Erst jetzt wird der Vorfall von 2010 genauer untersucht. - © dpa
Der schwere Zwischenfall in einem Germanwings-Jet Ende 2010 beim Anflug auf den Kölner Flughafen geht laut “Spiegel” vermutlich auf giftige Öldämpfe in der Kabinenluft zurück. Darauf deuteten interne Lufthansa-Dokumente hin, berichtete das Magazin am Sonntag vorab. Um möglichen Problemen mit giftigen Dämpfen entgegenzuwirken, nimmt die Fluglinie schon seit längerem Veränderungen an Triebwerken vor.
Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war beim Landeanflug auf Köln womöglich nur knapp einem schweren Unfall entgangen. Laut einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) gaben die Piloten an, sie hätten einen “seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch” wahrgenommen. Ein Pilot soll demnach bemerkt haben, wie ihm “im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden”. Laut BFU beschrieben beide Flugzeugführer “ihre Verfassung kurz vor der Landung als surrealistisch und wie in einem Traum”. Mit Sauerstoffmaske konnte der Kapitän den Jet dennoch sicher landen.
Als Ursache für den Geruch gaben Germanwings-Techniker laut “Spiegel” seinerzeit sogleich Enteisungsmittel an. Dem Bericht zufolge stellte jedoch ein Flugmediziner der Lufthansa in einem Schreiben vom 7. Juli 2011 fest, dass es sich neben Enteisungsmittel auch um “vermutlich Rauchgas und TCP-Inhalation” gehandelt haben müsse. TCP ist demnach ein Schmiermittelzusatz im Triebwerköl, der wie ein Nervengift wirken kann. Beim Einatmen entsprechender Dämpfe könnten kribbelnde Gliedmaßen und Einengung des Gesichtsfelds bis hin zum Bewusstseinsverlust auftreten.
Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty bestätigte derweil Berichte, wonach die Airline technische Veränderungen an Triebwerken besonders des Großraumflugzeugs Airbus A380 vornimmt. Zwar gebe es weltweit weiter keinen Nachweis von Vergiftungsfällen in Flugzeugen durch entsprechende Dämpfe, sagte Lamberty der Nachrichtenagentur AFP. Gleichwohl wolle der Konzern einer möglichen Verunsicherung von Passagieren und Crews entgegenwirken. “Wir tun was an dem Thema”, sagte Lamberty. So sollen in die Triebwerke eingezogene Bleche verhindern, dass austretendes Öl von der Kabinenluftanlage angesaugt wird.
Auch untersuchten Techniker per Hand, ob auch nur geringste Mengen Öl zu finden seien. Werde Öl entdeckt, werde es entfernt. Dabei handele es sich “nicht um Liter, sondern um Milliliter”, sagte Lamberty. In der Vorbereitungsphase befinde sich zudem ein technisches Verfahren, wonach während des Anlassens der Triebwerke keine Luft angezapft wird. (APA)