurzerhand kletterte er mitsamt Gitarre in der mitte des Saals auf den FOH und sang, stampfte und klatschte laut mit den Fans im Chor, die alle zu ihm nach vorne strömten. Gar Gospel-artig wurde es gegen Ende bei “Her Mercy”, mitsamt “Rock Me Amadeus”-Einstreuung, die wiederum für Lacher sorgten.

Fazit: Der Abend hatte alles, was man sich von einer guten Performance wünscht – und mehr. Sowohl der Voract Ye Vagabonds (ganz große Empfehlung!) als auch Hansard und seine Band selbst boten ein musikalisches Gesamtkunstwerk, wie man es heutzutage nur noch selten bei Live-Konzerten erlebt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Truppe aus Irland für ihren nächsten Besuch in Wien nicht wieder zwei Jahre Zeit lässt.

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